Konzert in der Burg: Jazz und Blues sorgen für gute Laune

Konzert in der Burg : Jazz und Blues sorgen für gute Laune

„New Orleans ist bunt und ein kultureller Schmelztiegel. Es ist hier heiß und nass, denn die Luftfeuchtigkeit ist hoch“, so Dr. Klaus Lumma am Sonntagnachmittag im Rittersaal der Stolberger Burg. „Die Menschen hier prägten den Jazz und den Blues. Und zum Mardi Gras, zur Karnevalszeit, herrscht in der Stadt jedes Jahr der Ausnahmezustand“.

Dieser herrschte nicht in Stolberg, jedoch als Dr. Frank Carpentier (Klavier), Jan Carpentier (Posaune), Dr. Klaus Lumma alias Fats von Gerolstein (Trompete) und Jan Solbach (Sousaphone) mitsamt der Rhythmusgruppe von Uwe Düppengießer loslegten, war gute Laune angesagt. Miss Melli (Gesang) und ihre Fats Jazz Cats aus der Euregio brachten den Classic und Latin Jazz melodiös und stimmungsvoll zur Geltung. Die Musiker spielten herausragend, hatten selbst sichtlich Spaß bei ihrem Tun und verkörperten den Oldtime Jazz nachhaltig.

Die klassisch-traditionelle Ära läuteten sie mit einem stilechten Beerdigungsritus ein. Der Marsch führte die Angehörigen und Freunde vom Haus des Verstorbenen zum Friedhof oder zur Kirche. Während die für die Feier engagierte Band Klagelieder und Hymnen spielte, wurde die Musik nach der Beerdigung dann ausgelassener.

Klassiker gerne gehört

Mit Louis Armstrongs Klassiker „Do you know what it means?“ betrat Miss Melli die Bühne und zog alle in den Bann. Die Melodien gingen nicht nur ins Ohr, sondern auch in die Beine, sodass einige im Saal ihren Partner zum Tanzen animierten. Immer wieder gab es Zwischenapplaus für die experimentierfreudigen Soli eines jeden Mitglieds.

Ob am Schlagzeug, Sousaphone, Klavier, Trompete, Posaune, Uwe Düppengießer, Jan Solbach, Frank Carpentier, Fats von Gerolstein und Jan Carpentier schienen verschmolzen mit ihren Instrumenten und boten ausgeklügelte Improvisationen. Ihre Wandelbarkeit von tiefen, warmen bis hin zu schrill coolen Klängen harmonierte perfekt mit der Vielschichtigkeit, die der Jazzmusik zu eigen ist.

Was viele nicht wissen ist, dass Rudi Carrells Song „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ ein Cover des Liedes „City of New Orleans“ ist und von Steve Goodman geschrieben wurde.

Nach einer kurzen Pause ging es mit karibischer Musik weiter. Sowohl afrikanische Sklaven hinterließen hier ihre Spuren wie spanische Geistliche oder die französischen, niederländischen und englischen Kolonialherren. Ihre Musik vertrieb die Sorgen und stand für große Lebensfreude.

Diese wurde mit dem Jahrhundertsturm, Hurrikan „Katrina“ im Jahr 2005 zunichte gemacht, weil er große Schäden anrichtete. Ihren Schmerz versuchen die Menschen in Bildern und Musik auszudrücken. Dr. Klaus Lumma berichtete ein wenig von seinen Erfahrungen, denn dreimal im Jahr hilft er dort den traumatisierten Opfern.

Legende vorgestellt

Zwei Auszüge aus dem neuen Literatur & Jazz Programm schlossen sich an. Der erste befasste sich mit „Novecento, die Legende vom Ozeanpianisten“, der 1900 auf dem Dampfer Virginia zwischen Europa und New York geboren wird und seine ganze Lebenszeit auf dem Dampfer verbringt und im Klavierwettstreit mit einem legendären Pianisten aus New Orleans gerät.

Der zweite Auszug handelte von dem Jazzpianisten Nardi, der irgendwann in seinem Leben das Musizieren als „brotlose Kunst“ erlebt, dann Maschinenbau studiert und ausübt und im fortgeschrittenen Alter zum Jazz zurückkehrt.

Nach dem „Girl from Ipanema“ sang Miss Melli „verbotenen“ Jazz, „entartete Musik“, für die die Nationalsozialisten in den 1930er Jahren ein Verbot ausgesprochen hatten. Dazu gehörten „Man müsste Klavier spielen können“, „Wochenend’ und Sonnenschein“, „Das gibt’s nur einmal“ und „Bei mir bist du schön“.

Trotz sommerlicher Temperaturen hatten viele Zuhörer den Weg in den Rittersaal gefunden und würdigten am Ende den Auftritt mit stehenden Ovationen. Als Dank gab es die einfühlsame Ballade „Amazing Grace“ und der Jazzstandard „When the Saints Got Marching In“.

(mlo)