Chorbiennale: Konzert in Zweifall begeistert

Chorbiennale : Konzert in Zweifall begeistert

Der Beifall in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Rochus sprengte das gewohnte Maß des bisher üblichen. Im Rahmen der 6. Chorbiennale hatte der Madrigalchor Aachen auf Initiative von Dr. Berthold Viertmann ein sogenanntes Satellitenkonzert ausgerichtet.

Zusammen mit dem Jugendchor „Kamér“ aus Riga boten die beiden gemischten Chöre eine Auswahl von Musikstücken, welche den immensen Reichtum skandinavischer Chormusik in neuem Lichtblick erstrahlen ließ. Beide Chöre schafften Klangräume, von der jeder Chorfreund nur träumen kann, hielten die Spannung jeweils bis zum Schluss eines jeden Chorstückes, sangen sauber und waren intonationssicher. Dabei spielte die Beziehung zu Gott, zur Heimat, zur Natur und die Grundfragen von Leben und Tod eine große Rolle.

Den ersten Teil bestritt der Aachener Madrigalchor unter dem Dirigat von Johannes Honecker mit acht A-cappella-Gesängen von der Renaissance bis hin zur Moderne. Neben den englischen Komponisten William Byrd und Thomas Tallis sowie dem irischen Charles Villiers Stanford beschäftigten sich die Sängerinnen und Sänger mit den nordischen Komponisten Otto Olsson und Jan Sandström (beide aus Schweden), mit Sergei Rachmaninoff (Russland) und Arvo Pärt (Estland), ganz so wie es dem Motto der diesjährigen internationalen Chorbiennale entsprach.

Herausragendes Stück bei den Aachener war die Komposition „Der Stammbau Jesu“ aus dem Lukas-Evangelium, welcher über den König David und viele weitere Vorfahren zurückreicht bis zu Adam. Das Werk „Which was the Son of ….“ wurde von dem großen estnischen Komponisten Arvo Pärt im Jahr 2000 komponiert. Und auch mit dem „Gloria“ von Jan Sandström, einem Werk voller Optimismus und Freude, setzten die Damen und Herren etwas in Bewegung. Die drei Solostimmen, die in der Kirche verteilt waren, gaben der Darbietung einen zusätzlichen Akzent.

Dann stellte sich der Jugendchor „Kamer“ unter Leitung von Aivis Greters mit zeitgenössischen nordischen Chorstücken vor, beginnend mit Lorenzo Donatis bewegendem „Sicut cervus“ nach dem Psalm 42 „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“. Mit wundersamer Leichtigkeit loteten sie den Reiz der Stücke aus. Ob inbrünstig und beseelt, ergreifend schlicht und dennoch fesselnd im Ausdrucksvermögen, der homogene Chorklang, die große dynamische Bandbreite und das gute Intonationsvermögen setzten sich in den weiteren Stücken fort. Peteris Vasks „Cosa devo fare“ („Was soll ich tun?“) nach einem Gedicht von llmars Blumbergs hinterließ bei den Zuhörern Gänsehautfeeling.

Von Stück zu Stück steigerte sich das Vokalensemble, das zweimal in der Woche zusammenkommt und jeweils 150 Minuten probt. Seit seiner Gründung 1990 hat der Chor eine Vielzahl von Wettbewerben gewonnen und mehrere besondere Konzertprogramme entwickelt. Ihr Chefdirigent und Künstlerischer Leiter ist Aivis Greters, der seine Ausbildung zum Chorleiter an der Riga Domchor-Schule begann. Er gewann 2017 beim Nordic Choir Conductor Competition in Dänemark den ersten Preis. Wenn der Chef unterwegs ist, leitet sein Assistent Patriks Kärlis Stepe den Chor. In St. Rochus gab es unter ihm zwei Volkslieder von Alfreds Kalnins und Janis Ivanovs und als Kontrastprogramm zwei Chorstücke von Peteris Vasks, der in seinen Komposition altertümliche und folkloristische Elemente litauischer Musik mittels der Sprache der zeitgenössischen Musik in eine dynamische und spannungsreiche Beziehung setzt.

Die letzten Stücke folgten wiederum unter dem Dirigat von Aivis Greters. Zunächst ein Werk des britischen Komponisten Gabriel Jackson nach einem lettischen Volkslied, das mit seinem sentimentalen, leicht traurigen Klang von der Liebe handelt. Der lettische Komponist Eriks Esenvalds zählt zu den gefragtesten Chorkomponisten seiner Zeit. Seine Werke werden rund um den Globus aufgeführt. Seine „Stars“, eine Komposition für gemischten Chor und Glasorgel zu einem Text von Sara Teasdale war das Highlight überhaupt an diesem Tag.

Es war der offizielle Song der World Choir Games 2014 in Riga. Nach dem letzten Ton dieser magischen Momente erhoben sich die Zuhörer von den Plätzen und spendeten tosenden Applaus für ein hochkarätiges Konzert, das allerdings mit zwei Stunden Dauer etwas zu lang war.

(mlo)
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