St. Patrick’s Day: Irische Volksmusik bei ausgelassener Stimmung

St. Patrick’s Day : Irische Volksmusik bei ausgelassener Stimmung

Im Piano präsentierte Musiker Wolfgang Klauß traditionelle irische Lieder, während das Publikum ausgelassen in den irischen Nationaltag feierte

„Seemanns-, Kriegs-, Sauf- und Liebeslieder – eben alles, was das menschliche Leben so ausmacht.“ So beschrieb Wolfgang Klauß schmunzelnd das Repertoire, das er in der Altstadtkneipe „Piano“ zum Besten gab. Ausgestattet mit einer Sechs- und Zwölf-Saiten-Gitarre präsentierte der Musiker eigene Songs, irische Volksmusik und Hits aus den 60er-Jahren.

Als er anfing, zu spielen, herrschte im Piano noch munteres Quatschen: Die Besucher waren in irischer Feierstimmung und somit verkam die Darstellung ein wenig zur Hintergrundmusik einer ausgelassenen Feier in den irischen Nationalfeiertag St. Patrick’s Day hinein. Doch trotzdem wurde die Leistung des Künstlers nach jedem Song mit großem Applaus gewürdigt, was Klauß seinerseits mit einem „Thanks Folks!“ quittierte.

Während Klauß auf der Bühne seine Lieder spielte, wurde an der Theke ein Guinness-Bier nach dem nächsten gezapft: „Das ist der einzige Tag, an dem das Guinness beliebter ist als alle anderen Getränke“, sagte Kellnerin Teresa Conrads schmunzelnd angesichts der irischen Feierlaune der Altstadtkneipenbesucher, die sich in der Getränkewahl äußerte.

Im gewohnt proppenvollen Piano spielte der in Berlin geborene Klauß ohne Setlist: „Das mach ich alles aus dem Kopf und wenn ich merke, dass das Publikum einschläft, mach ich was Schnelleres“, verriet der Künstler im Vorfeld lachend, der unter anderem Lieder der amerikanischen Folk-Gruppe „Peter, Paul and Mary“ und des Singer-Songwriters „Townes Van Zandt“ präsentierte. Zum musikalischen Programm zählten aber auch eigene Lieder wie „Lisa’s Song“, das Klauß‘ Tochter gewidmet ist, und „From Fishguard to Rosslare“. „Fishguard ist ein Hafen in England und Rosslare das Gegenstück auf irischer Seite, zu dem ein englischer Seemann gelangen will“, erklärte Klauß den Inhalt des Lieds.

Seit zehn Jahren ist der Musiker in Stolberg beheimatet und feierte im September vergangenen Jahres 40 Jahre Bühnenauftritte. In einer musikalischen Familie sei er aufgewachsen und auch mit Freunden und Schulkameraden habe er schon immer Musik gemacht: „Wenn wir nicht gerade Fußball gespielt und uns gekloppt haben, haben wir Musik gemacht“, sagte Klauß schmunzelnd. Der Musiker tritt schon seit einigen Jahren im Piano auf und arbeitet zurzeit beim Wetterdienst in Köln. Dort wolle er noch die letzten zwei Jahre verbringen „und dann mach ich nur noch Musik“, sagte er lachend.

Da er in den 70er Jahren oft in Irland gewesen sei, kenne er Land und Leute ziemlich gut: „Ich war immer in den Kneipen unterwegs und habe versucht, mir von den Iren und Schotten was abzugucken, also von den Schalplatten abzuhören und Texte mitzuschreiben.“ Damals habe es ja schließlich noch kein Internet gegeben.

Zu den Entwicklungen rund um das Thema Brexit hat der Wahl-Stolberger eine klare Meinung: „Man sollte die Finger weglassen von den Iren – die stehen sonst mit Terror in den Startlöchern“, stellte der Musiker angesichts einer möglichen Wiedergrenzeinführung der Republik Irland zu Nordirland fest. Er habe damals selbst erlebt, wie es gewesen sei, bei einer Grenzüberquerung wie ein Terrorist behandelt zu werden: „Dagegen war die DDR-Grenze Sonnenschein – und das haben die Iren nicht verdient“, betonte der begeisterte Singer-Songwriter.

(mepo)
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