Stolbärsch: Jetzt ist in Stolberg Kurt II. am Drücker

Stolbärsch: Jetzt ist in Stolberg Kurt II. am Drücker

Strahlender Sonnenschein lacht und wärmt die Stolberger Narrenschar. Wird ab 11.11 Uhr noch im närrischen Kollegenkreise zünftig gefeiert, lockt von der Mittagsstunde an der Alter Markt. Stolbergs „Karamba Männcher“ sorgen in bewährter Manier für beste Laune, Mitsing- und Schunkelstimmung.

Und so ist der malerische Platz im Herzen der Kupferstadt bestens gefüllt, als die Gesellschaften des Komitees nebst den Vichter Lehmjöresen aufmarschieren. Zuerst die Prinzessinnen Noelia I. (Willhardt Zorrilla) von der KG Büsbach und Charlotte I. (Claßen) von der KG Erste Große erklettern die Bühne bevor Stolbergs Prinz Kurt II. (Schiffer) mit seinem großen Hofstaat unter dem Jubel des Publikums folgt — gewohnt launig moderiet von der Komitee-Spitze Josef Behlau und Michael Bartz.

Ach hätte die Redaktion nur immer so viele lustige und fachkundige Mitarbeiter in der fünften Jahreszeit: Prinzengarde, Tollität Kurt II. und sein Hofstaat stärken sich noch einmal für die Schlüsselübergabe.

Dort erwarten bereits den Narrensturm das junge Rathaus-Dreigestirn in Frack, aber ohne Zylinder: Bürgermeister Tim Grüttemeier mit den Beigeordneten Tobias Röhm und Robert Voigtsberger. Den Kulturdezernenten nimmt Behlau gleich beim Wort ob seines Interviews in unserer Zeitung. „Du hast versprochen, den Karneval zu unterstützen“, spielt der Präsident des Komitees auf die stets leeren Kassen an: „Darauf zählen wir nächstes Jahr.“

Jecke Narren und echte Fans sind bunt kostümiert: Beste Stimmung herrschte unter dem Narrenvolk auf dem Alter Markt.

Doch so schnell, wie Behlau sich das dann vorstellt, will sich der noch frische Bürgermeister von seinem erst vor kurzem errungenen Stadtschlüssel nicht trennen. Den Vortritt überlässt Tim Grüttemeier aber zuerst bereitwillig den beiden Kinderprinzessinnen Noelia I. und Charlotte I., nachdem diese viel Applaus für ihre Reden bekommen haben. Sie erhalten die traditionellen Stadtschlüssel als überdimensionale Printe.

Bevor jedoch Kurt II. den großen Messingschlüssel ergattern kann, ist sein Einsatz eingefordert. Kein Problem für die beliebte Tollität. Getreu ihrem Motto „los mer fiere, net lamentiere“ legt er mit seinem Hofstaat los und treibt das Stimmungsbarometer mit bekannten Karnevalsmelodien weiter in die Höhe. Die Zugabe ist natürlich Pflicht. Das überzeugt dann auch den zögernden Bürgermeister, der nun gefügig den Stadtschlüssel sowie die Beigeordneten Grill-Utensilien für den Prinzen, Blumen für die Gattin und Els für die Garde überreichen — „in der Hoffnung Aschermittwoch den Schlüssel einer dann schuldenfreien Stadt zurückzubekommen“, meint an dem Nachmittag noch Grüttemeier.

Doch da wird er sich wohl getäuscht haben. Tollität schließt nicht aus, dass auch noch „der ein oder andere Deckel offen“ bleiben könnte. Damit nicht genug, denn der Komitee-Präsident gibt dem Stadtoberhaupt mit auf den Weg, in der kommenden Session ein ebenso tolle Programm auf die Beine zu stellen wie der Hofstaat. „Ich habe da schon eine Zusage gehört“, sagt Behlau und verabschiedet sich als Komiteepräsident, während die Garden zu den Klängen der „Rumms- und Bummskapelle Bloß mich jet“ vom Platz ab und in Kneipen und Festzelt marschieren, wo mit den jecken Stolbergern noch bis in den Morgen zünftig gefeiert wird — friedlich jedenfalls bis zum Redaktionsschluss.

Zuvor hatten sich Prinzengarde, Tollität Kurt II. und der gesamte Hofstaat bei ihrer Tour durch die Innenstadt in der Redaktion bei hausgemachtem Eintopf und original Ketschenburger Bier gestärkt. Hier an heimischer Stätte des prinzlichen Vorvorgängers kam‘s auch zu einem besonderen Gipfeltreffen: Zwischen der Session von Kurt I. (Leufgens) und der aktuellen von Kurt II. (Schiffer) liegen satte 49 Jahre. Doch loss mer net lamentiere, sondern loss mer jetzt mä nur noch fiere.....

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