Stolberg: „Klangfahrer“ nehmen auf der Burg mächtig Tempo auf

Stolberg: „Klangfahrer“ nehmen auf der Burg mächtig Tempo auf

Jazz ist eine Herausforderung für jeden Musiker und verlangt von den ausübenden Künstlern Improvisationsfreude, gutes Aufeinanderhören, Ideen für gelungene Arrangements und Publikumskontakt.

Dem wurden die „Klangfahrer“ im Rittersaal der Stolberger Burg am Samstagabend voll gerecht. Die Ausschnitte aus ihrer neuen CD „Colors of Trance“ und aus dem ersten Album „Humanity“ waren Stücke der musikalischen Spitzenklasse.

Johannes Flamm (Saxophone, Bassklarinette), Thomas Berndt (Piano), Bernd Kistemann (Kontrabass) und Gerd Breuer (Schlagzeug) lieferten auf ihren Instrumenten eine mitreißende Darbietung mit jeweils atemberaubenden Soli ab. Herausragend war Johannes Flamm, der an verschiedenen Saxophonen und mit der Bass-Klarinette zu hören war. Dieser Mann spielte seine Instrumente mit Leidenschaft, Sinnlichkeit und Wärme. Am Fender Rhodes Piano, das speziell in Jazz, Pop, Funk und Soulmusik zum Einsatz kommt — wegen des glockenähnlichen und weichen Sounds —, glänzte Thomas Bernd ebenso als Begleiter wie als Melodie führender Virtuose. Bernd Kistemann wiederum zeigte am Kontrabass, dass sich auch aus diesem Instrument anrührende Klänge hervorholen lassen. Die Spannbreite reichte von tiefen Tönen, die mehr fühl- als hörbar waren, bis zu unglaublich hohen, die vom Seufzen, Stöhnen, ja bis hin zum Kreischen getrieben wurden.

Und dann das Schlagzeug! Gerd Breuer, der mit vielen Größen der nationalen und internationalen Jazzszene gespielt hat und für zahlreiche Kompositionen verantwortlich war, erwies sich an den Drums als ein wahrer Meister des Besens, mit dem er unermüdlich und nie in den Vordergrund drängend die rhythmische Basis für die Stücke legte. Die seit langer Zeit befreundeten Musiker waren bestens aufgelegt und hatten sichtlich Freude an ihrem Tun. So war es nicht verwunderlich, dass in kürzester Zeit der viel zitierte Funke aufs Publikum übersprang.

Die Reise durch ihre Sphären sprühte vor Energie und hielt immer wieder überraschende Momente bereit. Aber es gab auch ruhigere Gewässer, wie „Floating area“ zeigte. Im „Song for some women“ hatten sie die Launenhaftigkeit und andere Facetten diverser Damen kunstvoll verarbeitet. Die komplexen Rhythmen und Arrangements, die höchste technische Anforderungen an die Künstler stellen, klangen leicht und verständlich — eine Spezialität der „Klangfahrer“.

Kreativität und Gestaltungswille spielten immer eine zentrale Rolle. Ihre Musik, eine Mischung vielfältiger Inspirationen, gepaart mit europäischen und exotischen Klängen, bot dem Publikum im gut gefüllten Saal der Stolberger Burg einen außergewöhnlichen Hörgenuss und wird sicher bei den meisten Zuhörern noch lange nachwirken.

Mehr von Aachener Zeitung