Jugendbus in Stolberg feiert Jubiläum

Mobile Jugendarbeit : Eine Anlaufstelle auch in der kalten Jahreszeit

Seit zehn Jahren tourt der Jugendbus durch Stolberg. Auch heute wird das Angebot des Stolberger Jugendamtes noch sehr gut angenommen, das sagen zumindest die Jugendlichen. Ein Blick auf die Anfänge.

Dass der Jugendbus ausgerechnet in diesem Jahr neu beklebt wurde, war eigentlich Zufall. Dabei feiert das Fahrzeug, das einst der Aseag gehörte, in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum. Seit mittlerweile zehn Jahren ist der ehemalige Linienbus auf Stolbergs Straßen unterwegs und erfreut sich bei den Jugendlichen nach wie vor großer Beliebtheit – sagen sie. In diesem Jahr will der mobile Jugendarbeiter Herman Moonen deshalb zum ersten Mal auch im Winter mit dem Bus unterwegs sein. Doch dazu später mehr.

Angefangen hat damals alles mit einem Besuch in Nörvenich. Dort machten sich die Stolberger Verwaltung und die Politik nämlich schlau. Es ging um ein Projekt, das zu diesem Zeitpunkt im Kreis Düren für wahre Wunder gesorgt hatte. Das mobile Angebot trug maßgeblich dazu bei, dass Konflikte, die es zwischen Jugendlichen und Anwohnern gab, entschärft und Probleme so gelöst werden konnten. 45.000 Euro wurden für die Anschaffung des gebrauchten Linienbusses im Haushalt 2008 eingestellt.

An die Anfänge erinnert sich auch noch Jugendamtsleiter Willi Seyffarth. Auch vor zehn Jahren leitete er bereits das Stolberger Jugendamt. Das Ziel: Für die Jugendlichen sollten damals in den verschiedenen Stadtteilen Räume geschaffen werden. Funktioniert hat das unter anderem an dem Kreisverkehr auf dem Donnerberg, an der Friedrich-Ebert-Straße oder auch an der Heinrichstraße. Sein Fazit: „Der Bus hat sich definitiv bewährt“, sagt Seyffarth.

Dieser Meinung ist auch die 18-jährige Vanessa, die das Angebot im Stadtteil Atsch bereits seit einigen Jahren nutzt. „Man kommt mit Jugendlichen ins Gespräch, mit denen man sich sonst vielleicht gar nicht treffen würde“, nennt sie nur einen Vorteil des Jugendbusses. Besonders gefallen ihr die Angebote, die man wahrnehmen kann. Im Sommer spielt sich das Geschehen meist draußen ab. Einen Pavillon, Tische und Sitzgelegenheiten, Fußbälle und Tore sind nur einige Gegenstände, die Herman Moonen dann im Gepäck hat.

Wird es draußen kälter, ändert sich auch das Angebot. Gemeinsames Musizieren steht dann genauso an, wie Kochen oder Backen. Schließlich verfügt der Jugendbus nicht nur über eine Küche – Herdplatte und Backofen inklusive -, sondern auch über eine gemütliche Sitzecke mit Spielekonsole und Fernseher.

Seit 2014 ist Herman Moonen mit dem Jugendbus unterwegs. Einen entsprechenden Führerschein hat er natürlich im Vorfeld gemacht. Im Sommer ist er an drei Tagen in der Woche in den Stadtteilen Atsch, Mausbach und Breinig unterwegs. Immer wieder wechseln die Stadtteile auch – je nach Bedarf, erklärt Seyffarth. Im Winter soll nun zum ersten Mal an zwei Tagen in der Woche in den Außenbezirken Halt gemacht werden – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

Dass der Erfolg des Jugendbusses auch mit den entsprechenden Mitarbeitern falle und stehe, weiß Christine Stadler, Leiterin der sozialpädagogischen Sonderdienste. Das hat auch Besucherin Vanessa festgestellt. Ein weiterer Grund, warum sie den Jugendbus so gerne besucht, ist der gute Draht zu Herman Moonen. „Wenn wir jemanden zum Reden brauchen, ist er da und merkt direkt, wenn es einem von uns schlecht geht“, sagt sie.

Nicht nur in Stolberg kommt das Projekt übrigens bestens an. Bereits zwei Kommunen schauten sich den Jugendbus an und erkundigten sich nach dem Konzept, das sich dahinter verbirgt, erzählt Jugendpfleger Michael Bosseler. So wie die Stolberger damals in Nörvenich…

(se)
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