Kommunaler Klimaschutz in den Fokus gerückt

Diskussion mit Experten : Kommunaler Klimaschutz in den Fokus gerückt

Wenn zwei junge Aktivisten der Bewegung Fridays for Future Gäste beim Stammtisch der Stolberger Linken sind, kann nur der Klimaschutz Thema des Abends sein. Eigentlich.

Zunächst wurde im Außenbereich der Gaststätte „The Savoy“ allerdings ein anderes Thema angesprochen, und das Demokratieverständnis der Gastgeber auf die Probe gestellt. Denn neben parteilosen Gästen und einem SPD-Mitglied hatten sich auch mehrere Mitglieder der AfD beim Linken-Stammtisch eingefunden. Was von manchen Linken abgelehnt wurde, während andere Mitglieder der Partei wie Sprecherin Gabi Halili sich für den Versuch der sachlichen Diskussion aussprachen.

Die AfD-Vertreter wiederum boten an, den Stammtisch zu verlassen, wenn dies gewünscht sei. Sie durften bleiben, und der Abend im „The Savoy“ verlief trotz teils sehr konträrer Ansichten weitgehend in einem sachlichen Klima. Im Mittelpunkt standen dabei Jimena Castro (15) und Nick Lammers (16), zwei junge Klimaaktivisten von Fridays for Future. Mit ihnen sprach Die Linke darüber, dass Stolberg in der kommenden Ratssitzung voraussichtlich den Klimanotstand ausrufen wird. „Ein symbolischer Akt, der durchaus seinen Wert hat“, wie ein Gesprächsteilnehmer meinte.

Jimena Castro aber betonte: „Bei aller Symbolkraft wäre es noch viel besser, wenn Stolberg tatsächlich etwas auf die Beine stellen könnte und aktiv zum Klimaschutz beitrüge.“ Die frische eigene Erfahrung der beiden jungen Leute bot ein Beispiel: Aus Aachen waren sie mit dem Bus in die Kupferstadt gekommen – und nach eineinhalbstündiger Fahrzeit prompt verspätet zum Linken-Stammtisch erschienen. „Der Öffentliche Personennahverkehr muss günstiger sein als das Autofahren und auch in Sachen Komfort mithalten können. Wir brauchen in unserer Region bessere und zuverlässige Anbindungen“, forderte Nick Lammers.

Ein parteiloser Gesprächsteilnehmer regte an, Stolberg solle bei der Forstwirtschaft auf wirtschaftliche Aspekte verzichten und stattdessen konsequent aufforsten, um zum Klimaschutz beizutragen, da Bäume CO2 dauerhaft binden. Halili erinnerte diesbezüglich an den Anfang 2018 gestellten Antrag der Linken, Stolberg solle eine neue Baumschutzsatzung erstellen. Auch Kritik am Status quo wurde ausgesprochen: Die Kupferstadt habe zwar einen Klimaschutzmanager, der ein radfahrfreundliches Konzept ausgearbeitet habe, aber bei der Sanierung der Talachse seien von Rathaus- bis Salmstraße lediglich breite Bordsteine jedoch keine Radwege gebaut worden.

„Unter Beschuss“ stand zudem das bei der Stolberger Stadtparty zur Schau gestellte Gerät der Bundeswehr, da „Militär, Aufrüstung und Krieg stets auch Klimakiller“ seien. Befürwortet wurde beim Linken-Stammtisch die sukzessive energetische Sanierung kommunaler Gebäude, deren Dächer allerdings zudem mit Photovoltaikanlagen zur Gewinnung von Solarenergie ausgestattet werden sollten, um nicht nur passiv, sondern auch aktiv den Klimaschutz zu fördern.

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