Interview: Winfried Klütgens ist ehrenamtlicher Wortgottesdienstleiter

Interview mit Winfried Klütgens : Eine Lebenskultur im Seniorenheim schaffen

Ein Seniorenheim wird von vielen Menschen und Berufsgruppen, Betroffenen, Angehörigen und Gästen aufgesucht. Dabei wollen sie mit den Bewohnern über Gott und die Welt ins Gespräch kommen.

Damit der alte und pflegebedürftige Mensch spirituell nicht zu verdursten oder zu verhungern droht, feiern Laien unter Einbindung des zuständigen Ortspfarrers in einer zum Heim gehörenden Kapelle regelmäßig seniorengerechte Wortgottesdienste und schaffen somit eine Lebenskultur im Heim.

Einer der Laien in Stolberg für derartige Gottesdienste ist Winfried Klütgens. Neben der Befähigung zum Wortgottesdienstleiter durch bischöfliche Beauftragung unterstützt Klütgens den Pfarrer im Bestattungsdienst. Was seine Motivation ist und welche anderen Aufgaben damit verbunden sind, hat er im Interview mit Marie-Luise Otten erzählt.

In Stolberg kennt man sie seit Jahren als Küster an St. Josef (2009-2017), in Herz-Jesu und in Hermann-Josef (seit 1992). Welche Aufgaben fallen Ihnen durch die bischöfliche Beauftragung zu?

Winfried Klüttgens: Die pastorale Situation erfordert in unserer Gemeinde einen verstärkten Einsatz qualifizierter Frauen und Männer im Ehrenamt für liturgische Dienste. Ob Kommunionhelfer, Lektor oder Gottesdienstbeauftragter, durch Taufe und Firmung ist jeder berufen, in verschiedenen Diensten im öffentlichen Leben der Pfarrgemeinde mitzuwirken. Beim Wortgottesdienst stehen die Schriftlesungen und ihre Auslegung im Mittelpunkt. Bei den Trauerfeiern in der Kirche oder in den Friedhofshallen im Großraum Stolberg liegt der Schwerpunkt auf der Trauerrede.

Gibt es für die Leitung der Wortgottesdienste und Trauerfeiern eine spezielle Ausbildung?

Klütgens: Ja, selbstverständlich. Eine Anzahl von Kurse und Seminare sind zu besuchen.

Um was zu lernen?

Klütgens: Die liturgische Grundordnung, den Aufbau der Wort-Gottes-Feier, Formen der Feier, Materialien kennenzulernen und so weiter.

Wie bereiten Sie sich zum Beispiel auf eine Trauerrede vor?

Klütgens: Ich besuche die Angehörigen, um mir ein Bild von dem Verstorbenen zu machen. Ich halte die wichtigsten Aspekte in Stichpunkten fest und trage die Inhalte dann zusammen. Dies kommt immer gut an, auch weil ich die Sprache der Menschen spreche.

Wer sich für dieses Ehrenamt interessiert, wo kann man sich dafür bewerben?

Klütgens: Ansprechpartner in Stolberg ist Pfarrer Funken oder das Pfarrbüro.

Welche Voraussetzungen sind für diese Beauftragung nötig?

Klütgens: Es ist wichtig, den Glauben zu leben, am Gemeindeleben teilzunehmen und Interesse am Menschen zu haben.

Was war Ihre Motivation?

Klütgens: Die Freude am Glauben und Kirche leben, also den persönlichen Glauben in den Alltag umzusetzen.

Welche Arbeiten sind sonst noch damit verbunden?

Klütgens: Der Gottesdienst will gestaltet sein, der Altar muss dekoriert werden und alles soll ordentlich und sauber sein.

Was ist Ihnen besonders wichtig bei Ihrem Tun?

Klütgens: Die Arbeit muss Freude machen, die Mitmenschlichkeit ist mir wichtig und der Kontakt zum alten Menschen.

Ist jeder Wortgottesdienst gleich?

Klütgens: Nein, ich passe mich da schon an den Jahreskreis an. Es sind eher Ideengottesdienste. Im Oktober stand der Rosenkranz im Mittelpunkt, im November sind es die Heiligen und im Dezember der Advent.

Wie sieht es mit Musik bei Wortgottesdiensten aus?

Klütgens: Seit einem Jahr unterstützt mich Hanni Grawinkel. Sie ist Küsterin und spielt Orgel im Dekanat-Süd und einmal in der Woche bei mir. Wir verstehen uns gut, denn die Chemie stimmt.

Wie ist der Zuspruch von Seiten der Besucher?

Klütgens: Anfangs waren es nur wenige, aber mittlerweile können wir durchschnittlich mit zwanzig Besuchern rechnen. Aber jeder anderer außerhalb des Seniorenwohnzentrums ist auch herzlich willkommen.

Wann finden die Wortgottesdienste denn statt?

Klütgens: Wöchentlich donnerstags um 16 Uhr im Seniorenwohn- und Sozialzentrum Stolberg „Auf der Liester 30“.

Gibt es besondere Erlebnisse bei so einem Wortgottesdienst?

Klütgens: Uns freut besonders, wenn Menschen, die erst dem Gottesdienst noch fremd gegenüberstehen, plötzlich anfangen, mitzubeten oder mitzusingen. Für uns ist dies ein Zeichen, dass sie noch am Leben teilnehmen. Denn geschwisterliche Kirche, die sich als weltweite Gemeinschaft von Gleichberechtigten auf dem Weg begreift, feiert miteinander und füreinander.

Sind Sie so etwas wie eine kleine christliche Gemeinschaft?

Klütgens: Ja, so kann man es sehen. Wir leben als Kirche im Kleinen in einer Gemeinschaft von Gemeinschaften. Das macht die Kirche glaubwürdig und authentisch. Die Menschen beten nicht nur und singen miteinander. Nach dem Wortgottesdienst besteht immer noch die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. Die Menschen kümmern sich umeinander und erleben sich als eine große Familie. Das prägt und hilft gegen die Einsamkeit.