Stolberg: Integrationskurs an der VHS: Erster Schritt in ein neues Leben

Stolberg: Integrationskurs an der VHS: Erster Schritt in ein neues Leben

Stolz hält Tabita Pop das Zeugnis in ihren Händen. Immer wieder schaut sie sich an, wie viele Punkte sie erreicht hat. „Den ersten Schritt habe ich geschafft“, sagt sie und fügt hinzu: „Aber es liegt noch ein weiter Weg vor mir.“

Tabita Pop lebt erst seit eineinhalb Jahren in Stolberg. Geboren wurde sie in Rumänien. Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern verließ sie jedoch 2014 ihre Heimat. „Hier haben wir mehr Möglichkeiten, uns stehen alle Türen offen“, sagt sie. Das Ziel der 40-Jährigen: Sie will in ihrer neuen Heimat Fuß fassen und wieder in ihrem alten Job arbeiten — als Apothekenhelferin.

Die Teilnehmer des Integrationskurses für Zuwanderer erhielten nun von Bürgermeister Tim Grüttemeier (8.v.l.) ihre Zeugnisse.

Den Grundstein für ihren großen Traum hat sie in den vergangenen sechs Monaten gelegt. Gemeinsam mit 21 weiteren Teilnehmern hat sie an der Volkshochschule (VHS) Stolberg einen Deutschkurs Level B1 sowie einen Einbürgerungskurs abgeschlossen (siehe Box). Tag für Tag drückte sie vier Stunden die Schulbank. Doch nicht nur zahlreiche neue Vokabeln und eine komplizierte Grammatik standen auf dem Stundenplan. Die Schüler lernten auch allerhand Wissenswertes zu Kultur, Regierung und Werten in Deutschland.

Freuen sich sehr über ihr Zeugnis: Tabita Pop (links) und Vincenzo Tedesco.

Dass dies nicht immer einfach war, weiß Vincenzo Tedesco zu berichten. Ursprünglich stammt der 41-Jährige aus Italien. Vor 16 Monaten kamen er und seine Frau — eine gebürtige Stolbergerin — nach Deutschland. Zuvor hatte der Italiener 15 Jahre lang als Flughafen-Manager am Londoner Flughafen gearbeitet und mit Frau und Sohn in der britischen Hauptstadt gelebt. Warum er dieser im Jahr 2014 den Rücken kehrte? „Hier gibt es ein Familienleben. Hier wohnen wir mit Oma und Opa zusammen. In London hatten wir keine Familie“, sagt er.

Vincenzo Tedesco hat in einem kleinen Stolberger Unternehmen bereits einen Minijob gefunden. Bis zu drei Mal in der Woche repariert er Sofas oder flickt Gegenstände, die mit Leder bezogen sind. „Das ist gut für meine Sprache“, sagt er. Dann kann ich auch während der Arbeit Deutsch sprechen und noch mehr lernen“, sagt er.

Auch er würde gerne wieder in seinem alten Beruf arbeiten. „Ich liebe meinen Beruf, aber ich weiß auch, dass ich dafür die Sprache beherrschen muss“, sagt er. Und diese sei nicht immer leicht zu handhaben. „Die Grammatik ist richtig schwer. Am Anfang habe ich gar nicht verstanden, was eigentlich ein Akkusativ ist“, sagt er und lacht. Mittlerweile hat sich das allerdings geändert. „Ich spreche jetzt Italienisch, Englisch und Deutsch, das ist doch toll“, findet der 41-Jährige.

Stolz sind nicht nur die Kursteilnehmer, sondern auch Elfriede Lechthaler, Leiterin der Stolberger VHS und zuständig für den Fachbereich Deutsch. „Der Kurs bestand aus guten und schnellen Lernern“, sagt sie. Der Kurs, an dem Tabita Pop und Vincenzo Tedesco teilnahmen, ist der 61. seiner Art an der Stolberger VHS. „Wir haben schon eine Menge geschafft“, sagt Lechthaler. Sie weiß jedoch, dass in Zukunft noch mehr Arbeit auf sie und ihre Mitarbeiter zukommen wird. „In den kommenden Wochen und Monaten starten auch Kurse mit Flüchtlingen aus Syrien“, sagt sie.

Der erfolgreiche Abschluss eines Sprachkurses sei unter anderem die Voraussetzung für einen unbefristeten Aufenthalt in Deutschland und genau dieser werde von zahlreichen Teilnehmern auch angestrebt. „Diese Tests sind die Eintrittskarte in ein neues Leben. Oft kommen die Teilnehmer aus Ländern, in denen vieles nicht gut funktioniert. Deshalb sind sie nach Deutschland gekommen“, sagt Elfriede Lechthaler. Wer Sprach- und Integrationskurs erfolgreich abgeschlossen habe, könne sich auf die Suche nach einer Ausbildung oder einem Job machen.

Aus 13 Nationen stammen die Absolventen, unter anderem kommen die Teilnehmer aus Marokko, Russland, Mazedonien, Rumänien, Italien und dem Kosovo kommen. „Es haben sich alle Teilnehmer gut verstanden und es herrschte die ganze Zeit über auch eine harmonische Atmosphäre“, macht Claudine Périgault deutlich.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Elfina Ait El Haj unterrichtete sie die fleißigen Schüler und war mit der Leistung ihrer Schützlinge mehr als zufrieden. „Ich bin wirklich stolz auf euch. Es war schön mit euch zu arbeiten“, sagt sie im Rahmen der kleinen Feierstunde, bei der auch Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier zu Gast ist und seine Glückwünsche ausrichtet.

Vor einigen Jahren habe der Stolberger Verwaltungschef selbst in den Räumen der VHS gesessen und an einem Spanisch-Kurs teilgenommen. „Das hat nicht wirklich funktioniert. deshalb habe ich den größten Respekt vor dem, was Sie geleistet haben und möchte Sie dazu ermutigen weiter zu machen“, sagt er.

Den Teilnehmern hat der Unterricht Spaß gemacht. „Ohne unsere Lehrer hätten wir das aber nicht geschafft“, sagt Tabita Pop. Sie wird bereits in wenigen Wochen wieder die Schulbank drücken. Im Aufbaukurs will sie ihre Sprachfähigkeit vertiefen und noch weiter ausbauen. „Damit ich bald so richtig gut bin“, sagt sie.