Ideenwerkstatt zum Geschwister-Scholl-Platz

Integriertes Handlungskonzept: Das Herz des Viertels soll wieder schlagen

„Es geht um mehr, als nur um Steine. Das Herz des Viertels soll wieder zum Schlagen gebracht werden“, sagt Leo Jansen. Der Sozialplaner der Stadt Stolberg meint damit den Geschwister-Scholl-Platz auf der Liester.

Vereine und Geschäfte gibt es in dem Viertel heute nicht mehr. Das soll sich bald ändern. Geplant ist eine Ideenwerkstatt zur Umgestaltung des Geschwister-Scholl-Platzes. Doch dazu später mehr.

Der Geschwister-Scholl-Platz ist die ursprüngliche Mitte des Quartiers Liester, einem Stadterweiterungsgebiet aus den 1950er und 60er Jahren. Knapp 5164 Menschen leben dort. 16,3 Prozent davon leben allerdings in einem sozialstaatlichen Mindestsicherungssystem. Was das bedeutet? Dass beispielsweise der Anteil an Eltern mit niedrigem Einkommen im Sozialraum Münsterbusch – inklusive Liester – am höchsten ist. Zwar gibt es auch Straßenzüge mit sehr wohlhabenden Bewohnern, allerdings erfordert die soziale Entwicklung präventive Strategien gegen Armut, soziale Isolation und Exklusion.

Doch nicht nur das soziale Leben ist anders geworden – mittlerweile ist das Quartier fast ausschließlich zu einem Schlaf- beziehungsweise Übernachtungsquartier geworden. Auch die städtebauliche Infrastruktur hat sich stark verändert. Ein Beispiel dafür ist der Geschwister-Scholl-Platz. Seine seinerzeit geplante Funktion als neues Zentrum und eine Art Herz der großflächigen Stadterweiterung auf der Liester mit Freiflächen, Kirche, sozialen Einrichtungen und Geschäften könne der Platz funktional und gestalterisch nicht mehr erfüllen, so dass eine Erneuerung des Platzes für den Stadtteil von zentraler Bedeutung sei, heißt es im Integrierten Handlungskonzept „Berg- und Talachse – Miteinander für Münsterbusch, Ober- und Unterstolberg“. Die Funktion des Zentrums sei ein Stück weit verloren gegangen, meint Leo Jansen.

Momentan wird der insgesamt 8800 Quadratmeter große Platz an drei Seiten durch bis zu achtgeschossige Wohnungsbauten eingefasst. Der Platz befindet sich allerdings nicht komplett im Eigentum der Stadt. Der städtische Teil wird derzeit überwiegend als Parkplatz genutzt. Zudem gibt es einen kleinen Spielplatz und eine Tischtennisplatte, die am nordöstlichen Rand des Platzes – nah an einer ehemaligen, nun allerdings überwiegend leerstehenden eingeschossigen Ladenzeile, die drei fünfgeschossige Wohnblöcke verbindet – platziert sind.

Auch die Kirche St. Hermann Josef auf der Liester spielt bei der Umgestaltung des Geschwister-Scholl-Platzes eine wichtige Rolle. Foto: ZVA/Sonja Essers

An der westlichen Seite des Platzes befindet sich die katholische Kirche St. Hermann Josef mit dem Pfarramt und Jugendheim. Die katholische Kirche plane, die Kirche umzunutzen und gegebenenfalls zu veräußern. Das Pfarr- und Jugendheim soll ebenfalls neu belebt werden. „Früher war das soziale Leben auf der Liester stark von der katholischen Gemeinde geprägt“, sagt Leo Jansen. In Gesprächen mit Anwohnern habe er davon immer wieder gehört und zudem erfahren, dass die Anwohner auch daran interessiert seien, wie es mit der Kirche weitergehe. Auch das Gotteshaus ist übrigens ein Teil des Integrierten Handlungskonzeptes (siehe Infobox). Im Pfarrheim habe sich bereits einiges getan. Dort seien neue Gruppen entstanden, die sich regelmäßig treffen, sagt Jansen. Und auch über die Wiederbelebung der leerstehenden Ladenlokale werde derzeit fleißig nachgedacht.

Etwas ändern kann sich allerdings nur, wenn es auch Menschen gibt, die sich engagieren. Damit sie bei der Ideenwerkstatt ihre Vorschläge einbringen, haben sich Leo Jansen, Judith Schuler von der Demokratiewerkstatt, und einige Anwohner in der vergangenen Woche zusammengesetzt, um auf die Veranstaltung aufmerksam zu machen. „Es ist wichtig, die Menschen in den angrenzenden Häusern einzubinden, damit sie die Nutzung des Platzes mittragen“, sagt Schuler. Um wirklich alle Anwohner zu erreichen, wurden die Flyer mittlerweile auch in die türkische Sprache übersetzt.

Die Ideenwerkstatt findet statt am Mittwoch, 14. November, im Forum der Gesamtschule, Walther-Dobbelmann-Straße 11. Los geht’s um 17.30 Uhr. Schuler und Jansen hoffen, dass etliche Stolberger teilnehmen. „Es geht nicht nur um den Platz, sondern auch um ein Viertel, das in den vergangenen Jahren nicht mehr hinreichend wahrgenommen worden ist“, sagt Jansen. Die Umgestaltung des Geschwister-Scholl-Platzes sei für die Wiederbelebung des Quartiers erst der Anfang.

Mehr von Aachener Zeitung