Stolberg: Kein missionarischer Eifer zur Einführung der Bio-Tonne

Stolberg: Kein missionarischer Eifer zur Einführung der Bio-Tonne

„Wir werden sicherlich nicht in missionarischem Eifer aufbrechen und jedem eine Biotonne vor die Haustüre setzen“, hält Ulrich Reuter den Ball erst einmal flach.

Noch hat der Zweckverband Regio-Entsorgung — er hat seit Beginn diesen Jahres die Verantwortung für die komplette Abfallentsorgung in der Kupferstadt übernommen — keine Pläne für das kommende Jahr geschmiedet, wenn mit dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz die zwingende Vorschrift zur getrennten Sammlung von Bioabfällen auch die Stolberger Haushalte erreicht.

„Wir wollen abwarten, ob es weitere Auflagen und Vorschriften durch den Gesetzgeber gibt“, sagt der Geschäftsführer. Die Regio-Entsorgung hofft erst einmal, dass ihr derzeitiges Angebot in Stolberg ausreichend ist, um auch zukünftig die neuen gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen.

„Nach dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz sind Bioabfälle lediglich getrennt zu sammeln“, erklärt Sven Poschen vom städtischen Ordnungsamt: „Die Einführung einer Bio-Tonne ist nicht vorgeschrieben, sondern nur die getrennte Sammlung“. Und dieser Vorgabe ist die Kupferstadt bereits ab März 2011 nachgekommen, so betont Poschen, indem sie zusätzlich zur Gartenabfallsammlung mehrere Abgabemöglichkeiten für Küchenabfälle eingeführt hat. An den 14 Standorten für Gartenabfälle in den Stadtteilen und auf dem Wertstoffhof können bereits seit drei Jahren in separaten Gefäßen auch Küchenabfälle abgegeben werden.

„Alternativ ist die Eigenkompostierung die umweltfreundlichste Lösung“, sagt Poschen und verweist auf zahlreiche Haushalte vor allem in den Außenbezirken, die in ihren Gärten von dieser Möglichkeit gerne Gebrauch machen. Die Bio-Tonne selbst zählt in Stolberg sicherlich nicht zu den gefragtesten Entsorgungsmöglichkeiten. Das hat zumindest eine Umfrage der Stadt unter den rund 20 000 Haushalten allerdings bereits im Jahr 1998 ergeben.

Lediglich 15 Prozent der Haushalte hatte sich positiv zur Einführung einer Bio-Tonne geäußert. Das mag auch an den differenzierten Wohnverhältnissen im Stadtgebiet liegen. Während in den Außenbezirken die Eigenkompostierung eine Rolle spielt, ist es in innerstädtischen Lagen mit einem großen Bestand an historischer Bausubstanz die Enge der Häuser, die einer weiteren Vermehrung der Tonnenvielfalt entgegen steht. Wo soll in einem Altstadthaus neben Restmüll- und Papiertonne sowie gelben Sack auch noch Platz für eine Bio-Tonne sein?

Eine andere Frage ist freilich, ob die freiwillige Abgabe von biologisch abbfaubaren Abfällen an den Container-Standorten sowie im Wertstoffhof im Sinne des Gesetzes ausreichend sein wird. „Wir harren noch der Ausführungsbestimmungen“, sagt Ulrich Reuter dazu. Immerhin sammelt die Regio-Entsorgung derzeit weiterhin eigene Erfahrungen mit der saisonalen Resonanz des Wertstoffhofes an der Hasencleverstraße, den der Zweckverband seit Jahresbeginn in Eigenregie übernommen und offensichtlich schon lieb gewonnen hat.

Mit angepassten Regelungen bei den Öffnungszeiten je nach Jahreszeit will die Regio-Entsorgung den Betrieb zukünftig flexibel regeln und denkt darüber nach, das Recyclingangebot an die Bürger in Eigenregie erst einmal weiter zu führen.

Nicht vor 1. Oktober 2015

Der für den April vom Stadtrat erwarteten Text einer europaweiten Neuausschreibung des Wertstoffhofes zum 1. Juli 2014 wird Stolberg wohl noch etwas länger warten. „Das wird wohl nichts vor dem 1. Oktober 2015“, erklärt Reuter, dass die Regio-Entsorgung erst noch weitere Erfahrungen sammeln möchte bevor die Anstalt öffentlichen Rechts an eine umfangreiche und komplizierte Ausschreibung herangehen mag.

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