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Stolberg: „Kibiz in Stolberg relativ gut umgesetzt”

Stolberg : „Kibiz in Stolberg relativ gut umgesetzt”

Am Kinderbildungsgesetz Kibiz scheiden sich weiter die Geister. Mehr Flexibilität beim Angebot und den Öffnungszeiten sowie eine besser verankerte Sprachförderung auf der einen, geringe Pro-Kopf-Pauschalen, mehr Arbeit für Erzieherinnen und zu starre Anmeldungstermine auf der anderen Seite lassen die Diskussion nicht verstummen.

Die Proteste, die das Gesetz seit seiner Einführung im vergangenen Jahr begleiten, wollen auch jetzt noch nicht abebben. Für Dienstag hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, in der auch Arbeitnehmer aus Erziehungsberufen organisiert sind, zu einer Kundgebung aufgerufen. Um 13 Uhr auf dem Kaiserplatz ist das Thema die „Zukunft der Tageseinrichtungen”.

Große Sorgen in kleinen Kitas

Es geht nicht nur, aber auch und vor allem um Kibiz. Neben Verdi-Sekretär Viktor Petje und Bürgermeister Ferdi Gatzweiler sollen dort vor dem Rathaus auch Beschäftigte aus den Stolberger Kindertagesstätten zu Wort kommen.

„Auch wenn die Umsetzung in Stolberg vergleichsweise gut funktioniert”, wie Ferdi Gatzweiler sagt, sieht der Bürgermeister die Entwicklung von Kibiz äußerst kritisch.

Die Idee sei grundsätzlich zwar richtig, so Gatzweiler, doch wenn sich in einer Gesellschaft schon die Erkenntnis durchsetze, dass pädagogische Betreuung bereits in frühen Entwicklungsphasen von Kindern sinnvoll ist, dann sollten die damit verbundenen Leistungen auch auf Füße gestellt werden, die diese tragen können.

Als „Katastrophe” bezeichnet Gatzweiler in dem Zusammenhang die Unsicherheit bei den Beschäftigten. Die käme daher, dass die personelle Ausstattung einer Kita jedes Jahr aufs Neue abhängig sei von den jeweiligen Anmeldezahlen und den Betreuungsstunden, die pro Kind gebucht sind. Die Stadt müsse dann Personal umlenken auf andere Kitas, und das in der Praxis schwierig. „Solche Verschiebungen haben doch eine dauernde Unruhe in den Kitas zur Folge”, klagt Gatzweiler, und genau das will er auch auf der Kundgebung am Dienstag zu Gehör bringen.

Barbara Becker wäre am Dienstag auch gerne dabei. Die Leiterin der von einem Elternverein getragenen Kita Zauberkiste hatte schon im Dezember einer Kollegin die Kündigung aussprechen müssen, weil, so Becker, Kibiz ihr keine andere Wahl mehr gelassen habe. Und nicht nur deshalb gehört sie ebenfalls zu denen, die sich kritisch zu Kibiz äußern.

Die Zauberkiste ist eine vergleichsweise kleine Einrichtung, 40 Kinder, fünf Erzieherinnen. Und so gering, wie vom Jugendamt angedeutet, seien die Probleme der freien Träger eben nicht seit Kibiz. „Je kleiner die Einrichtung ist, desto weniger Geld gibt es”, sagt Becker, die auf die Erfahrung ihrer älteren Mitarbeiterinnen nicht verzichten möchte. Aber die kosten nun einmal Geld.

Und die Arbeit? Die hat sich verändert. Seit der Trennung von einer 20-Stunden-Kraft müsse deren Arbeitsleistung von den übrig Gebliebenen aufgefangen werden. „Wir strengen uns unheimlich an”, sagt Becker und zählt die vielen Projekte auf, mit denen die Kita attraktiv bleiben soll. Vieles geschieht in freiwilliger Extraleistung.

Die Kinder gehen vor

Das Wichtigste aber sei, so Becker, den Kindern Geborgenheit zu geben. Das sei schwieriger geworden, denn wer sich selbst nicht sicher fühlt, für den ist auch die Vermittlung von Sicherheit ein kräftezehrender Akt.

An der Kundgebung am morgigen Dienstag würde sie gerne teilnehmen, schließlich wolle Kibiz auch, dass sie sich mit anderen Trägern vernetze, sagt Becker. „Doch wie soll ich mich vernetzen? Ich kann die Kinder ja nicht alleine lassen.”