Jubiläum in Stolberg: Die Eisenbahnfreunde feiern ihr 50. Frühshoppen

Die Eisenbahnfreunde feiern Jubiläum : Nächster Halt ist wieder das Foyer des Hauptbahnhofs

Längst nicht nur in und um Stolberg ist der dritte Sonntag im Monat für Scharen von Eisenbahnfreunden quasi heilig. Dann nämlich lädt Roland Keller alle, die mit ihm sein Hobby teilen, ins Foyer des Hauptbahnhofs ein.

Schon lange vor dem eigentlichen Beginn um 10.30 Uhr sitzen sie zusammen, klönen und tauschen Fotos und Filme auf USB-Sticks.

Jetzt findet dieser ganz besondere Frühschoppen sein Jubiläum: Für den Sonntag, 20. Oktober, steht selbstredend ab 10.30 Uhr im Vorraum des Kupferstädter Bahnhofs die 50. Ausgabe des beliebten Treffs an. Dann sollen die Sektgläser klingen.

Stefan Danners, ein Weggefährte Roland Kellers aus Eschweiler, wird einen Bildvortrag über die so genannten „Milchkannenzüge“ halten, mit denen österreichische Eisenbahner bis um 1990 herum genau das bei jedem Halt einsammelten, was der Spitzname der Zuggattung besagt. Business as usual also, auch wenn ein goldenes Jubiläum ansteht. Zweifelsohne ist da eine frühkindliche Prägung im Spiel. „Ich bin an der Bahnstrecke von Stolberg nach Münsterbusch aufgewachsen“, sagt Roland Keller.

Und der heute 59-Jährige, im Zivilberuf Sachbearbeiter bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn, erinnert sich genauer: „Vier bis fünf Mal kamen da die Güterzüge zur Zinkhütte hoch gedampft. Das konnte ich aus dem Wohnzimmerfenster sehen.“

Diesem Hobby – es ist nicht sein einziges – ging Keller „lange Zeit relativ vereinzelt“ nach. Aber dennoch war es eine relativ intensive Zeit für ihn: „In den 70ern und 80ern hat die Deutsche Bundesbahn sich nach und nach aus der Fläche zurückgezogen.“ Die letzten Schienenbusse auf der Strecke von Stolberg nach Herzogenrath, auf der heute die Dieseltriebwagen der Euregiobahn verkehren, der Betrieb zwischen Mariagrube und der Grube Emil Mayrisch in Siersdorf oder der Verkehr Richtung Eschweiler Talbahnhof und weiter über Weisweiler und Frenz nach Jülich: Das alles und noch mehr ist für den Eisenbahnfreund noch immer so, als wäre erst gerade vorbeigegangen.

Dabei hat sich Keller immer weiter entwickelt. Zum einen durch das Internet: Das hat ihm geholfen, sich immer weiter – auch über die Region hinaus – zu vernetzen. Dass es dann irgendwann – genauer am 15. März 2015 – zum ersten Frühschoppen kam. „Damit dieses Netzwerk auch fassbar eine Form bekam.“

Das Angebot findet inzwischen über die engere Umgebung Anklang: Arno Mürkens und seine Frau Silvia kommen zu fast jedem Termin aus dem Kreis Würselen. Klaus Wölfle, der an der Nebenbahn von Düren nach Jülich aufgewachsen ist, sogar dann und wann aus Mainz.

Auch Mitglieder des Modellbahnclubs „Spijkspoor“ aus Spijkenisse bei Rotterdam wurden schon im Foyer gesichtet – bei der Recherche für ihr Projekt „Eifelbaan“. Aber es ist auch Roland Keller selbst, der sich da entwickelt hat. „Meine frühe Begeisterung war die für das, was mich umgeben hat“, philosophiert der Sachbearbeiter, der nie ohne eine kleine Digitalkamera in der Tasche zu seinem Arbeitsplatz fährt.

Das hat sich dann während der Epoche des Niedergangs der Bahn im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts geändert: „Damals habe ich angefangen, nach Spuren zu suchen.“ „Noch mal hinfahren, bevor es verschwindet“, sei zu jener Zeit seine Devise gewesen. Er erinnert sich an den ehemaligen Jülicher Kreisbahnhof, der inzwischen schon wieder seit Jahren verschwunden ist. Trotzdem hat der Stolberger nie den Blick für Zukunft und Gegenwart verloren.

Zum einen hält er mit der Kamera alles am Rand der Strecke von Stolberg über Köln nach Bonn fest, was ihm Tag für Tag bei seiner Pendlerfahrt begegnet, und stellt es in das „Tagebuch“ auf seiner Website ein.

Dessen ungeachtet sieht Keller viele Entwicklungen zugunsten des Schienenverkehrs sehr positiv: „Wir leben in einer Zeit, wo es viele Impulse gibt, Strecken wieder zu beleben“, sagt Keller und zeigt Bilder von den Freischneide-Arbeiten rund um den Bahnhof Mariagrube bei Alsdorf, erinnert aber auch an die Wiederertüchtigung der einstigen DB-Strecken von Düren nach Linnich und Heimbach durch die Rurtalbahn.

Auch von dem Infrastruktur-Unternehmen Euregio Verkehrsschienennetz (EVS) hat der Organisator eine gute Meinung: „Das ist ein Unternehmen, das den lokalen Güterverkehr stark vorantreibt.“ Das Unternehmen Frühschoppen sieht Roland Keller am liebsten von seiner Person losgelöst, auch wenn er es ist, der die Zusammenkünfte prägt. „Es kann nur davon leben, dass alle Material mitbringen“, betont er, und verweist auf seine Mitstreiter Dietrich Nikel und Stefan Danners, die mit eigenen Bildvorträgen Themen setzen.

Eine Jahresplanung oder ähnliche Formen von Konzepten gebe es nicht: Für das „lockere Zusammensein von Eisenbahnfreunden“ sei vielmehr etwas Anderes gefragt – die „Flexibilität, auch mal ein anderes Thema aufzugreifen“. Die vornehmlich regionalen Themen sollen den Zuhörern aus der Region helfen, „Mehrwert mit nach Hause zu nehmen“ – egal ob es um die 40. Wiederkehr des Dampflok-Abschiedsfestes anno 1976 im Bahnbetriebswerk Stolberg, Strecken um Prüm in der Westeifel oder die Werksbahnen der Stadt geht.

Im Übrigen macht das Hobby Eisenbahn auch vor der Wohnung von Roland Keller Halt. Gleisstücke von 1869, Signalflügel und andere Erinnerungsstücke – die Leidenschaft für das, was sich auf Gleisen bewegt, macht so schnell nicht Halt. Zeugnisse der Industrie- und Technikgeschichte, Architektur: Für die und andere Monumente kann sich Roland Keller dann doch erwärmen, selbst wenn sie nicht über Schienen rollen.

Mehr Informationen gibt es auf der Internetseite der Eisenbahnfreunde. [Link auf http://www.eisenbahn-stolberg.de]

(chh)
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