Konzept der Famlilienpaten wird in Stolberg eingestellt

Bedarf ist da, aber Ehrenamtler fehlen : Nach zehn Jahren wird das Konzept Familienpaten eingestellt

Es ist ein wenig wie das Ende einer Ära. Auch, wenn diese „nur“ zehn Jahre gedauert hat, so haben doch etliche Menschen in Stolberg davon profitiert. Die Rede ist von den Familienpaten. Noch bis zum 30. August läuft das Projekt, dann ist Schluss.

„Man ist schon traurig, weil man viel Herzblut in das Projekt gesteckt und viele Höhen und Tiefen erlebt hat“, sagt Martina Küpper. Die Sozialarbeiterin hat das Konzept von der ersten Minute an begleitet. Welchen Schwerpunkten sie und ihre Kollegin Nadine Lange sich nun widmen? Und was mit den bereits vorhandenen Patenschaften geschieht? Dazu später mehr. Zunächst folgt ein Rückblick.

Wir schreiben das Jahr 2009. In Stolberg gehen die Familienpaten an den Start – ein Projekt des Bethlehem-Gesundheitszentrums und des Sozialdienstes katholischer Männer (SKM). Es sollte ein niedrigschwelliges Angebot für Familien mit Kindern unter zwölf Jahren sein, die Hilfe brauchten. „Dabei ging es um ganz normale Familien. Eine Familienpatenschaft sollte kein Stigma sein“, so Küpper.

Eine Förderung für drei Jahre wird genehmigt. Danach steigen die Träger ein. Ab 2016 gibt es auch von der Stadt Stolberg finanzielle Unterstützung. Ende Juni 2018 beschloss der Kinder- und Jugendausschuss das Projekt ein weiteres Jahr finanziell zu fördern. In regelmäßigen Austauschtreffen zwischen Vertretern von SKM, Bethlehem und Jugendamt wurde allerdings deutlich, dass es immer schwieriger werde, überhaupt noch Paten zu finden.

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe, sind sich Lange und Küpper sicher. „Eigentlich wäre das ein Ehrenamt für viele Menschen gewesen, aber dafür ist auch eine langfristige Bindung nötig und es gibt immer mehr Menschen, die genau davor zurückschrecken“, sagt Küpper. Es habe Überlegungen gegeben, die Patenschaften auf vier Wochen zu begrenzen. Doch dieser Aufwand hätte sich nicht gelohnt. Das hätte auch ein externer Berater gesagt.

Und es gab noch weitere Gründe. Es gebe immerhin Patenschaften die bereits seit dem Beginn – eine Patenschaft existierte bereits vor dem offiziellen Startschuss – des Projekts vorhanden seien. Die Kinder würden größer und wären zeitlich durch den Schulalltag immer mehr eingebunden. Zudem kämen sie in ein Alter, in dem man Patenschaften nicht mehr so dringend brauchen würden, wie vielleicht noch als Kleinkind oder im Kindergartenalter. Und auch die Paten würden älter. „Manche von ihnen sind mittlerweile selbst Großeltern. Das war in einigen Fällen auch entscheidend“, sagt Lange. In Absprache mit den Familien hätten sich einige Paten dafür entschieden, mit dem Ende des Projekts auch ihre Patenschaft zu beenden. Das ist allerdings nicht grundsätzlich der Fall. Einige Patenschaften sollen auch in Zukunft weiter bestehen bleiben – ohne Unterstützung von Bethlehem und SKM. In einem anderen Fall habe eine Ehrenamtlerin zum SkF nach Aachen gewechselt, um sich dort weiterhin im Bereich der Familienpatenschaften zu engagieren.

In Zukunft Lesepaten

Einige Paten, die weiter ehrenamtlich aktiv sein wollten, werden fortan als Lesepaten – ein Projekt der Frühen Hilfen – tätig sein. „Uns war es wichtig, den Ehrenamtlern ein Angebot machen zu können und mit ihnen zu besprechen, wie es für sie weitergehen soll“, sagt Küpper und fügt hinzu: „Ich glaube, dass alle Seiten mit den Lösungen ganz gut zurecht kommen.“

In den vergangenen zehn Jahren haben Küpper und Lange eine Menge an Patenschaften miterlebt. Zu den Bestzeiten gab es insgesamt 20 Stück. Dabei stand nicht nur die Frage, welche Familie und welcher Pate – die übrigens zwischen 18 und 70 Jahre alt sind – zueinander passen im Fokus.

„Die Familien haben uns jahrelang ihre Türe geöffnet und uns ihr Vertrauen geschenkt. Und die Paten haben ihre Zeit verschenkt und dabei so viel Gutes bewirkt. Wir sind diesen Menschen wirklich sehr dankbar“, sagt Küpper. Um den Ehrenamtlern ihre Dankbarkeit zu zeigen und das Projekt auch offiziell zu beenden, wird es in der kommenden Woche einen Abschiedsabend geben – mit Essen und Besuch einer Vorstellung des Open-Air-Kinos auf der Burg.

Und wie sieht in Zukunft der berufliche Alltag von Lange und Küpper aus? Küpper, die im Sozialdienst des Bethlehems arbeitet, wird im Haus eine neue Aufgabe übernehme und als Präventionsfachkraft arbeiten und zudem eine Kollegin im Bereich Frühe Hilfen unterstützen. Lange, die ebenfalls Sozialarbeiterin ist, wird ab Herbst übrigens im neuen Jugendtreff in Münsterbusch arbeiten.

Dass es ein ähnliches Projekt wie die Familienpaten irgendwann noch einmal in Stolberg geben könnte, schließen Lange und Küpper nicht aus. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass es etliche junge Familien nach Stolberg zieht, die dort keine Verwandten haben. Aber auch alt eingesessene Familien bräuchten immer wieder einmal Hilfe. „Beides wird nicht abreißen. Der Bedarf ist da“, sagt Lange – nur leider nicht genügend Ehrenamtler.

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