Stolberg: Jobeinstieg finden trotz Sprachproblem

Stolberg: Jobeinstieg finden trotz Sprachproblem

Nein, es geht mitnichten nur darum, neue Arbeitkräfte für den Putzfrauenmarkt auszubilden. Auch wenn Gebäudereinigung durchaus auf der Liste der Perspektiven steht, die Frauen aus den Stadtteilen Donnerberg, Atsch, Münsterbusch sowie Ober- und Unterstolberg aufgezeigt werden.

Doch das Projekt „Starke Frauen in die erste Reihe!” des Stadtteilbetriebs Velau/Auf der Mühle will den Teilnehmerinnen weit mehr Möglichkeiten für einen Einstieg oder Wiedereinstieg ins Berufsleben bieten.

Derzeit sind es mehr als 20 Frauen, die sich mit dem von der Low-tec gGmbH betreuten Projekt zurzeit auf den Weg zurück oder erstmals in den Beruf in Deutschland machen. Die Mehrzahl der Teilnehmerinnen sind Zuwanderinnen. „Viele der Frauen kommen aus der Türkei”, sagt der Stadtteilmanager Dr. Wolfgang Joußen, doch auch aus Syrien, Sri Lanka oder Marokko stammen einige der Teilnehmerinnen, unter denen aber auch deutsche Frauen sind.

Gemeinsam erarbeiten sie in einer Art Lern-Firma, wie Dienstleistungen im Stadtteil rund ums Haus angeboten werden könnten. Dazu braucht man nicht nur Fachkenntnisse, wichtig ist vor allem auch, dass man sich in der deutschen Sprache einigermaßen zurecht findet und auch weiß, worauf es in der Dienstleistungsbranche sonst noch ankommt.

Sprache ist eine Hemmschwelle

Gerade die Sprache ist für viele der Migrantinnen eine Hemmschwelle, weiß der Stadtteilmanager. Das hat ihm auch die Projektleiterin der Low-tec Anna Zeien, bestätigt. „Einige kamen und haben gesagt, sie könnten nicht viel Deutsch”, gibt Joußen eine Erfahrung der Projektleiterin wider, die er selbst auch schon gemacht. „Später ist man dann sehr erstaunt, wie gut sie es können.”

Gerade Gruppen wie die des „Stärken vor Ort-Projektes” seien geschützte Räume, in denen sich Teilnehmer eher zu sprechen trauen und weniger Angst davor haben, Fehler zu machen. Darüber hinaus gibt es interessante Angebote wie „Erste Schritte am Computer”, „Eigene Haushaltsplanung und Finanzen”, „Eigene Ziele setzen und durchführen”, „Gespräche mit offiziellen Stellen führen” sowie „Kommunikation und Körpersprache”.

Gelernt wird nicht nur im Low-tec Stadtteilbetrieb Velau/Auf der Mühle. Bestandteil des Lernprogramms sind auch Besuche bei verschiedenen Einrichtungen in Stolberg. „Viele Frauen kennen ihre Stadt nur vom Hörensagen”, sagt Anna Zeien, und auch Dr. Wolfgang Joußen kennt das Problem: „Die Institutionen- und Ortskenntnisse sind oft nicht die besten”, sagt der Stadtteilmanager, das gerade in diesem Bereich Nachholbedarf herrscht.

Wichtig ist den Projektmachern daher, sich mit den Frauen gemeinsam auf den Weg zu machen, um in Stolberg möglichst viele Stellen und Personen kennen zu lernen, die ihnen Hilfe in verschiedenen Lebensbereichen bieten können.

Die nächste Exkursion führt deshalb zur AOK Stolberg. Für diesen Besuch am Donnerstag, 28. Oktober, 10 bis 12 Uhr, können sich auch noch Frauen anmelden, um sich dort zum Thema „Arbeit und Gesundheit” zu informieren.

Das Projekt, dass seit April läuft, ist nämlich immer offen für neue Teilnehmerinnen. Grund ist die offene und flexible Kursstruktur, die den Teilnehmerinnen auch eine Vereinbarkeit mit der Familie ermöglichen soll. Zudem, so Joußen, kommen die Frauen auch mit ganz unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen, zum Beispiel was Sprachkenntnisse oder Berufserfahrung angeht. „Deshalb gibt es neben dem gemeinsamen Kursangebot auch Einzelcoachings.”

Eine erste Teilnehmerin des Projekts konnte bereits in ein „richtiges” Dienstleistungsunternehmen im Bereich Gebäudereinigung vermittelt werden. „Vielleicht ist dies ja ein Anreiz für weitere Frauen, im Projekt mitzumachen” hofft Anna Zeien auf weitere Teilnehmerinnen.

Dabei muss es eben nicht nur Gebäudereinigung sein. „Die Angebote gehen auch in Richtung Seniorenarbeit und Hauswirtschaft, ebenso wie Handel und Handwerk”, sagt Joußen. So habe eine der Frauen gute Chancen auf einen Berufsstart als Schneiderin. Und was die Seniorenarbeit angeht, so bestehe gerade in einer Stadt wie Stolberg mit vielen älter werdenden Zuwanderern schon bald ein erheblicher Bedarf an Arbeitskräften, die idealerweise auch Migrationserfahrung haben, so Joußen.

Ganz unverbindlich vorbeischauen können Frauen jeden Donnerstag zwischen 9 und 12 Uhr im Job-Café im Stadtteilbetrieb, Eschweiler Straße 58a, 02402/9977312. Vielleicht ein guter Start ins Arbeitsleben.