Stolberg: Kaiserplatz Versuchslabor für Kastanien

Stolberg: Kaiserplatz Versuchslabor für Kastanien

Es ist nicht nur die Kastanienminiermotte, die den repräsentativen Bäumen auf dem Kaiserplatz zusetzt. In Folge der Erderwärmung hat diese Falterart ihr südliches Verbreitungsgebiet nach Norden ausgedehnt, um unter anderen auf den Kastanien am Kaiserplatz ihre Eier abzulegen.

Die Larven fressen sich dann von innen durch die Blätter bevorzugt der weißblühenden Rosskastanien, wie bei einer Mine, und sorgen so optisch für deren frühzeitige Braunfärbung im Sommer als Zeichen der geschädigten Vitalität des Baumes.

Nicht ganz so auffallend, aber nicht minder schwerwiegend sind die Schäden, die „Pseudomonas syringae pv. aesculi” als Erreger des „Pseudomonas-Schleimflusses” bei den Kastanien, bevorzugt bei den rotblühenden, verursacht. Folgen dieser bakteriösen Rindenerkrankung, eine Art Krebsgeschwür, sind Welke in Teilen oder in der ganzen Krone sowie blutende Bereiche und Nekrosen an Stamm und Ästen. Einige Krebse beschränken sich auf die Rinde, andere führen bis ins Kernholz mit folgender Verfärbung und Wundholzbildung an den Krebsrändern.

Es ist eine heimtückische Krankheit, die nur aufwändig und schwierig zu untersuchen ist. Nur wenige Institute widmen sich dieser Krankheit, und so konnte bis vor kurzem die bereits vor Jahren von der Verwaltung gemutmaßte Diagnose nicht bestätigt werden. Jedoch gelang es dem städtischen Grünflächenbeauftragten Bernhard Frings den Krefelder Baumsachverständigen Dr. Jürgen Kutscheidt für eine Begutachtung von Bäumen im Stadtgebiet zu gewinnen. „Er hat unseren Verdacht auf Grund der vorgefundenen Merkmale bestätigt”, erklärt Frings.

Eine schlimme Diagnose, denn der Erfolg der medikamentösen Behandlung bei Kastanien ist noch nicht hinreichend bewiesen und wissenschaftlich unerprobt. Allerdings arbeitet Dr. Kutscheist seit Jahren wissenschaftlich an der Entwicklung so genannter Mykorrihiza-Pilzen, die symbiotisch die Nährstoffzufuhr zum Baum verbessern, sowie an weiteren Pflanzenstärkungs- und -schutzmitteln. Im Rahmen einer Versuchsreihe hat der Baumsachverständige nun der Stadt angeboten, mit einem kostenlosen Präparat („Bacterimycin”, ein aus Bakterien gewonnener Wirkstoff) die Kastanien am Kaiserplatz zu behandeln.

„Dieses aus Indien stammende Präparat wurde bereits an verschiedenen Baumarten, unter anderem an Obstbäumen, mit Erfolg getestet”, berichtet Frings. Im Rahmen der Versuchsreihe soll die Wirksamkeit des Mittels bei Kastanien ausprobiert werden.

Die Verwaltung macht den heute beratenden Umweltausschuss aber auch darauf aufmerksam, dass eine Anwendungszulassung durch die Landwirtschaftskammer NRW noch nicht vorliegt, das Medikament jedoch über eine internationale Zulassung verfügt als biologisches Pflanzenschutzmittel ohne Nebenwirkungen auf Gesundheit und es auch in der Praxis angewendet wird.

„Keine Bedenken”

Keine Bedenken gegen die Anwendung an den Kastanien am Kaiserplatz haben demnach die Sachverständige für Arbeitsschutz im Rathaus sowie die Arbeitsmedizinerin des TÜV, wenn einige Sicherheitsvorkehrungen eingehalten werden. „Das Mittel ist schlimmstenfalls wirkungslos”, sagt Bermhard Frings.

Die Bäume können mit dem Präparat im Spritz- oder im Gießverfahren behandelt werden. Aufgrund der Größe der Kastanien empfiehlt die Verwaltung das Gießverfahren, weil es vorteilhafter sei. Zum Einen fehlen für ein Bespritzen die technischen Geräte, zum Anderen können durch Begießen eine Belästigung der Anwohner durch Abdrift verhindert und auch Auflagen des Arbeitsschutzes erfüllt werden.

Vor der Behandlung werde außerdem der Boden bewässert, damit nicht zu viel Wirkstoff an Bodenpartikeln haften bleibt. Anschließend werden rund zehn Liter Wirkstoflösung an jeden Baum gegossen; diese Behandlung soll nach sechs Wochen wiederholt werden - vorausgesetzt der Umweltausschuss stimmt heute dem Freiland-Versuch auf dem Kaiserplatz zu.