Stolberg-Breinigerberg: Inklusiver Jugendtreff: Ein wichtiges Sprungbrett

Stolberg-Breinigerberg: Inklusiver Jugendtreff: Ein wichtiges Sprungbrett

So viele junge Menschen haben sich in der Alten Schule schon lange nicht mehr versammelt. Die Billardkugeln rollen über den Tisch, am Kicker bahnt sich ein Turnier an, aus der hinteren Ecke ertönt lautes Lachen. Ein Rundgang durch die muntere Menge zeigt: Der neue offene Jugendtreff am Breiniger Berg hat einen Nerv getroffen. Und zumindest seine Eröffnungsfeier kann getrost als Erfolg verbucht werden.

Jugendtreffs verschiedener Art gab es in Stolberg natürlich bereits. Auch in den Räumen der Alten Schule. Neu ist jetzt, dass sich der Treff der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung (Kokobe) das Schlagwort „inklusiv“ auf die Fahne schreibt.

Die Eschweiler Band Rasselbande sorgt bei der Eröffnung für die musikalische Begleitung. Foto: A. Kasties

Die Idee stammt von Kokobe-Mitarbeiterin Tina Elsen und Michael Bosseler vom Stolberger Jugendamt. Ziel ist, das Freizeitangebot für Menschen mit Behinderung in der Kupferstadt auszubauen. Insbesondere für Jugendliche habe es ein ähnliches Angebot in der Kupferstadt noch nicht gegeben, betonte die Sozialarbeiterin Elsen.

Berührungsängste

Ob das Adjektiv „inklusiv“ auf dem Flyer für den neuen Jugendtreff überhaupt nötig sei, habe er sich schon gefragt, gesteht Jugendpfleger Bosseler. Schließlich sollte Inklusion längst gelebt sein. Die Realität sehe aber oft anders aus. „Es gibt immer noch Berührungsängste. Deshalb braucht man einen gewissen Appell. Allein kommt das Thema Inklusion nicht ins Rollen“, sagt Bosseler und ergänzt: „Wir wollen einen Experimentierraum bieten, in dem sich die Jugendlichen kennenlernen können.“

Gelegenheit hierzu hatten sie bei der feierlichen Eröffnung reichlich. Auch wenn einige Besucher das Treiben zunächst lieber noch aus der Distanz beobachten wollten. So wie der zwölfjährige André. Sein Vater hat ihn und seinen Zwillingsbruder zum Kokobe-Jugendtreff geschleppt. „Die Jugend soll mal wieder etwas machen. Manche der Jungs sind sehr kontaktarm“, lautet die Begründung.

Leicht skeptisch, aber dennoch interessiert beobachtet André wie die Rasselbande, die Band des Wohnheims für Menschen mit Behinderung an der Odilienstraße in Eschweiler, ihre Instrumente aufbaut. „Wir gucken uns das jetzt erst einmal an. Aber auf den ersten Blick sieht das schon gut aus, es könnte vielleicht ein paar mehr Spiele geben“, sagt der Zwölfjährige. Dass der Jugendtreff inklusiv ist, findet er gut. „Jeder Mensch ist doch irgendwie gleich, ob mit oder ohne Behinderung. Schließlich habe ich auch eine Behinderung.“

Ähnlich sieht das der 31-jährige Stefan. „Hier kann man sich endlich mal nach der Arbeit ein wenig austoben“, sagt er. In Stolberg gibt es seiner Meinung nach zu wenig Angebote für Menschen mit Handicap. Umso mehr freue er sich über den neuen Kokobe-Treff, auch wenn er vom Alter her nicht ganz der Zielgruppe entspreche. Den Billardtisch haben seine Freunde und er bereits eingeweiht. Den Tipp vom neuen Kokobe-Treff erhielten sie von der Betreuerin seiner Freundin.

Startschuss

Tina Elsen und Michael Bosseler hoffen nun, dass der Jugendtreff auch in den kommenden Wochen so viele Besucher anlockt. „Mit so einem Startschuss kommen gute Dinge ins Rollen“, ist sich Bosseler sicher. Auch Theresa Peltzer von der Caritas Lebenshilfe, die sich bei der Betreuung der Jugendlichen mit Rita Fehr vom Stolberger Agnesheim abwechselt, sieht den Treff als wichtiges Sprungbrett. „Viele unserer Klienten haben kaum Freunde ohne Handicap. Beim Thema Inklusion muss sich also noch viel tun.“