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Stolberg: Keine guten Noten für die Internet-Bewertung von Lehrern

Stolberg : Keine guten Noten für die Internet-Bewertung von Lehrern

Wahrscheinlich hat sich das jeder in seiner Schulzeit schon gewünscht: einmal den Spieß umdrehen und den Lehrer bewerten. Im Internet geht das jetzt tatsächlich. Auf der Seite „www.spickmich.de” haben Schüler die Möglichkeit, den Lehrern ihrer Schulen Noten zu geben. Und auch in der Kupferstadt nutzen die Pennäler bereits fleißig die Plattform.

Am Ritzefeld-Gymnasium etwa sind einige Pädagogen in der Liste, die Noten reichen von guten 2,4 bis weniger guten 4,2. Was den Schülern wahrscheinlich wie ein Spaß vorkommt, ist für viele der betroffenen Lehrer gar nicht lustig. „Es ist sehr unpassend, im Internet anonym bewertet zu werden”, resümiert Burghart Klein. „Viele Details dort sind äußerst geschmacklos”, so der Schulleiter des Ritzefeld-Gymnasiums weiter.

Auch bei der Bezirksregierung regt sich Unmut wegen der Internetseite. „Nach unserer Auffassung werden persönliche Rechte massiv verletzt”, erklärt Sprecher Dirk Schneemann. Das Missfallen erregt die Internetseite durch die Tatsache, dass nicht nur die pädagogischen Werte des Lehrers zur Diskussion stehen, sondern auch beurteilt werden kann, ob der Lehrer „cool und witzig” oder „sexy” ist. „Das hat mit dem Beruf des Lehrers nichts zu tun”, meint Wolfgang Röber. „Aber den Schülern ist das vielleicht wichtig”, so die Vermutung des Schulleiters der Gutenberg-Schule. Prinzipiell hat Wolfgang Röber nichts dagegen, dass Lehrer bewertet werden: „Intern gibt es bei uns Evaluationen, in die die Schüler und Eltern eingebunden werden. Bei der Internetseite geht vieles aber zu weit.”

Das sieht Michael Göbbels, Konrektor an der Realschule I, ähnlich: „Manchem Schüler ist vielleicht nicht bewusst, was er da macht. Evaluation ist sinnvoll, aber es sollte auch einen Bezug zum Unterricht haben.”

Dem würde Lukas Kreus zustimmen. Der zwanzigjährige Abiturient denkt, dass Bewertungen wie Sexappeal und Coolness „überflüssig” sind. Doch die Möglichkeit, einen Lehrer zu bewerten, findet er generell nicht schlecht. „Bewertungen sollten an Schulen stattfinden, denn da merkt es der Lehrer auch und kann das beherzigen, was die Schüler sagen.”

Für Jörg Klein, Schulleiter an der Ganztagshauptschule Kogelhäuserstraße, ist das Thema Internetbewertung erst einmal abgeschlossen: „Unsere Schüler sagen uns direkt, wenn sie Probleme haben.” Von der Seite selbst hält der Pädagoge ebenfalls nicht viel: „Es ist anonym und nicht nachzuvollziehen, wie oft ein Schüler dort abstimmt. Der direkte Dialog ist wesentlich effektiver.”

Den würde wahrscheinlich auch Gabi Knoth bevorzugen. Die Englisch- und Erdkundelehrerin am Ritzefeld-Gymnasium ist auf der Internetseite aufgelistet. „Schüler sollten sich äußern können”, sagt auch die Lehrerin, doch den öffentlichen Weg sieht sie kritisch: „Man weiß überhaupt nicht, in welcher Verfassung der Schüler war, als er bewertet hat. Wenn er selbst gerade eine schlechte Note bekommen hat, will er sich vielleicht so revanchieren.” Auch die Bewertung der persönlichen Aspekte stört sie. Jetzt hofft sie, dass ein Gespräch mit den Schülern ihrer Schule Aufklärung bieten kann. Und darauf setzt auch Schulleiter Burghart Klein.