Im Stadtarchiv seltene Schätze heben

Behörde stellt sich vor : Im Stadtarchiv seltene Schätze heben

Im Stadtarchiv kann man Schätze heben. Aber keine mit Gold gefüllte Schatzkiste, sondern Dokumente und Unterlagen, die für die Stadtgeschichte von großem, historischen Wert sind. Dazu zählt unter anderem auch das Steuerbuch der Unterherrschaft Stolberg aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts.

„Das Who is Who der Kupfermeistergeschichte, das aber noch einer wissenschaftlichen Auswertung bedarf“ finde sich darin, versicherte Christian Altena, der kürzlich im Saal des Kulturzentrums Frankental die Bestände und Aufgaben des Stadtarchivs vorstellte.

Der Vortrag war bereits die zehnte Veranstaltung der von der Volkshochschule und dem Stadtarchiv initiierten zwölfteiligen Reihe anlässlich des 900-jährigen Jubiläums der Kupferstadt Stolberg. Und wenn Altena das Stadtarchiv präsentiert, kann er eigene Erfahrungen und Anschauungen nutzen. Schließlich leitet der studierte Historiker seit knapp drei Jahren das im Alten Rathaus untergebrachte Archiv.

Im Mittelpunkt des Vortrages standen aber nicht nur die dortigen historischen Steuerbücher, Personenstandsregister, Zeitungssammlungen, Fotos, Pläne und Karten sowie Nachlässe und Vereinsarchive.

Der 38-Jährige erteilte auch Auskünfte darüber, wie das Stadtarchiv organisiert ist, welche Aufgaben es erfüllt und wie es von den Bürgern genutzt werden kann. So gehören zu den Aufgaben des Stadtarchivs nicht nur der Erhalt und die Sammlung von Archivalien und die Unterstützung von Forschern, sondern auch die Übernahme und Sicherung der Unterlagen der städtischen Verwaltung.

Dieses große Aufgaben- und Einsatzgebiet stellte Altena in seinem Vortrag anschaulich dar. Der Stadtarchivar unternahm per Bild einen Rundgang durch das im Keller des Alten Rathauses untergebrachte Magazin und stellte den Besuchern auch die Methoden vor, die erforderlich sind, um die historischen Unterlagen dauerhaft aufbewahren und erhalten zu können.

Schließlich werden dem Archivar Akten zur Aufbewahrung übergeben, die vor der Archivierung von eisenhaltigen Materialien befreit werden müssen. Nach dieser Entnahme werden die Unterlagen mit Fäden gebunden, erhalten neue Aktendeckel und kommen zur weiteren Aufbewahrung in säurefreie Kartons.

Über Findbücher

So genannte Findbücher erleichtern den Archivnutzern, die überwiegend aus historisch interessierten Bürgern, Genealogen, Wissenschaftlern sowie Schülern und Studenten bestehen, die Suche. Auch diese Kataloge präsentierte Altena dem Publikum per Bild.

Als der Historiker auf die Geschichte des 1979 entstandenen Archivs einging, würdigte er auch die Verdienste seines Vorgängers. „Wolfgang Machhof war der Mann der ersten Stunde. Er hat das Archiv aufgebaut, hat es über 30 Jahre geleitet und war der Hüter und Retter zahlreicher Unterlagen“, lobte Altena Vorgänger Machhof.

Nach Altenas Darstellung ist das Stadtarchiv das „Gedächtnis“ und das historische Kompetenzzentrum der Stadt Stolberg: Ein Kompetenzzentrum, das, wie der Historiker versicherte, allen Bürgern für die Erstellung von historischer Literatur und Dokumentationen sowie bau- und stadtgeschichtlichen Veröffentlichungen zur Verfügung steht: Dazu gehören aber auch private Forschungen, die laut Altena sich beispielsweise mit der eigenen Haus- und Familiengeschichte beschäftigen.

Große Aufmerksamkeit fanden auch die Bilder, als der 38-jährige Experte unter anderem als Original den Text des Lehnseides von 1745 präsentierte, Aufnahmen der verschollenen Wappenschnitzereien im Westturm der Burg zeigte und eine Bauzeichnung vorstellte, die dem später als öffentliche Toilette genutzten Gartenhaus der Tuchfabrikanten Offermann auf dem Willy-Brandt-Platz gewidmet war.

Auch nahm Altena zu einer oft geäußerten Frage Stellung, wo denn im 19. Jahrhundert entstandene Unterlagen zu finden sind, die die 1935 und 1972 nach Stolberg eingemeindeten Orte betreffen. Der Historiker konnte diese Fragestellung klären, indem er versicherte, dass der überwiegende Teil dieser Materialien im Stadtarchiv aufbewahrt werde, es aber sein könne, dass man bezüglich der Ortsgeschichte von Breinig und Venwegen auch das Aachener Stadtarchiv kontaktieren müsse.

Nur wenige Unterlagen sind aus der Historie der Unterherrschaft Stolberg ins Stadtarchiv gelangt. Für diesen Zweck empfahl Altena die Abteilung Rheinland des in Duisburg ansässigen NRW-Landesarchivs. Somit war der anderthalbstündige Vortrag eine gute Werbe- und Informationsveranstaltung für das Stadtarchiv.

Nach Vortragesende stand der Stadtarchivar den Besuchern noch für viele weitere Fachfragen zur Verfügung. Etliche Anwesende stellten dem Historiker Fragen, die sich unter anderem um Nutzungsbedingungen, Datenschutz und Digitalisierung drehten. Fortgesetzt wird die Veranstaltungsreihe zum Stadtjubiläum mit zwei weiteren Veranstaltungen der Volkshochschule und des Stadtarchivs zum Stadtjubiläum: Dienstag, 20. November, 19 Uhr: „Die historische Neustadt - Das Werk der Architekten Schleicher, Peltzer und Co.“. Referent ist Toni Dörflinger. Dienstag, 4. Dezember, 19 Uhr: „Rekonstruktion Stolberger Bauwerke - Neue und bereits gezeigte Rekonstruktionsvorschläge“. Referent ist Christian Altena, der seine selbst erstellten Rekonstruktionszeichnungen präsentiert. Die Veranstaltungen finden im Saal des Kulturzentrums Frankentalstraße 3 statt, sind kostenlos und erfordern keine Anmeldung.

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