Kommen jetzt weitere Preissenkungen?

City-Tarif erfolgreich : Stolberger fahren noch mehr Bus

Stimmt der Preis, nutzen die Stolberger den Bus: Der City-Tarif verleiht dem ÖPNV in der Kupferstadt Flügel. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Buskunden 2018 noch einmal um gut vier Prozent gestiegen.

Diese aktuellen Zahlen sind mehr als ein Anreiz, über eine Ausweitung des City-Tarifs nachzudenken. „Das werden wir jetzt bei der laufenden Machbarkeitsstudie zum Busverkehr sicherlich noch intensiver tun“, sagt Stolbergs Planungschef Andreas Pickhardt. Denn in der Kupferstadt sind noch mehr Menschen auf den Bus umgestiegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzahl der Buskunden 2018 noch einmal um gut vier Prozent gestiegen. Bereits 2017 verzeichnete Stolberg eine Steigerungsrate von 20 Prozent mehr Fahrten.

Die Hauptursache dieser bemerkenswerten Entwicklung liegt im Preis begründet. Mit der Einführung der Stolberg-Tickets zu 1,80 Euro für einen weitläufigen Innenstadtbereich sind die Stolberger wieder in Scharen auf den Bus umgestiegen. Denn mit dem Stolberg-Tarif kehrte ein Angebot zurück, das bis 2013 in Stolberg bewährt und angenommen worden war.

Der Einschnitt kam im Juni 2013 mit der Ticket-Revolution des Aachener Verkehrsverbundes. Mit ihr führte der AVV das Flugs-Ticket ein. Der Kurzstrecken-Tarif von damals 1,50 Euro (heute 1,60 Euro) galt für nur vier Haltestellen. Wer weiter wollte, musste zur Preisstufe 1 zu 2,55 Euro (heute 2,80 Euro) greifen. Was vielleicht für das großstädtische Flachland ein attraktives Angebot sein mag, führte in Stolberg mit seiner Topographie zum Kollaps und Boykott. Die Kunden blieben scharenweise aus. Der Bus wurde so teuer, dass fast die Taxi-Fahrt günstiger erschien.

Foto: grafik

Denn bis dahin galt der Kurzstreckentarif innerhalb von vier Zonen im Stadtgebiet. Dabei deckte die Tarifzone 29 den Großteil des engeren Stadtgebietes ab: von Gut Schwarzenbruch hinter Atsch bis Vicht Kirche und von der Kaserne auf dem Donnerberg bis zur Elgermühle an der Büsbacher Stadtgrenze reichte diese Kurzstrecke. Aber mit dem neuen Flugs-Tarif kamen die Stolberger nicht einmal mehr vom Talkessel in die Innenstadt. Das bedeutete für Betroffene eine Preissteigerung von bis zu 70 Prozent.

Nach Bürgerprotesten und weniger erfolgreichen Eingaben beim AVV sondierte die große Koalition Auswege für Stolberg. Die eigens beauftragte Ingenieurgruppe IVV legte im Januar 2015 eine Studie vor. Sie registrierte für 2013/14 einen Einbruch von insgesamt 54.478 Busfahrten (-6,8 %). Am deutlichsten wurden die Veränderungen in den preiswertesten Segmenten: von 209.232 Kurzstrecken-Fahrten blieben 63.260, aus 63.668 der Preisstufe 1 wurden 136.866. Unter dem Strich machte der AVV ein Plus von 4099 Euro (+0,3%).

Finanzpolitisch mutig

Drei Modelle schlugen die Gutachter den Stolbergern vor, wie die Menschen wieder auf den Bus geholt werden könnten. Der Rat entschied sich für ein City-Ticket nach Aachener Vorbild. Es blieb die Frage, wie hoch die Subvention durch die Kupferstadt je nach Ticket-Preis und Geltungsbereich liegen dürfte. Zwischen 30.000 und 90.000 Euro lag die Prognose bei Preisen zwischen 2,20 und 1,80 Euro.

CDU und SPD zeigten sich finanzpolitisch mutig: Das Stolberg-Ticket kostet seit seiner Einführung am 18. November 2016 (zum Start der Kupferstädter Weihnachtstage) 1,80 Euro für den gesamten Bereich der früheren Kurzstreckenzone 29. Die Koalition stellte 60.000 Euro bereit, um notfalls höhere Subventionen leisten zu können, als mit rund 42.000 bis 53.000 Euro erwartet wurde.

Aber bereits das Jahr 2017 strafte alle Skeptiker Lügen. Die Stolberger kehrten in einem derart großen Maß auf den Bus zurück, wie es nicht einmal Optimisten zu hoffen gewagt hatten. Hatten bereits die ersten Monate eine positive Tendenz versprochen, so bescheinigte die Jahresbilanz: 20 Prozent mehr Fahrten generiert allein schon der City-Tarif. Die Stadt brauchte dank der durch diese Resonanz erzielten Einnahmen lediglich 13.965 Euro zuzahlen. Zu den 69.471 Stolberg-Tickets hinzu kamen weitere 35.039 im AVV-Tarif. Das macht unter dem Strich 104.510 verkaufte Fahrten vor zwei Jahren.

2018 steigerte sich die Resonanz um weitere vier Prozent auf total 108.928 Fahrten. Davon entfielen 72.718 auf den City-Tarif (+4,75 %). Aber auch die in Stolberg verkauften AVV-Tickets legten zu auf 36.210. Das schlägt sich auch positiv im Stadtsäckel nieder: Stolberg muss sein Ticket für 2018 mit nur noch 12.300 Euro subventionieren.

Hat der Stadtrat im vergangenen Jahr bereits die Einführung des Stolberg-Tickets als einen Erfolg gewertet, so sieht er in diesem Modell nun einen Schalter, noch mehr Stolberger auf den öffentlichen Personennahverkehr zu bringen.

Der Ticketpreis als Argument

Eine seit dem Sommer im Rahmen der Klimaschutzbemühungen beim Kölner Planungsbüro VIA in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie untersucht nicht nur die Bedarfsgerechtigkeit von Linienwegen, Verbindungen und Taktzeiten, sondern auch weitere Stellschrauben. Mit den aktuellen Zahlen der Aseag zum City-Tarif gewinnt der Preis als Argument weiter an Bedeutung. Ob ein Sparpreis auch in den drei anderen, ländlicher geprägten Zonen mit einer derzeit eher unterdurchschnittlichen Busanbindung von Erfolg gekrönt sein kann, ist dabei eine der spannenderen Fragen an die Gutachter.

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