Stolberg-Münsterbusch: Kirchenchor Cäcilia existiert nicht mehr

Stolberg-Münsterbusch: Kirchenchor Cäcilia existiert nicht mehr

116 Jahre! So lange bereicherte der Kirchenchor Cäcilia das Leben innerhalb der katholischen Kirchengemeinde Herz Jesu in Münsterbusch. Diese Ära fand am Samstagabend ihren bewegenden Abschluss: Letztmals gestalteten die 22 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Gunther Antensteiner die Heilige Messe anlässlich des Cäcilienfestes im voll besetzten Gotteshaus.

Unterstützt von Misun Kim-Antensteiner an der Orgel sowie der Gesangssolistin Andrea Heeren brachte das Ensemble in einem sehr würdevollen Rahmen sein Können mit einem breitgefächerten Repertoire liturgischer Lieder zu Gehör und stellte unter Beweis, dass der Entschluss zur Auflösung des Chors, der während einer Mitgliederversammlung vor einigen Monaten gefasst worden war, keinesfalls der Qualität des Chors geschuldet ist.

Der langanhaltende Applaus der Gläubigen während und zum Abschluss des von Pfarrer Hans-Rolf Funken zelebrierten Gottesdienstes sprach Bände und ließ den Augenblick zu einem äußerst emotionalen Moment für alle Beteiligten werden. Denn seit Samstagabend, 20.10 Uhr, existiert der Kirchenchor Cäcilia der Kirchengemeinde Herz Jesu innerhalb der Pfarrei St. Lucia nicht mehr.

„Für unsere Gemeinde ist dies ein außergewöhnlicher, vielleicht sogar historischer Tag“, hatte Chorsprecher Albert Bings 70 Minuten zuvor die Gottesdienstbesucher begrüßt. „Heute endet, was am 7. September 1901 begann, als 15 Männer den Kirchenchor Cäcilia ins Leben riefen“, so der Sänger, der allen Unterstützern und Mitstreitern für ihr nicht selten jahrzehntelanges Engagement dankte. Ein Dankeschön, das Pfarrer Hans-Rolf Funken im Namen aller Gemeindemitglieder umgehend zurückgab.

„Viele Male sind sie zum Altar getreten und haben die ihnen von Gott geschenkten Stimmen zum Lob Gottes und zur Freude der Menschen eingesetzt. Dies taten sie stets ehrenamtlich“, unterstrich der Geistliche. Nun hätten sich die Chormitglieder entschlossen, ihr Engagement zu beenden. „Ich danke ihnen! Und ich sage dies in Trauer: Wir leiden unter Mangel an Priestern, Sängern und auch an Gläubigen. Der gesellschaftliche Wandel und der Verlust des Glaubens führen zu Entwicklungen, die auch zur Auflösung dieses Chors beitragen.“

Dank an Chorleiter

Bevor lautstarker Applaus die Sänger stärkte, wandte sich Hans-Rolf Funken an Chorleiter Gunther Antensteiner: „Danke für ihr musikalisches Wirken über die konfessionellen Grenzen hinaus!“ „Einige unserer Mitglieder sind über 60 Jahre lang aktiv und haben inzwischen das 80. Lebensjahr überschritten. Wir sind überaltert“, begründete Chorsprecher Albert Bings nach dem letzten vom Chor gesungenen Lied noch einmal den Entschluss zur Auflösung des Chors. Jahrelange Versuche, jüngere Mitsängerinnen und -sänger zu gewinnen, seien nicht von Erfolg gekrönt worden.

Auch die Umstrukturierungen innerhalb der Großpfarrei St. Lucia hätten bei der Entscheidungsfindung eine Rolle gespielt. „Deshalb wollten wir den Schlussstrich in einen Moment ziehen, zu dem wir uns noch hören lassen konnten“, so Albert Bings. So wurde die Auszeichnung von Johann Krücker, der den Kirchenchor ein Vierteljahrhundert stimmlich verstärkte, zur letzten Ehrung in der 116-jährigen Geschichte der Formation.

„Bitterkeit verspüre ich keine“, erklärt Albert Bings. Doch nicht nur den Sängerinnen und Sängern, auch den zahlreichen Gemeindemitgliedern ist selbstverständlich klar, dass die Gemeinde Herz Jesu in Münsterbusch seit Samstag ärmer ist. Doch sicher ist auch: Allen Zuhörern wird der letzte würdevolle Auftritt des Kirchenchors Cäcilia in Erinnerung bleiben.

(ran)