Stolberg: „Kistenplatz” Atsch: Baubeginn im November

Stolberg: „Kistenplatz” Atsch: Baubeginn im November

Im Herbst dürfte der Kampfmittelräumdienst anrücken, im November der Baubeginn sein, wenn alles weiter nach Plan läuft: Die Atsch erhält auf dem „Kistenplatz” an der Eisenbahnstraße das lang ersehnte Nahversorgungszentrum.

Noch müssen einige formale Hürden genommen werden, aber nach gut vierjähriger Planungsphase stehen alle Signale auf Grün. Am kommenden Donnerstag soll der Ausschuss für Stadtentwicklung die Anregungen zu dem entsprechenden Bebauungsplan für das 2,5 Hektar große Gelände abwägen, und am 19. Juli soll der Stadtrat die Bauleitplanung förmlich beschließen. Derweil feilt Investor Dirk Schlun an den letzten Details des Bauantrages.

Investition über 5 Millionen Euro

Über fünf Millionen Euro möchte die Schlun Real Estate auf der alten Industriebrache umsetzen - eine Investition die in Atsch sehnlich erwartet wird. Seit vielen Jahren ist die Nahversorgung in dem Stadtteil im Wesentlichen ausschließlich durch eine Bäckerei gewährleistet. Für die meisten Güter des täglichen Bedarfs treten die Atscher die Reise in die Innenstadt, nach Münsterbusch und Eilendorf an.

Mit der für nächstes Jahr erwarteten Eröffnung des neuen Angebotes wird die Anreise kürzer ausfallen können - eine Möglichkeit, die vom Seniorenbeauftragten der Stadt in einer Stellungnahme ausdrücklich begrüßt wird: „Die Einkaufsmöglichkeiten stellen aus Sicht älterer Menschen einen wichtigen Bestandteil der Nahversorgung dar”, unterstreicht Paul Schäfermeier dieses „wichtige Kriterium für den Verbleib älterer Menschen in der häuslichen Umgebung.”

Dabei helfen werden insgesamt 2100 Quadratmeter Verkaufsfläche in dem verkehrsgünstig an der Landesstraße 23 zwischen Aachen und Stolberg gelegenen Einkaufszentrum, das auch über eine gute Busanbindung verfügt. 1500 Quadratmeter entfallen davon auf einen Vollsortimenter. Edeka wird dort eine Niederlassung eröffnen. „Jede weibliche Kundin wird sich freuen”, schmunzelt Schlun süffisant über die 600 Quadratmeter Verkaufsfläche, die ein Drogeriemarkt mit Leben füllen wird: In Atsch hält die erste Filiale von „dm” Einzug in die Kupferstadt.

Während die Mieter des Einkaufsbereiches parat stehen, ist Schlun noch auf der Suche nach Nutzern für den zweiten Teil des Bebauungsgebietes: Das bietet bis zu 7000 Quadratmeter für Gewerbebetriebe - am Stück oder auch in mehreren Einheiten. „Wir suchen noch nach passenden Interessenten”, verhehlt Schlun nicht, dass die Auswahl an Gewerbeflächen groß, die Konkurrenz hart ist und nicht zuletzt die Stadt Stolberg selbst mit Quadratmeterpreisen von 35 Euro im nahen Camp Astrid einen starker Mitbewerber darstellt. „Am liebsten wären uns natürlich Nutzer mit einer starken Affinität zum Einzelhandel natürlich ohne Innenstadtrelevanz”, beschreibt Schlun die Herausforderung. Sortimente, die den in Innenstädten ansässigen Einzelhandel betreffen können, sind in dem als Außenbereich geltenden Bezirk nicht willkommen. Für den Sektor der Nahversorgung haben Städteregion ebenso wie Bezirksregierung die Verträglichkeit und die Anpassung an die Ziele der Landesplanung bestätigt. Auch die Industrie- und Handelskammer sieht ausreichend Kaufkraft in dem nördlichen Versorgungsbereich der Stadt. Sie hegt lediglich ein wenig Sorgen, ob der avisierte Drogeriemarkt Umsatz aus der Innenstadt abziehen könnte. Dem widerspricht die Verwaltung, die nach der Schließung einiger Filialen ein ausreichend großes Nachfragevolumen sieht.

Unerfüllt bleiben werden Wünsche, die der Seniorenbeauftragte ebenso wie Marita Stahl als Vorsitzende des Behindertenbeirates noch einmal ins Feld führen: Eine barrierefreie Anbindung des neuen Einkaufsstandortes von der Hamm aus ist nicht zu realisieren. Aufgrund von Höhenunterschied und Topographie wäre diese mit derart aufwändigem Rampenbauwerken verbunden, dass der Eingriff in die geschützte Landschaft des Münsterbachtals als nicht mehr verhältnismäßig gewertet wird - einmal ganz abgesehen von den Kosten, die der Investor zu tragen bereit gewesen wäre.

Intensiv waren dazu die Verhandlungen zwischen Stadt und Umweltbehörden gewesen. Letztlich einigten sie sich auf den Kompromiss einer Treppenanlage mit Kinderwagenrampe. Sie kürzt den Weg zum Nahversorgungszentrum im Vergleich zum Fußweg über bestehende Straßen um rund 80 Meter ab.