Stolberg-Büsbach: „(K)ein Apfel für Schneewittchen”: Schultheater Bischofstraße brilliert

Stolberg-Büsbach: „(K)ein Apfel für Schneewittchen”: Schultheater Bischofstraße brilliert

Es ist kurz vor der Aufführung und Stefanie will partout nicht auf die Bühne - bis ihr der geheimnisvolle „Theatergeist” drei Wünsche als Belohnung für ihren Auftritt verspricht. Stefanie willigt ein und erfüllt sich gleich ihren sehnlichsten Traum.

Die Zehnjährige liebt die Märchenwelt über alles und findet sich - kaum sind die Worte gesprochen - mitten in „Schneewittchen” wieder. An ihrer Seite: ihr völlig überraschter Bruder Alex.

Hautnah, aber immer in Deckung, erleben die Geschwister nun zunächst den gewohnten Verlauf des Klassikers der Gebrüder Grimm. Doch das soll sich bald ändern.

Denn die beiden bleiben nicht bloß Zuschauer, sondern verfolgen eine ganz besondere Mission: Märchenfan Stefanie will unbedingt den tödlichen Biss Schneewittchens in den giftigen Apfel verhindern und tauscht ihn gemeinsam mit Bruder Alex kurzum aus. Das Manöver glückt, der Giftanschlag der eifersüchtigen Königin misslingt. Doch wider Erwarten hält sich die Begeisterung über den Eingriff der Kinder bei den Märchenfiguren in Grenzen. Turbulenzen erschüttern die aus der Bahn geratene Märchenwelt.

Der Prinz ist, als er Wind von der Abwandlung bekommt, offenkundig „not amused” und wütet regelrecht erbost über die Bühne. „Ein Märchenprinz hat auch eine Berufsehre”, schimpft er wie ein Rohrspatz. Er sieht sich um seine tragende Rolle, Schneewittchen wieder lebendig zu küssen, gebracht.

Und auch Schneewittchen zeigt sich keinesfalls begeistert. Sie stellt sich tot, um vor den Zwergen und dem Prinzen zumindest den Schein der märchenhaften „Normalität” aufrecht zu erhalten - doch beginnt sie auf dem Weg in den Sarg fatalerweise zu lachen.

Alles steht nun Kopf, ehe Stefanie die rettende Idee kommt: Mit einem weiteren Wunsch spult sie die turbulenten Geschehnisse zurück und das Märchen kann wieder den Grimmschen Weg nehmen, während Alex und Stefanie erst aufs heimische Sofa und dann Hals über Kopf ins nächste Abenteuer schlittern.

„(K)ein Apfel für Schneewittchen” (Text: Werner Schulte) ist der Titel des etwas anderen Märchens, das die Theater-AG der Grundschule Bischofstraße im Rahmen des 23. Stolberger Schülertheaterfestivals auf die Bühne brachte. „Wir haben ein ganzes Schuljahr darauf hingearbeitet”, berichtete AG-Leiterin und Regisseurin Beate Lopopolo.

Im entscheidenden Moment zeigten sich die elf kleinen Schauspieler, die teilweise sogar in mehrere Rollen schlüpften, dann in absolut bestechender Form: Sie begeisterten die kleinen Gäste auf den Matten direkt am Bühnenrand mit ihrem verwirrend-humorvolle Ausflug in die Märchenwelt ebenso wie die zahlreichen großen Besucher.

Scheinbar ohne Lampenfieber, immer textsicher und mit großer Authentizität füllten die Nachwuchstalente ihre Rollen gekonnt mit Leben und entführten das Publikum für eine halbe Stunde aus der nicht ganz ausverkauften, aber doch gut besetzten Mensa in die Welt der Gebrüder Grimm.

„Chapeau!” - lautete deshalb am Ende nicht umsonst der Tenor der vielen Gratulanten: Für eine herzerfrischende, schwungvolle und heitere Vorstellung Theater begeisterter Kinder, die sicherlich nicht zum letzten Mal von sich hören ließen.

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