In Zweifall muss die Wahl des Kirchenvorstands wiederholt werden

Ungültiges Votum : Warum muss die Kirchenvorstands-Wahl wiederholt werden?

Wer in diesen Tagen einen Blick in den Schaukasten der Kirche St. Rochus in Zweifall wirft, sieht dort eine ganze Menge. Aber erst auf den zweiten Blick – oder besser gesagt beim Blick auf die Rückseite des Schaukastens – fällt dem Betrachter noch etwas ins Auge.

„Wegen der verfrühten Schließung des Wahllokals wurde die Kirchenvorstandswahl vom 8./9. Dezember 2018 für ungültig erklärt. Sie wird am Samstag/Sonntag, dem 28./29. September 2019 nachgeholt“ ist dort zu lesen. Ein einfacher Satz, hinter dem sich allerdings eine interessante Geschichte verbirgt. Dafür ist ein kleiner Rückblick ins Jahr 2018 nötig.

Wir schreiben den Monat November. Eigentlich sollten die Kirchenvorstandswahlen im Bistum Aachen am Wochenende 17. und 18. November durchgeführt werden – natürlich auch in Zweifall. Doch der erste Termin konnte nicht eingehalten werden. Der Grund dafür: Einer der Kandidaten stand nicht auf der Wahlliste. Nämlich Heinrich Lentfort. Er wollte kandidieren, doch seine Kandidatur wurde nicht berücksichtigt. Lentfort legte Beschwerde ein und erreichte, dass die Wahl verschoben wurde. Am zweiten Adventswochenende – also am 8. und 9. Dezember – sollte diese nun stattfinden. Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner ahnen sollte: Diese Wahl würde zu einem späteren Zeitpunkt für ungültig erklärt. Doch dazu später mehr.

Ortswechsel. Nicht nur in Stolberg, sondern auch in Aachen hatte es vergangenen November eine „Panne“ bei den Kirchenvorstandswahlen gegeben. Die Wahlen in der Gemeinschaft der Gemeinden Franziska von Aachen wurden nämlich kurzfristig abgesagt. Dort gab es damals allerdings ein ganz anderes Problem. Was geschehen war? Nur wenige Tage vor der Wahl hatten einige Kandidaten aus der Gemeinde St. Andreas in der Soers – fünf von 13 Kandidatinnen und Kandidaten für den Kirchenvorstand kamen übrigens von dort – das Altenheim St. Raphael, ebenfalls in der Soers, besucht.

Dort trank man mit den Bewohnern Kaffee und aß Kuchen. Mitgebracht wurden – wenn auch offenbar nicht von den Kandidaten selber – Briefwahlunterlagen. Und am Ende wurde dann im Altenheim sogar gewählt. Recherchen unserer Zeitung ergaben damals, dass zwölf Bewohner davon Gebrauch machten. Ein höchst ungewöhnlicher Vorgang, der sich in Reihen des Kirchenvorstands dann auch schnell herumsprach. Ebenso, dass auch bei einem Konzert in St. Andreas Briefwahlunterlagen verteilt worden sein sollen.

Dabei musste man die im Pfarrbüro beantragen, und dieser Termin war bereits verstrichen. Bei der Sondersitzung des Kirchenvorstands riet dem Vernehmen nach auch der Justitiar des Bistums, Karl Dyckmans, zu einer Verschiebung der Wahl. Auf Nachfrage hieß es beim Bistum, die eigentliche Entscheidung habe der Kirchenvorstand getroffen. Von Manipulation wollte man beim Bistum jedoch nicht sprechen. Es sei um einen Formfehler gegangen, da Briefwahlunterlagen nach dem Ende der Frist herausgegeben worden seien, so Bistumssprecher Ralf Mader. Die Wahlen sollten Ende Januar nachgeholt werden.

Gemeinde ist zuständig

Zurück nach Stolberg. Dort lief die Wahl, die auf das zweite Adventswochenende verschoben worden war, zunächst ganz normal ab. Doch: Das Wahllokal wurde früher geschlossen und genau das wurde der Gemeinde zum Verhängnis. Die Wahl wurde angefochten und bislang nicht wiederholt. Auch Das Bistum bestätigte die zu frühe Schließung auf Nachfrage unserer Zeitung. Es teilte uns schriftlich mit: „Der Kirchenvorstand von St. Rochus hat die Wahl für ungültig erklärt, weil das Wahllokal vor Ablauf der Wahlzeit zu früh geschlossen wurde.“ Auf die Frage, warum es so lange gedauert habe, einen neuen Termin zu finden, hieß es weiter: „Für die Durchführung der Kirchenvorstandswahl ist grundsätzlich die Gemeinde vor Ort zuständig, in diesem Fall also die Pfarrgemeinde St. Rochus Zweifall.“

Und was sagt die Gemeinde? Pfarrer Norbert Bolz erklärte auf Nachfrage unserer Zeitung, dass es gar nicht einfach gewesen sei, einen neuen Termin zu finden. Schließlich ist die Gemeinde St. Rochus in Zweifall ein Teil der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Stolberg-Süd, und dazu gehören auch die Gemeinden in Breinig, Büsbach, Dorff, Gressenich, Mausbach, Schevenhütte, Werth und Vicht. Mit Blick auf die zahlreichen Veranstaltungen habe man sich entschieden, die Wahl nach den Sommerferien – also über neun Monate nach dem letzten Termin – stattfinden zu lassen.

Ungeklärt bleibt indes die Frage, warum das Wahllokal in Zweifall zu früh geschlossen wurde. Hinter den Kulissen wird spekuliert, dass der Adventsmarkt in im Ort besucht werden sollte. Der fand nämlich am gleichen Wochenende statt. Welcher Grund es am Ende auch gewesen sein mag, Ende September haben die Zweifaller erneut Gelegenheit, zur Wahlurne zu schreiten – diesmal vielleicht auch ohne Pannen.