Stolberg: Kitastreiks: Auch Eltern setzen Stadt jetzt unter Druck

Stolberg: Kitastreiks: Auch Eltern setzen Stadt jetzt unter Druck

Der Streit um eine bessere Bezahlung und einen Gesundheitstarifvertrag für Erzieherinnen weitet sich aus. Jetzt machen in Stolberg auch die Eltern mobil - gegen die Stadt.

Wenn es auch vordergründig die Beschäftigten der städtischen Kindertagesstätten sind, die die Väter und Mütter in diesen vom Streik geprägten Tagen in Bedrängnis bringen, so richtet sich der am Dienstag angekündigte Protest doch ausdrücklich nicht gegen das Personal.

„Wir wollen unsererseits den Druck auf die Stadt erhöhen, damit sich die Arbeitgeber endlich bewegen und die berechtigten Forderungen der Erzieherinnen erfüllen”, bringt Heike Ganser ihr Anliegen auf den Punkt.

Als Hausfrau kann sie es gut kompensieren, dass ihr fünfjähriger Sohn derzeit in der Kita auf der Liester vor verschlossene Türen läuft, weil er nicht für einen der wenigen Plätze in den beiden Notgruppen der Stadt in Frage kommt.

„Doch unterm Strich sind es die Kinder, die unter den schlechten Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen und unter dem Streik zu leiden haben”, macht Ganser klar, dass es ihr nicht um die persönliche Betroffenheit, sondern um die Zustände im Allgemeinen geht.

Gemeinsam mit einigen anderen Müttern - unter anderem Janine Hillemacher - hat sie deshalb mehrere Protestaktionen initiiert, um die Erzieherinnen zu unterstützen und zugleich ein Ende des Tarifkampfes zu forcieren.

Bis Freitag werden in allen 19 Einrichtungen der Stadt Flugblätter verteilt, mit denen die Eltern zur Teilnahme an einer Demonstration aufgerufen werden.

Diese findet am nächsten Mittwoch um 9.30 Uhr vor dem Stolberger Rathaus statt - möglicherweise auch mit Beteiligung der Kita-Angestellten.

Gleichzeitig machen Unterschriftenlisten die Runde - und eine Ankündigung, die die Stadt besonders treffen dürfte, wenn sie in die Tat umgesetzt wird.

„Es ist an der Zeit, dass die Verwaltung einen Teil der Elternbeiträge zurückerstattet”, fordert Petra Claßen, und: „Es ist nicht einzusehen, dass Eltern zum Teil mehrere hundert Euro pro Monat zahlen müssen, und die Stadt nicht in der Lage ist, bei einem Streik die Betreuung unserer Kinder zu gewährleisten”, ist die Mausbacherin empört über das Vorgehen der Verwaltung.

Juristisch sieht sich die Mutter einer dreijährigen Tochter - auch nach Absprache mit anderen Betroffen - auf der sicheren Seite: „In den Betreuungsverträgen steht nichts, was die Stadt von einer Teilrückzahlung abhalten könnte”, betont sie und fügt hinzu: „Wenn sich in diesem Punkt nicht zügig etwas tun sollte, werden die Eltern in Massen ihre Einzugsermächtigungen widerrufen.”

Im Rathaus nimmt man ein solches Szenario offenbar ernst. „Da es sich ja nicht um eine rein Stolberger Angelegenheit handelt, wird das Jugendamt kurzfristig den Städte- und Gemeindebund um eine Stellungnahme bitten”, erklärte Pressesprecherin Petra Jansen.

Damit fiel die offizielle Stellungnahme auf Anfrage zwar sehr zurückhaltend aus. Dem Vernehmen nach hat eine Rathaus-interne Überprüfung aber ergeben, dass es keinen Passus gibt, der eine Kürzung von Elternbeiträgen ausschließt, wenn Kitas außerplanmäßig nicht geöffnet werden.

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