1. Lokales
  2. Stolberg

Stolberger Ansichten | Damals und Heute: Kirche und Gaststätten gehören zum Markusplatz dazu

Stolberger Ansichten | Damals und Heute : Kirche und Gaststätten gehören zum Markusplatz dazu

Mit der baulichen Situation am Markusplatz beschäftigt sich heute der 180. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders – Ansichten über Jahrzehnte“. Das 1972 entstandene historische Vergleichsfoto zeigt die Ortsmitte mit Kirche und Gaststätten. Rechts sind Turm und Schiff der Markus-Kirche abgebildet.

Das neogotische Gotteshaus ist 1870 entstanden. Es hatte einem Vorgängerbau Platz gemacht, den man erst 1804 errichtet hatte und der demnach über ein Alter von rund 65 Jahren nicht hinaus gekommen war. Schwer beschädigt wurde das Gotteshaus im Zweiten Weltkrieg. Denn Mausbach hatte im Frontgebiet gelegen und musste wochenlange Kampfhandlungen zwischen deutschen und US-amerikanischen Truppen ertragen.

Den Kirchturm hatten die Amerikaner aus strategischen Gründen teilweise gesprengt, weil er als Landmarke weithin sichtbar war. Infolge der Sprengung hatte auch das Kirchenschiff schwere Schäden erlitten. Ein Wiederaufbau des ruinösen Gebäudes erfolgte in den Jahren 1946 bis 1948.

Verzichtet wurde dabei auf eine Neuerrichtung des Kirchengewölbes. Das Gewölbe wurde durch eine Flachdecke ersetzt. Ein neues Aussehen erhielt auch der Turm. Er wurde zu einem Drittel neu aufgemauert und seine Spitze erhielt ein Zeltdach. Gottesdienst hatte man in der Zwischenzeit im Saal der Gaststätte Rößler gefeiert.

Die an der Kurt-Schumacher-Straße liegende Gaststätte ist auf unseren beiden Vergleichsfotos ebenfalls auf der rechten Seite abgelichtet. Foto: Toni Dörflinger

Die an der Kurt-Schumacher-Straße liegende Gaststätte ist auf unseren beiden Vergleichsfotos ebenfalls auf der rechten Seite abgelichtet. Die ehemalige Gaststätte Rößler besteht aus zwei Gebäuden, die zu unterschiedlichen Zeiten errichtet wurden. Ursprungsbau ist das um 1880 errichtet Eckgebäude, das im Obergeschoss einen kleinen Saal besaß. Um den Saal zu vergrößern, errichtete man um 1912 einen zweigeschossigen Anbau. Diese große, im Obergeschoss der beiden Gebäude liegende Fläche, hatte man von 1945 bis 1948 als Notkirche genutzt.

Die Sakristei war in dem kleinen, ursprünglichen Saal untergebracht. In den 1980er Jahren wurden Saal und Gasthaus umgebaut. Der Saal wurde fortan als Bürofläche genutzt. Im Erdgeschoss von Saalgebäude und Gasthaus entstanden ein Einzelhandelsgeschäft, ein Friseursalon und eine neue, kleine Gaststätte.

Gegenüber des früheren Gasthauses Rößler liegt eine weitere Gaststätte. Auf unseren beiden Vergleichsfoto ist sie als dreiachsiges Gebäude auf der linken Bildseite zu sehen. Das heute als "Kupferkanne" bezeichnete Gebäude ist vermutlich ebenfalls im späten 19. Jahrhundert entstanden. Den Ortskundigen ist es unter dem Namen Jouhsen bekannt: zuvor Robert Reidt. Ebenfalls wie das Gasthaus Rößler besaß die Gaststätte der Familie Jouhsen einen Saal.

Nach Kriegsende ist dieser Saal kurzzeitig als Behindertenwerkstätte genutzt worden. Behinderte Menschen hatten dort Spielzeug und Andenken aus Holz hergestellt, das von amerikanischen und belgischen Militärangehörigen erworben wurde. In den unteren Räumen war währenddessen eine weitere Werkstatt ansässig. Dort wurden Büro- und Nähmaschinen repariert sowie Metallbaukästen hergestellt. 1948 wurde die Gaststätte wieder eröffnet. Seitdem ist dort abgesehen von kurzen Unterbrechungen ein gastronomischer Betrieb ansässig, der gerne als örtlicher Treffpunkt genutzt wird.