Stolberg: Kommentiert: Bürokratiedschungel

Stolberg: Kommentiert: Bürokratiedschungel

Kennen Sie den Zeichentrickfilm in dem Asterix sich durch die römische Verwaltung kämpft um am Ende den „Passierschein A 38“ in den Händen zu halten? Der Comic-Held wird fast verrückt, weil sich niemand für ihn zuständig fühlt.

Ähnlich muss sich in den vergangenen Monaten wohl auch unser Leser gefühlt haben. Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Diese Frage stellt sich im Fall des Stolbergers unweigerlich. Wer Bürger der Europäischen Union ist, darf selbst entscheiden, in welchem Land er leben und arbeiten möchte.

Eine tolle Sache — zumindest auf den ersten Blick. Denn sobald es auch nur ein wenig kompliziert wird, fühlt sich plötzlich keine Behörde mehr verantwortlich. Verstehen Sie mich nicht falsch, Schuld an der Misere des jungen Polen trägt eigentlich niemand.

Schließlich haben sowohl die Stolberger Stadtverwaltung als auch das polnische Konsulat in Köln vorschriftsgemäß gehandelt. Regeln und Gesetze lassen sich nun einmal nicht so einfach ändern, auch wenn man bei dem einen oder anderen Fall gerne eine Ausnahme machen würde. Aber genau diese Ausnahmen tauchen im Gesetz erst gar nicht auf und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich niemand dafür zuständig fühlt.

Willkommen im Bürokratie-Dschungel. Was dem jungen Mann hätte helfen können? Kommunikation unter den einzelnen Institutionen. Anstatt die Verantwortung mit Sätzen wie „Dafür sind wir nicht zuständig“ auf andere abzuladen, hätte vielleicht ein Telefonat zwischen Verwaltung und Konsulat gereicht, um zu klären, wer helfen kann. Aber das wäre anscheinend viel zu einfach gewesen.

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