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Reidt-Erweiterung stößt auf Beschwerden: „Ich werde nicht kampflos aufgeben“

Reidt-Erweiterung stößt auf Beschwerden : „Ich werde nicht kampflos aufgeben“

Die direkten Nachbarn der geplanten Erweiterung der Recycling-Firma Reidt in Stolberg beschweren sich. Unter anderem kritisieren sie, dass der Eingriff in die Natur ausgeglichen werden muss.

„Wenn die loslegen, kette ich mich an wie im Hambacher Forst“: Pia Emonds bemüht den Galgenhumor, wenn es um die geplante Expansion der Reidt GmbH & Co. KG geht. Dabei ist ihr nicht nach Lachen zumute. Ihre Familie ist der einzige, aber direkte Nachbar der zukünftigen Produktionsstätte von Blähglasgranulaten.

Heute steht ein kleines Wäldchen auf dem Grundstück. Das hat sich in den vergangenen Jahren entwickelt, seitdem das Unternehmen den Flecken nicht mehr für die Zwischenlagerung von Recyclingglas nutzt.

Die kleine Wildnis soll in Kürze gerodet werden, um Platz für den Bau der Produktionsstätte zu schaffen. Das Unternehmen muss diesen Eingriff in die Natur ausgleichen, aber Pia Emonds wird davon nicht direkt profitieren. Sie verliert den idyllischen Ausblick ins Grün.

Was sie noch mehr sorgt, „ist der Lärm, der auf uns zukommt“, sagt die Inhaberin eines Reisebüros. Das liegt zwar direkt an der viel befahrenen Landesstraße 238, „aber abends und am Wochenende kann man sehr wohl die Vögel zwitschern hören“, sagt Emonds. Dann ist weniger los auf der Straße. „Nun droht mir ein Industriebetrieb, der rund um die Uhr arbeitet, als Nachbar“. Es werde „keinerlei Rücksicht genommen auf die Leute, die hier wohnen“. Damit nimmt Emonds die Stadt ins Visier, die die geplante Expansion des Unternehmens genehmigen muss. „Die Verwaltung hätte die Paragraphen auch anders auslegen können“, meint Pia Emonds: zu ihren Gunsten, gegen das Unternehmen.

„Niemand hat im Vorfeld mit uns gesprochen“. Hätte es jemand getan, hätte sich die Familie vielleicht von ihren beiden Häusern trennen können. „Nun wird der Wertverlust immens sein“, befürchtet sie, einen Verkauf schätzt sie als nicht mehr realistisch ein. Auch die Chancen zur Vermietung der beiden Wohnungen, die derzeit hergerichtet werden, würden sinken.

Noch mehr aber sorgt sie sich um ihre Schwiegermutter Ursula Dunkel. Die 66-Jährige sei an Demenz und Parkinson erkrankt. Jetzt werde sie am Lebensabend aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen.

„Wir stehen vor vollendeten Tatsachen“, sagt Pia Emonds. „Ich werde nicht kampflos aufgeben.“