Stolberg: Im Sommer steigt das Harnsteinrisiko

Stolberg: Im Sommer steigt das Harnsteinrisiko

„Sommerzeit ist Steinzeit“, sagt Dr. Uwe Heindrichs, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg.

Was im ersten Moment nach einer Einladung zu einem Abenteuerausflug im Rahmen der Ferienspiele klingt, ist eine ernste Angelegenheit, denn in den Sommermonaten steigt das Harnsteinrisiko beträchtlich.

Dr. Uwe Heindrichs, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Foto: H. Eisenmenger

Schweißtreibende Tage sind demnach nicht nur Spaß für die Einen und ermüdend für die Anderen: Sie bedeuten für jeden einen Risikofaktor. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen (BDU) weisen darauf hin, dass Harnleitersteine in Deutschland den Charakter einer Volkskrankheit haben. Jeder 20. Deutsche muss sich mindestens einmal im Leben mit diesen Symptomen auseinandersetzen — entsprechend auch etwa 2900 Stolberger. Männer sind weitaus häufiger betroffen als Frauen.

In der urologischen Partnerschaftspraxis Leufgens/Pies des Bethlehem Gesundheitszentrums werden Patienten mit Harnsteinen behandelt. Die Erklärung dafür, warum die Zahl der Betroffenen jahreszeitlich variiert, ist simpel: „Im Sommer schwitzt man mehr, und häufig wird zu wenig getrunken“, erklärt Heindrichs. Harnsteine sind Nierensteine, die in den Harnleiter gewandert sind.

Nierensteine entstehen durch eine zu hohe Konzentration der löslichen Salze im Urin. Diese Salze sind natürliche Mineralstoffe, die der Körper nicht selbst erzeugen kann, beispielsweise Calcium und Magnesium. Bei zu hoher Konzentration können die Stoffe im Harn nicht mehr gelöst und somit von der Niere nicht abgebaut werden. In einem solchen Fall kristallisieren sich die Salze in der Niere. Die Auskristallisierung beschreibt den Nierenstein.

Schmerzhafte Kolik

So lange sich die Steine noch in der Niere befinden, bereiten sie oft keine Beschwerden und bleiben in der Folge häufig unentdeckt. Wandern die Steine in den Harnleiter, verursachen sie eine schmerzhafte Kolik — starke, wehenartige Schmerzen durch Kontraktionen des Harnleiters, mit denen der Hohlkörper auf die Stauung des Urins reagiert. Abhängig von der Position des Steines treten die Schmerzen in der Flanke, der Leiste, dem Unterbauch oder im Genitalbereich auf. Hinzu kommt ein starker Harndrang und möglicherweise eine rote Verfärbung des Urins durch Blut.

Natürliche Mineralstoffe sind dabei nicht pauschal ungesund, im Gegenteil, sie sind existenzielle Bausteine im menschlichen Körper, sie regulieren unter anderem den Stoffwechsel, sind wichtig für die Knochen- und Fingernagelstabilität sowie die Zähne. Wichtig ist also die Konzentration der Salze in der Urinmenge.

Eine zu hohe Konzentration kann verschiedene Ursachen haben. Neben falscher Ernährung, Übergewicht oder zu geringer Flüssigkeitsaufnahme, kann eine Harnwegsentzündung, Stoffwechselstörung oder eine Abflussbehinderung der ableitenden Harnwege zu den unangenehmen Erscheinungen führen.

Drei Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt drei Behandlungsmöglichkeiten von Harnsteinen, alle greifen schnell, sind risikoarm und erfordern einen Krankenhausaufenthalt von nur wenigen Tagen. Eine extrakorporale Stoßwellenlithotripsie erfolgt minimal-invasiv. Dabei werden die Steine durch die Schallwellen, einer Energiequelle außerhalb des Körpers, zertrümmert. Anschließend werden sie mit dem Urin ausgeschieden. Bei einer Ureterorenoskopie wird eine Harnleiter- und Nierenspiegelung vorgenommen, über diese können die Steine lokalisiert und mit kleiner Zange und kleinem Körbchen entfernt werden. Sollten Steine für die kleinen Instrumente zu groß sein, können diese auch mit einem Laser vorerst zerkleinert werden.

Für große Steine ist die perkutane Nephrolithotomie die schnellste Lösung. Die Endoskopie erfolgt unter Vollnarkose, dabei wird der Stein über eine direkte Punktion, durch die Haut in die Niere, mit kleinen Instrumenten wie Laser- oder Ultraschallsonde entfernt.

Flüssigkeitsmangel

Allgemein lässt sich den Steinen durch regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme, ausgewogene Ernährung und sportliche Betätigung entgegenwirken. „Mindestens 100 Milliliter Flüssigkeit sollte dem Körper pro Stunde zugeführt werden, um effektiv vorzubeugen“, rät Prof. Dr. Thomas Knoll, Vorsitzender des DGU-Arbeitskreises Harnsteine.

Hitze, verstärktes Schwitzen, unzureichendes Trinken und ein höherer Flüssigkeitsverlust durch die Atmung an heißen Tagen begünstigen die Bildung von Nierensteinen. Dann müsse die tägliche Trinkmenge deutlich über zwei Liter liegen, so Knoll. Eine geringere Flüssigkeitsmenge im Körper führt zu einer geringeren Urinmenge. Mit jedem Harnstein verdoppelt sich dabei die Gefahr einer erneuten Steinbildung. Wer öfter unter der Steinbildung leidet, sollte ein auf Harnsteine spezialisiertes, Gesundheitszentrum aufsuchen, denn die Ursachen für die Steinbildung könnten neben allgemeinem Flüssigkeitsmangel auch in Übergewicht oder in einer Stoffwechselerkrankung liegen.

In der Regel kann den Harnsteinen aber mit erhöhter Flüssigkeitsaufnahme und einer ausgeglichenen Ernährung vorgebeugt werden. „Darum ist es wichtig, viel zu trinken. Ideal sind Mineralwasser und ungesüßter Tee. Limonade, egal ob mit künstlichem Süßstoff oder Zucker, ist nicht geeignet“, so Heindrichs.