Stolberg: Kibiz hat Kita Zauberkiste das Leben schwer gemacht

Stolberg: Kibiz hat Kita Zauberkiste das Leben schwer gemacht

Es ist viel los im Spielgarten der Kita Zauberkiste. An den Ästen hangeln sich die Jungs, an der Rutsche steht eine lange Kinderschlange und die große Sandkiste ist an diesem Tag Treffpunkt der ganz Kleinen. Es geht ausgelassen zu in der Zauberkiste.

Zumindest bei den Kids - denn ganz so ausgelassen und sorgenfrei fühlen sich die Eltern der Kita-Kinder nicht: Denn Träger der Zauberkiste ist nicht die Stadt, sondern eine Elterninitiative - und die verantwortlichen Mütter und Väter haben es in dieser Zeit nicht leicht. Nicht nur, weil die Eltern als Initiative selbst mit anpacken müssen und einmal im Monat Garten-, Putz- oder Reparaturarbeiten übernehmen müssen. Schuld daran ist das Kinderbildungsgesetz, das seit 2008 gilt. „Das Kibiz hat den Kitas das Leben schon sehr erschwert. Gerade die von Eltern geführten Einrichtungen wie unsere haben seit Kibiz mehr Sorgen als je zuvor”, sagt Natalie Strecken, Vorsitzende der Elterninitiative.

Das Gegenteil von leicht

Dem kann Barbara Becker, Leiterin der Einrichtung nur zustimmen: „Man hatte bei der Einführung des Kinderbildungsgesetzes damit geworben, dass alles einfacher werden sollte, aber das Gegenteil ist geschehen.” Der Verwaltungsaufwand sei im Gegensatz zu früher enorm gestiegen. „Manche Abende verbringt man nun nur mit hin- und herrechnen. Und dabei weiß man nie so genau, ob man auch alles richtig macht”, sagt Strecken. Denn während die städtisch geführten Kitas für die Finanzfragen Fachleute hätten, die genau wüssten, was und wie viel die Einrichtungen für spezielle Dinge ausgeben dürfen, gebe es bei einer Elterninitiative niemanden, der dafür ausgebildet sei.

„Das Risiko - auch falsch zu wirtschaften - ist für uns seit Kibiz gewachsen”, sagt Barbara Becker. Eine Mitarbeiterin habe man bereits entlassen müssen - das Geld für die erfahrene Kraft fehlte einfach. Und da eine Einrichtung seit Kibiz je nach Kind und dessen Betreuungszeit finanziell gefördert wird, ist es für Elterninitiativen wie die Zauberkiste enorm wichtig, jeden Kita-Platz mit einem Kind zu besetzen. „Vor Kibiz konnte man eine Durststrecke, also Jahre, in denen es weniger Anmeldungen gab, leicht überbrücken. Heute ist das schwieriger”, sagt Strecken, Kitaleiterin Barbara Becker fügt hinzu: „Langfristiges Planen ist bei uns jetzt nicht mehr möglich. Und man steht stets vor der Frage, wie lange die Einrichtung so noch existieren kann.” Denn gebe es ein Jahr einmal zehn Anmeldungen weniger - dann müsste die Einrichtung schließen.

Von den Sorgen der Erzieherinnen, Vorstandsmitglieder und der übrigen Eltern sollen die Kinder in der Zauberkiste aber nichts mitbekommen. Und auch die Verantwortlichen des Vereins stecken trotz aller Probleme den Kopf nicht in den Sand, sondern handeln. Damit die Einrichtung besonders bleibt. Und attraktiv. „Wir müssen uns von den anderen Kitas thematisch abheben. Und das schaffen wir mit besonderen und außergewöhnlichen Angeboten wie der Therapie und Pädagogik mit Hund oder der Waldarbeit”, sagt Natalie Strecken. Bald ist die Einrichtung sogar um noch ein weiteres Angebot reicher. Nämlich einen sonnigen Platz an der Natur.

Der Verein hat ein 1400 Quadratmeter großes Areal gepachtet, auf dem die Kinder künftig noch ausgelassener Toben können. Auf dem Gelände eines ehemaligen Spielplatzes, der unmittelbar an das Grundstück der Einrichtung grenzt, haben die Eltern in den vergangenen Monaten aus verwildertem Brachland einen Ort geschaffen, an dem die Kinder sich künftig austoben können, wo sie auf Bäume klettern und Nachlaufen spielen können. „Für die Eltern hat das in der Vergangenheit sehr viel Arbeit bedeutet. Aber das ist es wert. Denn wo findet man in der Stadt sonst noch einmal eine Fläche, wo Kinder sorgenfrei herumtollen oder mal auf einen Baum klettern können?”, sagt Strecken. Und endlich soll die Kita auch eine Schaukel bekommen - dafür war das Grundstück der Einrichtung bislang zu klein.

„Auch wenn es als Elterninitiative mit Kibiz schwerer geworden ist als früher, wir wollen den Kindern ein naturnahes Aufwachsen bieten. Und dafür werden wir auch Kibiz überstehen”, sagt Becker.

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