Stolberg: Kulturmacher setzen auf ein Stolberger Netzwerk

Stolberg: Kulturmacher setzen auf ein Stolberger Netzwerk

Literatur, Musik und exquisite Gaumenfreuden: Die kulinarisch-kulturellen Kompositionen sind der Kupferstadt am Wochenende beispielhaft gewesen — ebenso wie die Vernetzung der Akteure vor und hinter den Kulissen.

Ein Schauplatz war das Bistro Museum Zinkhütter Hof, in dem gediegene Atmosphäre herrschte. Dort las die gebürtige Französin und Wahl-Stolbergerin Sylvie Schenk aus ihrem Roman „Parksünder“. Die Auszüge der Geschichte des jungen Ministerialbeamten und Karrieristen Rémi, der sich zur Beerdigung seiner Mutter in ein französisches Bergdorf begibt, wurden durch einfühlsame Improvisationen des Saxofonisten Heribert Leuchter stimmig ergänzt.

Das Würselener Quintett „La Famille“ begleitete den bretonischen Abend im „Piano“ mit lebendiger, kraftvoller Musik, der man die keltischen Einflüsse in der Bretagne anhörte.

Für das mediterrane „Dîner à la Provence“ und die passenden Getränke zeichnete sich das Team um Küchenchef Stefan Carol verantwortlich. So kamen 60 Gäste in den Genuss einer literarischen Lesung, anspruchsvoller Musik und köstlicher Speisen wie gefüllte Mini-Blätterteigpasteten mit Perlhuhnbrust-Frikassee, einer Bouillabaisse nach einem Hausrezept von Carol und Lammrücken mit knuspriger Korianderkruste auf Sauce Provençale mit Pfifferlingen verfeinert. Organisiert hatten den stilvollen Abend Christa und Karl-Heinz Oedekoven.

„Afro-Brunch“ in Planung

Das Paar ist bereits seit Mitte der 80er Jahre kulturell in Stolberg engagiert, wobei der Schwerpunkt die Kunst ist. Die Oedekovens organisierten unter anderem die städtische Kunstausstellungsreihe „Artibus“ und gehören zu den Initiatoren der Kunstausfahrt „Art Tour de Stolberg“. Christa Oedekoven betreibt zudem derzeit die im Burg-Center ansässige „Steinweg-Galerie“. „Der Kontakt zu Stefan Carol entstand in den 90er Jahren; zunächst durch Bewirtung und Catering bei Ausstellungen, die wir im Museum Zinkhütter Hof realisiert haben“, berichtet Karl-Heinz Oedekoven. Später kamen dann auch Kunstausstellungen in Carols Bistro hinzu.

Im Zuge des Kulturfestivals bewährte sich im Zinkhütter Hof die Kombination aus Kultur und Kulinarischem, und auch beim diesjährigen „Stolberg goes Afrika“ vom 7. bis 9. Juni wird das Team Oedekoven-Carol tätig sein: „Wir werden am Sonntag von 10 bis 14 Uhr einen Afro-Brunch veranstalten. Danach kann es dann gestärkt zur Parade gehen“, sagt Karl-Heinz Oedekoven. Er betont, dass vernetzte Aktionen zugunsten des kulturellen Lebens in der Kupferstadt immer eine „Win-win-Situation“ darstellten: „Gemeinsam kann man attraktive Angebote schaffen, die dann auch dementsprechend wahrgenommen werden.“

So sieht es auch der aus Frankreich stammende Christian Clément, der seit gut zwei Jahren eine Bodega am Alter Markt betreibt: „Wenn man Interessen bündelt, kann man dadurch viele Menschen erreichen.“ Clément kooperierte am Wochenende mit Otto Matheis, dem Wirt der Altstadtkneipe „Piano“, in der seit 2005 unzählige Konzerte stattgefunden haben. Beide hatten zu einem „bretonischen Abend“ eingeladen, und rund 50 Gäste waren dem Ruf ins „Piano“ gefolgt. In lockerem Rahmen genossen sie Meeresfrüchte der Bretagne, Artischocken an Sauce Hollandaise, schmackhafte Käsesorten aus der Normandie, den bretonischen Kuchen „Far Breton“ und einiges mehr. Und natürlich Cidre sowie erlesene Weine. „Christian besucht hier gerne die Konzerte und die Abende mit den Altstadtmusikanten. Ich habe schon Wein bei ihm gekauft und war zu einer Champagner-Probe in seiner Bodega“, erzählt Matheis, wie es zum Kontakt zwischen den „Altstadtnachbarn“ kam.

Bald sei der Wunsch entstanden, zusammen ein Event zu veranstalten, und der gemeinsame Nenner war schnell gefunden: „Die Bretagne ist ja quasi meine zweite Heimat, und Christian war von einem bretonischen Abend ebenfalls sofort begeistert.“ Wer die Musikkneipe „Piano“ kennt, kann sich denken, dass es auch an diesem Abend bei der reinen Esskultur nicht blieb: Mittels eines Videobeamers wurden eindrucksvolle Impressionen aus der Bretagne auf einer großen Leinwand visualisiert, und es gab — beinahe schon selbstverständlich — Livemusik. Das Quintett „La Famille“ aus Würselen erfreute die Gäste mit lebendiger, kraftvoller Musik aus der Bretagne, der die keltischen Wurzeln anzuhören waren.

Ein weiteres Beispiel für die kulturelle Vernetzung in der Kupferstadt, denn auf die Formation aufmerksam wurden Clément und Matheis durch einen Tipp aus dem Rathaus. „Ferdi Gatzweiler hat uns darauf hingewiesen, dass es in Würselen, dessen Partnerstadt Morlaix in der Bretagne ist, eine Gruppe gibt, die wirklich gut bretonische und keltische Folklore spielt“, sagt Matheis.

So ließ der bekennend frankophile Bürgermeister sich den bretonischen Abend auch nicht entgehen und schwelgte mit den Besuchern des „Pianos“ in Musik, Speis und Trank. Zwei seiner Stellvertreterinnen indes ließen es sich im Bistro Museum Zinkhütter Hof gutgehen, wo Literatur und Musik ebenfalls durch den Magen gingen.