Stolberg: Kündigung vier Tage vor dem Baubeginn an der Rathausstraße

Stolberg : Kündigung vier Tage vor dem Baubeginn an der Rathausstraße

„Wir haben die Reißleine gezogen“, bestätigte Tim Grüttemeier am Donnerstagabend auf Anfrage unserer Zeitung eine wohl außergewöhnliche Entscheidung der Kupferstadt. Vier Tage bevor der Umbau der Rathausstraße an diesem Montag beginnen sollte, hat Stolberg die damit beauftragte Firma gestoppt.

Per Boten und gegen Empfangsbestätigung wurde am Donnerstag der Bauunternehmung Thohlen GmbH (BUT) aus Geilenkirchen die Kündigung durch die Stadt ausgehändigt. „Die Sorgen um unseren Einzelhandel und die Bürgerschaft waren einfach zu groß“, erläutert der Bürgermeister die Beweggründe.

Wie begründet diese Sorgen gewesen sein müssen, zeigt der Umstand, dass das ebenfalls am Donnerstag neu beauftragte Unternehmen aufgrund der erforderlichen Vorbereitungen erst am 14. August beginnen kann: Das Aachener Unternehmen Lube & Krings übernimmt die Umgestaltung von Rathaus- und Salmstraße.

Die Verwaltung hat befürchtet, dass BUT zwar am Montag die Baustelle auf der Rathausstraße eingerichtet hätte, es dann aber zu noch größeren Verzögerungen und erheblicheren Überschreitungen von Bauzeit - und -abläufen gekommen wäre, als sie jetzt durch die verschobene Neubeauftragung eintritt.

Offensichtlich unüberbrückbare Differenzen zwischen BUT und Stolberg, dass vertraglich vereinbarte Leistungen wie Bauzeitenpläne von dem Unternehmen nicht vorgelegt worden seien. Zudem habe dieses mehrfach Unterlagen nachgefordert, die aus Sicht der Verwaltung und des von ihr beauftragten Ingenieurbüros aber längst der Baufirma zur Verfügung gestellt worden seien, hieß es dazu im Rathaus. „Angesichts der Erfahrungen, die andere öffentliche Auftraggeber mit dem Unternehmen beispielsweise am Aachener Kreuz oder am Boxgraben in Aachen gemacht haben, konnten und wollten wir dieses Risiko für unsere Innenstadt einfach nicht eingehen“, sagt Grüttemeier.

Die Entscheidungen dazu sind am Donnerstag ganz offiziell per Dringlichkeitsbeschlüssen gefallen, die als Vertreter des Stadtrates Peter Jussen mit unterzeichnet hat; der SPD-Ratsherr ist Vorsitzender des Bau- und Vergabeausschusses, der auf der Sitzung am 6. April nach Ausschreibung und Submission den Auftrag an den wirtschaftlichsten Bieter vergeben hatte. Mit Lube & Krings kommt der zweitgünstigste Anbieter zum Zuge. Für die nun entstehenden Mehrkosten in fünfstelliger Höhe erwägt die Kupferstadt in Regress zu gehen.

Begründet durch den späteren Baubeginn ist eine Überprüfung, ob die ersten beiden Abschnitte zwischen Kaiserplatz und Steinfeldstraße sowie von dort bis zur Rathausstraße in der geplanten Reihenfolge abgearbeitet werden können oder getauscht werden sollten. „Dies müssen wir mit Blick auf das Stadtfest und die Weihnachtstage noch prüfen“, sagt Grüttemeier. Jedenfalls profitieren „Stolberg goes“ (9.-11. Juni) und die Stadtkirmes am ersten Juli-Wochenende von der Verschiebung.

Die verbleibenden drei Bauabschnitte sollen nacheinander in nördlicher Richtung abgearbeitet werden. Nachdem der ursprüngliche Baubeginn bereits um drei Wochen vertagt wurde, nun 13 Wochen hinzu kommen, dürfte sich die Fertigstellung der Gesamtmaßnahme vom 23. Februar auf Ende Juni 2019 verschieben.

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