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Stolberg-Breinig: In schwindelnder Höhe mit 110.000 Volt

Stolberg-Breinig : In schwindelnder Höhe mit 110.000 Volt

Flink wie Äffchen klettern die vier Industriestreicher den Strommast hinauf, der auf einer Wiese am Viehweg rund 45 Meter in den Himmel ragt. Schon vom Zusehen wird einem schwindelig. Für die vier Männer ist die Arbeit in schwindelnder Höhe nichts, was ihren Adrenalinspiegel nach oben treibt.

„Wenn man zum ersten Mal auf einen Mast klettert, ist es natürlich, dass man verkrampft und sich an jeder Querstrebe festhält. Das lässt aber schnell nach, schon nach kurzer Zeit empfindet man es als völlig normal, da oben rumzukraxeln”, erklärt Mario Heiligers, Vorarbeiter bei der „Maurice Bacci GmbH”.

Die Firma mit Sitz in Kaarst ist bundesweit im Auftrag von RWE unterwegs, gibt Hochspannungsmasten und den Masten von Überlandleitungen einen neuen Anstrich, um sie vor dem Zerfall zu schützen.

Rund um den Mast ist saugfähiges Flies ausgelegt. „Die Planen sind zum Schutz der Umwelt nötig, um die heruntertropfende Farbe aufzusaugen”, so Heiligers. Bis 1993 wurde bleihaltige Farbe für den Korrosionsschutz verwendet, seither ausschließlich Farbe ohne Bleizusatz, sagt Edith Feuerborn von Pressestelle RWE Rhein-Ruhr.

Fehler kann man sich in Höhen bis zu 100 Metern nicht leisten - und erst recht nicht, wenn 110.000 bis 380.000 Volt durch die Stromleitungen jagen.

Selbstverständlich wird der Strom abgeschaltet, je nachdem, ob die Industriestreicher im linken oder im rechten Ausleger zu tun haben. Spannungsprüfer Gerhard Neis gibt das Kommando, dass der Strom abgeschaltet ist. Er kontrolliert auch, ob die Arbeiter die Sicherheitsgurte tragen. Die Halteleinen schützen die Arbeiter vor Abstürzen, die aus solcher Höhe fast immer tödlich enden.

Vier bis fünf Stunden dauert es im Schritt, bis eine Farbschicht aufgetragen ist. Erst muss die alte Farbe sowie Vogelkot vom Mast entfernt werden, bevor die Grundierung aufgetragen werden kann, dann erfolgt der Neuanstrich.

Verzinkte Masten benötigen alle 25 Jahre einen Neuanstrich, unverzinkte brauchen bereits nach 17 Jahren einen neuen Korrosionsschutz.