Stolberg: Jetzt gibt es ausreichend Bauland in Werth

Stolberg: Jetzt gibt es ausreichend Bauland in Werth

Im Mittelpunkt des Dorfes steht die Kirche. Die alte Schule dient Vereinen als Heim. Friedhof, Feuerwehr und Taxi-Zentrale zählen zur Infrastruktur, und die Sparkasse hält zwei Mal in der Woche mit ihrer mobilen Geschäftsstelle für eine gute Stunde. Ansonsten hat Werth mit seinen etwa 1000 Einwohnern vor allem eins zu bieten: viel Platz zum Bauen.

Auch fast zehn Jahre nach seiner Rechtskraft sind „die meisten Bauflächen ungenutzt und die Nachfrage ist eher gering”, konstatiert Fachbereichsleiter Andreas Pick­hardt. Die Stadt selbst bietet in dem Neubaugebiet am Luisenweg Grundstücke feil, wo bislang kaum eine Handvoll Einfamilienhäuser errichtet wurden. Auch an der Mausbacher Straße würde das Liegenschaftsamt gerne Bauland verkaufen.

„Darüber hinaus stehen weitere Baulücken zur Verfügung, so dass eine dem Ortsbild angemessene Weiterentwicklung auf absehbare Zeit gewährleistet ist”, sagt Pickhardt. „Ein Bedarf an zusätzlichen Bauflächen in Werth kann nicht festgestellt werden”.

Deshalb rät der städtische Planungschef dem Ausschuss für Stadtentwicklung für seine Sitzung am 19\. April auch „auf unbestimmte Zeit” davon ab, die Satzung um einen etwa 2000 Quadratmeter großen Bereich an der Dorfstraße zu erweitern, mit der der Rat 1995 die Grenze der im Zusammenhang bebauten Ortslage für Werth definiert hat.

Dort möchte der Grundeigentümer quasi gegenüber des leeren Neubaugebietes „maximal drei Einfamilienhäuser” errichten, wobei Auswirkungen auf Arten-, Landschafts- und Immissionsschutz geprüft werden müssten. Die Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet, eine Reihe aus Linden und Weißdornhecke gelten als geschützte Landschaftsbestandteile, und der Regionalplan weist den Bereich als „Freiraum und Agrarbereich” aus. Wollte die Verwaltung im vergangenen Herbst noch gemäß dem Wunsch des Eigentümers die Dorfsatzung anpassen, so rät sie heute dem Ausschuss ab. Vor allem aus monetären Gründen.

Zwar erklärte sich der Eigentümer bereit, die Kosten der Stadt für Planung und erforderliche Gutachten zu übernehmen. Gleichwohl beauftragte der Ausschuss die Verwaltung zu prüfen, in wie weit das Vorhaben mit einem Grundsatzbeschluss des Rates aus dem Jahr 2003 vereinbar sei: „Satzungsbeschlüsse, die bisher nicht bebaubare Flächen zu Wohnbauland machen, werden gefasst, wenn der Ersatz der städtischen Aufwendungen gesichert ist.” Dies stelle die Stadt seitdem durch einen Zwischenerwerb solcher Grundstücke sicher, erklärt Pickhardt.

Sie kauft also das erwartete Bauland an und verkauft es unter Aufschlag der entstandenen Kosten weiter. Doch in diesem Fall hat die Verwaltung „kein Interesse” an einem solchen Zwischenerwerb, „da aufgrund der Nachfrage in Werth ein Investitions- und Vermarktungsrisiko gesehen wird”, erklärt Pickhardt. Weil sich eben die Grundstücke im gegenüberliegenden Neubaugebiet nur schleppend vermarkten lassen und ausreichend Baulücken im Dorf vorhanden sind.

Darüber hinaus erkennt die Verwaltung heute „Eingriffe und potenzielle Beeinträchtigungen des Orts- und Landschaftsbildes” und hält den „planerischen, personellen und wirtschaftlichen Aufwand” für die Satzungsänderung unverhältnismäßig. Dies laufe dem „Grundsatz des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden sowie originären Aufgaben städtebaulicher Planung zuwider”.

Selbst wenn das Planungsamt einmal von den Zielen der Raumordnung und der Darstellung Werths im Regionalplan als Freiraum- und Agrarbereich absehe, dann ist es heute „grundsätzlich fraglich, ob in kleineren Orten ohne eigene Infrastruktur eine Siedlungsentwicklung betrieben werden sollte”, die über den aus dem Dorf entwachsenden Bedarf hinaus gehe, so Pickhardt weiter.

Dann solle man doch bitte die städtebauliche Entwicklung auf das „Stadtzentrum sowie größere Orte mit eigener Infrastruktur” fokussieren. Und die begrenzten Personalressourcen in der Verwaltung könnten dann auch auf wirklich „bedeutsame Projekte konzentriert” werden.