Stolberg: Künstler von Weltformat zu Gast beim Klassik-Festival im Museum Zinkhütter Hof

Stolberg: Künstler von Weltformat zu Gast beim Klassik-Festival im Museum Zinkhütter Hof

„Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie.“ Dieses Bibelzitat vom letzten Sonntag ist aktueller denn je. Viele junge Leute verlassen ihren Heimatort, um eine Ausbildung zu machen oder zu studieren. Und kehren diese dann erfolgreich zurück, treten ihnen alle voreingenommen gegenüber.

So ist es auch Patricia Sohre Buzari ergangen, die am kommenden Donnerstag im Museum Zinkhütter Hof zum dritten Mal das Klassik-Festival Stolberg startet.

Beim 2. Klassik-Festival gab es viel Beifall des Publikums. Foto: Peter Rotheudt/Aachen

Das Musikfestival verspricht wiederum einzigartige Momente und unvergessliche Konzerterlebnisse. Seit der ersten Auflage hat es sich einen hervorragenden Ruf erworben.

Patricia Buzari richtet das 3. Klassik-Festival aus. Foto: Irène Zandel

Künstler von Weltformat waren und sind wieder in Stolberg zu Gast, um bedeutende Werke zu präsentieren. Sechs Konzerte in vier Tagen zeigen die hohe Dichte und Intensität. Patricia Buzari ist eine Powerfrau, die mit Leidenschaft das Festival organisiert. Ihr Dank gilt den Sponsoren und den vielen helfenden Händen im Hintergrund. Mit ihrem Start-up steht sie noch am Anfang und hofft die ersten fünf Jahre gut zu überstehen, denn 96 Prozent aller jungen Unternehmer überleben diese nicht.

Als Frau in einer Männerdomäne hat sie es zusätzlich schwer und muss mit Vorurteilen, falschen Tatsachen und fehlenden physischen Möglichkeiten kämpfen. Sie versucht, die Dinge besser zu sehen, als sie sind, vergisst die vielen negativen Sprüche und konzentriert sich stattdessen auf die vielen positiven Ermunterungen.

Durch die Arbeit mit dem Musik-Festival hat sie sich persönlich auch weiter entwickelt. 20 Prozent der Gäste reisen mittlerweile aus ganz Deutschland an und tragen somit zum nachhaltig-wirtschaftlichem Aufschwung der Stadt Stolberg und der Region bei. Mit der Musik, die alle Grenzen überwindet, will sie auch ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Den Auftakt bestreitet die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg unter der Leitung von Juri Gilbo mit der schwungvollen Barockmusik von Händels „Einzug der Königin von Saba“.

Der mit Johann Sebastian Bach gleichaltrige Georg Friedrich Händel, Sohn eines wohlhabenden Arztes in Halle an der Saale und einer um 30 Jahre jüngeren Pfarrerstochter, hat den bestehenden spätbarocken Stil seiner Zeit nicht verändert, jedoch mit der glänzendsten und prunkvollsten Musik veredelt, die in jener Epoche denkbar erschien.

Alexander Krichel, der im letzten Jahr das Lunch-Konzert mit der „Rhapsodie in Blue“ von Gershwin begleitete, und Patricia Buzari selbst spielen im Verbund mit dem renommierten Orchester ein Klavierkonzert von Bach und Mozart.

Friday Night with Yury Revich, Violine, und Patricia Buzari, Klavier ist der zweite Klavierabend tituliert. Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung eines neuen Eventformates, das ein formelles, klassisches Musikkonzert und ein informelles Konzert mit anderen Kunstrichtungen vereint. Das Konzept basiert auf einer synergetischen und dialogischen Zusammenarbeit zwischen Musik, Malerei und Tanz. In Stolberg tanzt Evgenia Casanoca von der Ballettschule Brettschneider zu einem klassischen Werk von Mozart und macht die Musik sehend, während Monika Jonas bei Ravel ein Gemälde zeigt und damit die Kunst hörbar macht.

Konzert für Kinder

Das Kinderkonzert am Samstagvormittag mit Märchenerzählerin Maria Riga widmet sich dem Märchen „Dornröschen“, das neu erfunden wird. Die Musik von Peter Tschaikowsky spielt Patricia Buzari auf dem Klavier.

Am Abend musizieren dann zwei Musiker aus der Türkei Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart. Patricia Buzari kennt Aylin Cakici Uzar aus Studienzeiten in Hannover. Sie ist jetzt am staatlichen Konservatorium in Bursa als Associate Professor tätig. In Stolberg begleitet sie Emre Engin, der 2001 sein Violinstudium in Bursa begann, auf dem Klavier. Seit 2015 ist er Mitbegründer und Fakultätsmitglied der International Notes by the Bay Violin Festivals im Bundesstaat Kalifornien, USA. Zum Anlass des 40-jährigen Jubiläums des Musikfestivals Istanbul wurde Emre Engins künstlerisch-musikalische Karriere und der Entwicklungsprozess des Musikfestivals Istanbul als Dokumentarfilm veröffentlicht.

Das Musikfestival Stolberg möchte das Land am Bosporus aus einem anderen Blickwinkel zeigen. Der Sonntagmorgen bietet auf dem Weg in den Nachmittag ein spanisches Lunch-Konzert. José Menor widmet sich als „großartiger Botschafter für klassische spanische Musik“ und als ein „Revolutionär auf dem Klavier“ Improvisationen von Granados & Goya sowie kurzen Stücken von Goyescas-Los Majos Enamorados. Es ist Musik zum Entdecken und Entspannen. Im Anschluss an das einstündige Konzert serviert Serkan Sistermann ein wohlschmeckendes Dreigänge-Menü.

Liederabend

Den Abschluss des Festivals bildet dann um 18 Uhr ein romantischer Liederabend mit Sopranistin Stella Motina und Patricia Buzari. Stella Motina wurde in der Ukraine geboren und bekam in frühen Jahren ihren ersten Gesangsunterricht. Ihre berufliche Ausbildung folgte an der berühmten Gnessin-Akademie in Moskau, die sie 2011 mit Auszeichnung abschloss. Ihr weiterer Studienweg führte sie an die Hochschule Hannover in die renommierte Klasse von Prof. Dr. Peter Anton Ling, wo sie den Studiengang „Master Operngesang“ gleichfalls mit Auszeichnung abgeschlossen hat.

Stella Motina spricht fließend Deutsch, Russisch, Englisch und Italienisch und lebt in Hannover und Moskau.

Gespannt sein dürfen die Zuhörer auf den Zyklus „Frauenliebe und -leben“ von Robert Schumann und weiteren Kunstliedern von Gabriel Fauré, Franz Schubert, Richard Strauss und Edvard Grieg.

(mlo)