Stolberg: Jugendberufshilfe startet Weihnachtsverkauf

Stolberg: Jugendberufshilfe startet Weihnachtsverkauf

Michelle muss sich konzentrieren: Weder vom Rohling noch vom Draht darf später noch etwas zu sehen sein. Akkurat umwickelt die 16-Jährige den Rohling des Adventskranzes mit Tannengrün. Mit dem Ergebnis ist Sozialarbeiterin Katja Knospe sehr zufrieden. „Da sieht Du, wozu Du in der Lage bist, wenn Du Dich konzentrierst”, lobt die Mitarbeiterin der Jugendberufshilfe die junge Frau.

Michelle ist eine der Teilnehmer, die in Stolberg an der Bergstraße fit gemacht werden für den Arbeitsmarkt. In der Gärtnerei der Einrichtung herrscht in diesen Tagen Hochbetrieb, denn der Weihnachtsverkauf steht vor der Tür: Von Montag an können die Kunden aus den Exponaten der Modellausstellung ihr Wunschgesteck auswählen und bestellen.

Brombeer liegt im Trend

Im Ausstellungsraum nebenan ist Michelles Teamkollege Andreas damit beschäftigt, die Tische für die Präsentation des Weihnachtsverkaufes aufzustellen und die Fenster mit Stoffbahnen zu dekorieren. Die Gestecke werden in unterschiedlichen Farben und Arrangements angeboten. Es gibt kleine und große, aber ungeachtet der Dimension „sind Gestecke im klassischen Rot nach wie vor der Renner”, erzählt Knospe. Einen guten Absatz verspricht man sich in der Jugendberufshilfe aber auch von weihnachtlichen Gebinden in der Trendfarbe Brombeer.

Auf den Erlös durch den Verkauf von Gestecken ist die Jugendberufshilfe in Zeiten, in denen soziale Einrichtungen von massiven Kürzungen betroffen sind, mehr denn je angewiesen. Das Geld ist dringend nötig, um die Qualität der Betreuung zu gewährleisten. Eine intensive Betreuung ist für die meisten der Jugendlichen die einzige Chance, später eine Arbeit zu finden. Die Jugendlichen zur Leistung zu motivieren, ihnen Verantwortungsbewusstsein und Teamgeist einzuimpfen, das ist die Kernaufgabe der Jugendwerkstatt. In der Schneiderei, Gärtnerei und in der Abteilung Holzverarbeitung haben die Jugendlichen nicht nur die Möglichkeiten, ihre beruflichen Neigungen herauszufinden, sondern auch ihre soziale Kompetenz zu verbessern. Kritik gegenüber offen sein oder auch im Umgang mit ungehaltenen Kunden freundlich zu bleiben, wird ebenfalls trainiert.

Michelles kreative Ader ist beim Gesteckbinden hilfreich. Die Bereitschaft zur Leistung wird den Jugendlichen Tag für Tag vorgelebt. Positive Erlebnisse sind der Weg dorthin, so freut sich Michelle sichtlich darüber, dass ihr der Adventskranz so gut gelungen ist.

Der 19-jährige Andreas ist handwerklich talentiert, „außerdem arbeitet er eigenverantwortlich”, motiviert Knospe den jungen Mann. Auch die 18-jährige Ricarda gehört zum Gartenteam. Ihr macht besonders das Kochen Freude: An zwei von fünf Tagen stehen Ricarda, Andreas, Michelle und die anderen Jugendlichen aus der Gärtnerei am Herd. Das Team bereitet für die Teilnehmer aus allen Bereichen das Mittagessen zu. Dazu gehört auch, dass die Jugendlichen den Speiseplan erstellen und den Einkauf erledigen.

Zwar geht es bei dieser Aufgabe nicht primär darum, den Beruf des Kochs oder einer Haushälterin zu erlernen, aber dabei wird fürs Leben gelernt. „Eine ausgewogene Ernährung ist die Grundvoraussetzung, dass man körperlich den Anforderungen des Alltags gewachsen ist”, erläutert Gertrud Smets, die Leiterin des Jugendberufshilfe Stolberg.

Kostengünstig frische Produkte einzukaufen und zu wissen, wie diese zubereitet werden, wie auch die Tatsache, dass alle gemeinsam Essen, das sollen die Teilnehmer später auch ihren Kindern vermitteln. Es ist ein Gesamtkonzept, das die Jugendberufshilfe verfolgt und die Grundlage dafür bildet, dass auch Jugendliche mit schlechtem oder ganz ohne Abschluss doch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.