Stolberg: Klimaschutz spielt in Stolberg eine wichtige Rolle

Stolberg: Klimaschutz spielt in Stolberg eine wichtige Rolle

Dürre und Hitze, Starkregen, Überschwemmungen und Unwetter: Das Wetter ist extremer geworden und das wirkt sich nicht nur auf die Menschen aus. Auch Kommunen müssen auf den Klimawandel reagieren. Aber wie? Stichworte sind an dieser Stelle unter anderem Grünflächen und Frischluftschneisen. Zwei Schlagworte, die auch in Stolberg in Zukunft eine wichtige Rolle spielen sollen.

Dort beschäftigt man sich seit 2014 ausgiebig mit dem Thema Klimaschutz. Im Rat wurde damals die Umsetzung eines integrierten kommunalen Klimaschutzkonzeptes (IKSK) beschlossen. Dieses sollte als Arbeitsgrundlage für Klimaschutzmanager Georg Trocha dienen, der ein Jahr später eingestellt wurde. Welche Projekte mittlerweile bereits angestoßen wurden und wo sich in Zukunft diesbezüglich noch eine Menge tun soll? Ein Überblick.

Liegenschaften:

In ihren eigenen Liegenschaften will die Verwaltung mit gutem Beispiel vorangehen, sagt Stolbergs Technischer Beigeordneter Tobias Röhm. Die energetische Sanierung — beispielsweise von Schulen — spiele dabei eine wichtige Rolle. Momentan findet eben diese Sanierung in der Grundschule an der Prämienstraße statt. Hochwertige klimaeffektive Baustoffe und Wärmerückgewinnungen sollen dafür sorgen, dass unter anderem das Raumklima in den Klassenräumen besser reguliert werden kann.

Im Rathaus selbst wurden die raumlufttechnischen Anlagen saniert. Insgesamt 97 Tonnen CO2 sollen damit eingespart werden. Gefördert wurde das Projekt, das nicht nur im Rathaus, sondern auch im Jugendheim Münsterbusch umgesetzt wurde, durch die Nationale Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Auch das Modellvorhaben Breinigerberg soll mit 200.000 Euro gefördert werden. Doch nicht nur die energetische Aufwertung des Bestands sei wichtig, sondern auch die Verwendung von energetisch hochwertigen Standards bei Neubauten, sagt Röhm und nennt als Beispiel den Ausbau der Gesamtschul- und Kitainfrastruktur, der derzeit in Stolberg angegangen wird. Darüber hinaus sollen insgesamt 22 Liegenschaften untersucht werden, um so im Rahmen eines Klimaschutzteilkonzepts den Sanierungsfahrplan für die kommenden zehn Jahre festzulegen.

Eine entsprechende Konzeptionierung laufe momentan. Ein weiterer wichtiger Bestandteil sei die sogenannte Gebäudeautomation. Vom Rathaus aus kann so der Energieverbrauch in einigen städtischen Gebäuden — darunter vor allem Schulen — kontrolliert und im Notfall auch eingegriffen werden.

Würde es beispielsweise in den Ferien einen Wasserrohrbruch geben, würde dies anhand der Verbrauchszahlen auffallen und es könnte gehandelt werden. Bereits seit 2015 gibt es dieses System in Stolberg. Sukzessive sollen weitere Anlagen aus städtischen Gebäuden dazugeschaltet werden, sagt Tobias Röhm.

Städtebau:

Nur vereinzelt gebe es in der Stolberger Innenstadt grüne Stellen, eine Vernetzung sei allerdings nicht gegeben. Gerade in den Stadtteilen Ober- und Unterstolberg, Münsterbusch und Liester seien Flächen zudem oft nur monoton bepflanzt oder komplett versiegelt. Auf diese Weise könnten sich Kinder allerdings nicht mit den Themen Natur und Garten auseinandersetzen, meint Röhm.

Das Projekt naturnahe Schulhöfe soll das ändern. Dieses ist ein Teil des integrierten Handlungskonzepts (IHKo) „Berg- und Talachse — Miteinander für Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg“. Eine naturnahe Schulhofgestaltung soll in den Grundschulen Prämienstraße und Grüntalstraße sowie in der Willi-Fährmann-Schule realisiert werden. Wichtig sei, dass Schüler und Lehrer sich aktiv in dieses Projekt einbringen, erklärt Tobias Röhm.

So soll nicht nur die Aufenthaltsqualität verbessert, sondern auch die Naturschutz- und Umweltbildung angeregt werden. Durch die Öffnung der Schulgelände für die Bewohner des Viertels soll zudem gemeinsam Verantwortung für die neu gestalteten Flächen übernommen werden. Zur Umsetzung werden bauliche Maßnahmen in den Schulhofbereichen nötig sein. Gemeinsam mit Schülern, Lehrern und Bewohnern sowie Landschaftsarchitekten wird geplant. Erste Veranstaltungen dazu haben bereits stattgefunden. Die Kosten für das Projekt sollen 797.500 Euro betragen.

Ein weiteres Projekt aus dem IHKo trägt den Titel „Grüne Trittsteine“. Über diese sollen einzelne Grünflächen miteinander in Bezug gebracht und vernetzt werden. So soll eine größere Struktur entstehen und zudem soll es Pflanzen und Tieren ermöglicht werden, sich dauerhaft anzusiedeln. Die Kosten sollen bei rund 195.000 Euro liegen. Auch eine Öffnung der Bebauung zur Vicht soll in Zukunft für eine Frischluftzufuhr in der Innenstadt sorgen.

Der Abriss der Gebäude Steinweg 38 und 40 ist bereits öffentlich ausgeschrieben. „Generell wird das Thema Stadtgrün bei allen Stadtentwicklungs- und Verkehrsprojekten und Planungen mitgedacht und berücksichtigt“, sagt Röhm und fügt hinzu: „Stadtgrün führt unmittelbar zu einer höheren urbanen Qualität, die sich direkt auf das Mikroklima und eine verbesserte Immobilienwertigkeit auswirkt.“

Mobilität:

„Klimaschutz ist nicht möglich, ohne das Thema Mobilität zu berücksichtigen“, sagt Tobias Röhm. Das bestätigt ein Blick auf aktuelle Zahlen. Alleine im Stolberger Verkehrssektor entstehen 33 Prozent des CO2-Verbrauchs. Ein entsprechendes Mobilitätskonzept soll im Oktober im Ausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt vorgestellt und beschlossen werden.

Darin enthalten sein, sollen 34 Mobilitätsmaßnahmen sowie die Erarbeitung eines Radwegenetzes für Stolberg mit 19 Radrouten. Derzeit wird zudem geprüft, ob der Radweg zwischen Atsch und Eilendorf ausgebaut werden kann. Das Thema Fahrradständer an weiterführenden Schulen spiele ebenfalls eine wichtige Rolle. Diese seien zwar an allen Einrichtungen vorhanden, allerdings sei der Bedarf teilweise höher. Aus diesem Grund will man Hauptausschuss und Rat vorschlagen, das Thema im Haushalt für 2019 zu berücksichtigen.

Eine Erweiterung und Erneuerung von Fußwegverbindungen und Beleuchtung im Bereich der Berg- und Talachse steht ebenfalls auf der Agenda. Die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge befindet sich auch im Aufbau. Im städtischen Fuhrpark ist das Thema Elektrofahrzeuge verankert (wir berichteten). Im kommenden Jahr soll außerdem eine Machbarkeitsstudie zum Thema Stadtbussystem in Auftrag gegeben werden. Angedacht ist außerdem, dass an der Haltestelle Schneidmühle ein neuer P&R-Parkplatz entsteht.

Erneuerbare Energien:

Durch Ökostrom, der unter anderem im Stolberger Rathaus zu 100 Prozent eingesetzt wird, konnten bisher 2000 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden. Doch auch andere Arten von erneuerbaren Energien kommen im Stadtgebiet zum Einsatz. Im Camp Astrid hat man sich beispielsweise für eine Photovoltaikanlage entschieden.

Im öffentlich geförderten Wohnraum auf der Rotsch wurde eine Solarthermie eingebaut. Das neue Gerätehaus der Zweifaller Feuerwehr enthält eine Pelletsheizung. Es sei wichtig, dass man sich die Vielfalt der Möglichkeiten genau anschaue und dann prüfe, welche man davon zum Einsatz bringt, so Röhm.