Klassik-Festival: Konzert von Alexander Krichel begeistert

Klassik-Festival : Leidenschaftlich und mit hoher Virtuosität

Seine Tournee zum neuen Album umfasst rund zwanzig Konzerte. Neben Berlin, Hamburg, Wien, Wiesbaden, Nürnberg, Zürich, Bremen und Kiel gastierte Alexander Krichel nun auch in Stolberg im Rahmen des 4. Klassik Festivals „Momentum“.

Mit der Präsentation seiner fünften CD „An die ferne Geliebte“ im Museum Zinkhütter Hof eroberte er im Nu die Herzen. Es war ein intimes Konzert vor einer intimen Runde. Leidenschaftlich, sehnsuchtsvoll und höchst virtuos brachte er die Werke, zwei Transkriptionen von Franz Liszt und eine von Sergei Rachmaninov sowie die „symphonischen Etüden“ von Robert Schumann zum Klingen. Eine kleine Einführung in die jeweilige Komposition von ihm persönlich ging den Darbietungen voraus.

Den Anfang gestaltete er mit Beethovens Liederzyklus in der Klavierfassung von Franz Liszt. Die sechs Gedichte Aloys Jeitteles hatte der Bonner Komponist, dessen 250. Geburtstag 2020 gefeiert wird, im Auftrag seines Gönners Fürst Joseph von Lobkowitz vertont, der seine Ehefrau zu Beginn des Jahres 1816 verloren hatte. Darin schwelgt er in den schönen Erinnerungen an die gemeinsam verbrachte Zeit. Abschied war auch der Grund für Alexander Krichel, sich mit Beethovens „An die ferne Geliebte“ zu beschäftigen.

Anfang 2018 war seine Großmutter verstorben, mit der er ein besonders enges Verhältnis hatte. Zwanzig Minuten vor jedem Konzert habe er sie angerufen, egal wo er war und wie spät es war, gesteht er an diesem Abend. Sie habe ihm dann ihren Segen gegeben, und dieses Wohlgefühl sei ihm auf dem Podium zugute  gekommen. Liszt brachte mit der 1849 eingerichteten Fassung für Klavier Solo seine Bewunderung für die Kunst Beethovens zum Ausdruck. „Hier muss der Pianist die  Gesangstimme und die Begleitung verbinden“.

Von Beethoven ging es in den Wiener Salon, wo man zwei der beschwingtesten und sentimentalsten Walzer von Fritz Kreisler serviert bekam. „Liebesfreud“ und „Liebesleid“ heißen die beiden Miniaturen, die 1905 im Original für Violine und Klavier von dem Jahrhundertgeiger geschrieben wurden und im Konzert gerne als Zugabestücke genommen werden. 1920 verwandelte Kreislers guter Freund, der russische Komponist und Pianist Sergei Rachmaninov, die Walzer in hochvirtuose Showstücke um, und in dieser Fassung brachte sie Alexander Krichel zu Gehör.

Bei der zweiten Liszt-Transkription übernimmt das Klavier gleich ein ganzes Orchester. „Isoldes Liebestod“ aus dem 3. Akt von Wagners „Tristan und Isolde“ ist der wohl rührendste Abschiedsgesang, der jemals für ein Musiktheater geschrieben wurde. Liszt gelang, die Klangfülle des Orchesters mit der Empfindsamkeit und Verzweiflungsstimmung der Isolde, die mit ihrem geliebten Tristan auch im Tod vereint sein möchte, einzufangen. Alexander Krichels interpretierte diese große Kunst herzlich, natürlich, von zarter Trauer und wildem Schmerz erfüllt.

Nach der Pause brach der Künstler in eine ganz andere Klangdimension auf. Die „Symphonischen Etüden“ von Robert Schumann sind für Alexander Krichel eines der monumentalsten Werke der Klavierromantik überhaupt. Seit neun Jahren sei er mit diesem Werk auf dem Weg und jetzt sei es an der Zeit gewesen, sie auf eine CD zu bringen. 1834, mit 24 Jahren, setzte sich Robert Schumann an diese geistig wie technisch enorm anspruchsvolle Komposition.

Der Ausgangspunkt war ein Thema, das ihm Baron Ignaz Ferdinand Freiherr von Fricken zugeschickt hatte. Zu Fricken besaß Schumann ein fast verwandtschaftliches Verhältnis. Er hatte sich in seine Tochter Ernestine von Fricken verliebt und schon den Segen des Vaters für eine Heirat erhalten. Doch dann erfuhr er, dass Ernestine lediglich die Adoptivtochter des Barons war und bat sie um Auflösung der Verlobung.

Und dann kam Clara. 1837 wurden die „Symphonischen Etüden“ veröffentlicht. Krichel ließ sich auf die glanzvoll und feinfühligen Parts ebenso ein wie auf die plötzlichen Richtungsänderungen, die er energiegeladen und eindrucksvoll darbot. Lang anhaltender Applaus schloss sich an. Der sympathische Echo-Preisträger  bedankte sich mit einem Wiegenlied, das er selbst komponiert und einem Förderer in Südamerika gewidmet hatte, der an Schlafstörungen litt. Im Anschluss signierte er gerne noch die gekauften CDs.

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