Stolberg: Klassentreffen nach 60 Jahren: Abitur in Stolberg „gebaut“

Stolberg : Klassentreffen nach 60 Jahren: Abitur in Stolberg „gebaut“

Wenn Dr. Günter Dannhauer erzählt, spielt das Leben in der Stadt Stolberg der 1950er Jahre eine große Rolle. Schließlich hat der 78-jährige Ingenieur, zu dessen Fachbereich die Elektro- und Lichttechnik gehört und der heute in Schongau am Ammersee lebt, seine Schulzeit überwiegend in Stolberg verbracht.

Besucht hat er damals das alte Goethe-Gymnasium am Kaiserplatz, das er 1958 mit dem Abitur verließ. Somit gehört der Ingenieur zu den 15 ehemaligen Abiturienten, die sich jetzt in der Gastronomie auf Burg Stolberg zu einer Wiedersehensfeier trafen. Gast der Jubiläumsfeierlichkeit, die unter dem Motto „60 Jahre Abitur“ stand, war auch der inzwischen 91 Jahre alte frühere Englischlehrer Willi Wilden.

Die Abiturienten, die in Stolberg vor 60 Jahren die Reifeprüfung ablegten, trafen sich jetzt zum Klassentreffen.

1951 wurde Günter Dannhauer, der ursprünglich aus Sargenroth im Hunsrück stammt, in Zweifall ansässig. Sein Vater, der evangelische Pfarrer Heinrich Dannhauer, hatte in Zweifall die Pfarrstelle der Kirchengemeinde übernommen, zu der auch Kornelimünster gehört. Zuvor hatte der damals elfjährige Schüler 18 Monate lang das Gymnasium in der Hunsrückstadt Simmern besucht. „Dort bin ich durch eine strenge Schule gegangen. Man legte großen Wert auf eine gute Allgemeinbildung und hervorragende Deutschkenntnisse. Diese Vorbildung hat mir den Schulstart in Stolberg erleichtert“, versichert Dannhauer, der rasch mit dem Amt des Klassensprechers betraut wurde.

Den Schulweg von Zweifall in die Stadt hat der Gymnasiast im Sommer mit dem Fahrrad und im Winter mit der Straßenbahn bewältigt. „Mein Rad besaß anfänglich nur eine schwer zu handhabende Dreigang-Nabenschaltung. Um das Rad schneller zu machen, habe ich es später auf Kettenantrieb umgerüstet“, erzählt der Ingenieur, dessen damalige Klassenkameraden seinem Beispiel folgten und ihre Fahrräder ebenfalls leichtläufiger machten. Die Stolberger Innenstadt war für den einstigen Gymnasiasten nicht nur Schulort, sondern auch Einkaufsziel. „Güter des täglichen Bedarfes wie Grundnahrungsmittel erwarben wir in Zweifall. Größere Einkäufe erledigten wir aber im Steinweg.

Dort reihte sich zur damaligen Zeit ein Geschäft an das andere. Das dortige Warenangebot war vielfältig und umfangreich und ließ keine Wünsche offen“, versichert Dannhauer, der persönlich die Geschäftswelt des Steinwegs nutze, um dort Schreibwaren und Literatur zu erwerben. „So habe ich in der dortigen Kaufhalle mein erstes Taschenbuch erworben, das den Titel führte „Die Brücke von San Luis Rey. Dieser Thorton-Wilders-Roman war für den Fischerverlag der Einstieg in die Taschenbuchreihe“, erinnert sich der Ingenieur. Aber auch das frühere Eiscafé Panciera am Kaiserplatz sei für ihn des öfteren Ziel gewesen, sagt der einstige Gymnasiast: Ziel immer dann, wenn man sich im Unterricht ein wenig gelangweilt habe und sich bei der Lehrkraft mit einem angeblichen Toilettengang entschuldigt habe.

„Panciera war dann unser heimlicher Treffpunkt. Dort gab es große Eisportionen für kleines Geld. Die Absprache zum gemeinschaftlichen Cafébesuch hatten wir schon im Unterricht getroffen“, erzählt der Ingenieur mit einem Lächeln im Gesicht. Freude bereitet Dannhauer auch die Erinnerung an dem letzten Unterrichtstag nach dem bestandenen Abitur. „Wir sind dann in heiterer Stimmung durch die Klassen gezogen und durften von den Lehrern geduldet, den Goethe-Schülern ein vorzeitiges Unterrichtsende bescheren“, versichert der heute 78-Jährige. Auch die Abiturfeier ist dem Abiturjubilar in guter Erinnerung geblieben. Nach Dannhauers Worten hatte sie im Rittersaal der zwei Jahre zuvor nach einem Umbau wiedereröffneten Burg stattgefunden.

„Der Rittersaal war mit Stuhlreihen bestückt. Gestaltung erhielt die Feier durch Ansprachen und Musikstücke. Für die Ansprachen waren unter andrem der damalige Schulleiter Theo Alderath und ein Klassenkamerad verantwortlich. Den gemütlichen Teil haben wir dann nach der offiziellen Veranstaltung in die am Bastinsweiher beheimatete Gaststätte „Ellermühle“ verlegt“, erinnert sich der ehemalige Klassensprecher, der um Stolberg und seine früheren Klassenkameraden 60 Jahre nach dem Bestehen des Abiturs wieder zu sehen, gemeinsam mit seiner Ehefrau kürzlich einige Tage im Parkhotel Hammerberg zugebracht hat. Von dort aus führte in wie eingangs erwähnt auch der Weg zur Burg, um gemeinsam mit seinen ehemaligen Klassenkameraden bei einem gemeinschaftlichen Essen Erinnerungen auszutauschen.

Neben dem vom Ammersee stammenden Dannhauer hatte die weiteste Anreise der in München lebende Ex-Schüler Günter Höver. Die anderen ehemaligen Gymnasiasten - heute mehrheitlich um 80 Jahre alt - leben in der Umgebung von Köln oder sind der Region treu geblieben.

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