Stolberg: Kirchen verhandeln über neue Trägerschaft

Stolberg: Kirchen verhandeln über neue Trägerschaft

Wenn vermeintlich geheime Dinge und Vorgänge plötzlich in der Zeitung stehen, beginnt bei den Betroffen in der Regel die Suche nach der „undichten Stelle”. Bei der Evangelischen Kirchengemeinde in Stolberg wird man - nicht zum ersten Mal - schnell fündig. Der Gemeindebrief gibt in der Regel einiges an Informationen her - so auch im aktuellen Fall.

In der neuesten Ausgabe von „Unsere Gemeinde” wird ganz beiläufig erwähnt, dass das Gemeindehaus Frankental in eine ökumenische Trägerschaft übergehen könnte.

Das ist eine völlig neue Variante in den Planungen der evangelischen Kirche, die aufgrund der rückläufigen Kirchensteuereinnahmen weiter Hände ringend nach Möglichkeiten sucht, ihre finanziellen Belastungen zu mindern.

Die sind neben der Bildung von Rücklagen vor allem durch die Gebäudeunterhaltung bedingt, was zuletzt sogar zu der Überlegung geführt hatte, das Gemeindehaus in der Frankentalstraße gänzlich zur Disposition zu stellen und zu verkaufen.

In Mausbach ist der Prozess bereits im vollen Gange, das Gemeindehaus in der Dietrich-Bonhoeffer-Straße wird seit dieser Woche nicht mehr genutzt. Stattdessen werden bestimmte Angebote ab Januar in den Räumlichkeiten der katholischen Pfarrgemeinde St. Markus aufrecht erhalten.

Trotz der öffentlichen Erwähnung hält man sich bei der Evangelischen Kirchengemeinde sehr bedeckt, wenn es um Nachfragen geht. Nicht viel offener gibt sich der Verhandlungspartner, die zum 1. Januar 2010 gegründete Großpfarre St. Lucia.

Aber immerhin: „Ich kann bestätigen, dass wir Gespräche führen”, erklärte der stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende Paul M. Kirch auf Anfrage. Die Pfarre nehme hinsichtlich ihrer Gebäude derzeit eine Bestandsaufnahme vor, erklärte Kirch, ohne allerdings zu erläutern, worauf diese abzielen könnte.

Die räumliche Nähe zum Gemeindehaus und die zunehmenden Bemühungen um eine ökumenische Zusammenarbeit in Stolberg machen eine gemeinsame Trägerschaft aber offenbar sehr interessant - und natürlich auch die dadurch zu erzielenden Synergieeffekte. Es bleibt in diesem Zusammenhang allerdings die vorerst unbeantwortete Frage, ob es bei der Großpfarre St. Lucia im Gegenzug zur Veräußerung oder Umnutzung von kircheneigenen Immobilien kommen könnte.

Eines ist hingegen klar: Auf der katholischen Seite ist man wenig amüsiert über die Indiskretion der evangelischen Verhandlungspartner. Pastor Heinz-Rolf Funken sprach gegenüber unserer Zeitung von einem „starken Stück”, Paul M. Kirch bezeichnete den Vorgang als „sehr unglücklich”.

Ob´s dennoch ein Happy End geben wird, dürfte sich Anfang nächsten Jahres zeigen. Kirchenvorstand Kirch bleibt mit Blick auf den weiteren Fahrplan gelassen und betont: „Wir stehen nicht unter Zeitdruck.” Ob das auf die Evangelische Kirchengemeinde auch zutrifft, ist nicht überliefert.

Gottesdienst und Gemeindetreff: Nutzungsvereinbarung mit St. Markus

Nachdem der Betrieb im Gemeindehaus in Mausbach aufgrund der rückläufigen Nachfrage bereits zu Beginn dieser Woche frühzeitig eingestellt worden ist, tritt ab 1. Januar eine Nutzungsvereinbarung mit der katholischen Pfarrgemeinde St. Markus in Kraft. Sie besagt, dass die Evangelische Kirchengemeinde zweimal im Monat um 11.15 Uhr einen Sonntagsgottesdienst im katholischen Pfarrheim, dem „Markustreff”, abhalten wird. Erster Termin ist der 9. Januar. Auch der Gemeindetreff soll dort im 14-tägigem Abstand weitergeführt werden.

Nach fast zehnjähriger Tätigkeit scheidet Angela Kaesler aus dem Dienst der Evangelischen Kirchengemeinde aus. Sie war mit einer halben Stelle als Jugendmitarbeiterin angestellt, wird aber im Zuge der Umstrukturierungen in Mausbach nicht weiterbeschäftigt. „Der vorhandene Einspardruck macht sich auch im Personalbereich deutlich”, heißt es im Gemeindebrief dazu. Zudem wurde mit der Pensionierung von Inge Pineda als Küsterin der Vogelsangkirche eine halbe Stelle eingespart.