Stolberg: Hüpfen und Aerobic gegen das Vergessen

Stolberg: Hüpfen und Aerobic gegen das Vergessen

Sie macht die eigenen Kinder zu Fremden: Kaum eine Krankheit ist so gefürchtet wie Alzheimer. Was Alzheimer auslöst, darüber rätseln die Wissenschaftler noch, aber was die neuroregenerative Krankheit zur Folge hat, wissen sie genau.

Die Hirnzellen sterben ab, das Gedächtnis wird zerstört, die Persönlichkeit verändert sich, löst sich im Endstadium der Krankheit auf.

1,2 Millionen Menschen leiden allein in Deutschland unter dementiellen Erkrankungen und es werden von Jahr zu Jahr mehr. Mit dem Altwerden und dementiellen Erkrankungen beschäftigt sich der Neurologe Alfred Wilbertz aus Aachen. In seinem Vortrag im Rolandshaus widmete er sich nun diesem Thema. Organisiert hatten die Veranstaltung die Pflegestützpunkte in Zusammenarbeit mit der AOK in Stolberg. Es kamen rund 40 Zuhörer zum Vortrag, fast alle waren im Seniorenalter.

Das Thema hat nicht zuletzt durch den Suizid des prominenten Fotografen Gunter Sachs, der befürchtete, an Alzheimer erkrankt zu sein, die Diskussion neu entfacht.

Vielleicht war seine Angst berechtigt, vielleicht aber war es auch nur das Alter, das sich bemerkbar machte. Mal ist es ein Name, der einem auf der Zunge liegt oder man vergisst, was man gerade holen wollte.

In seinem beruflichen Alltag in einer geriatrischen Rehabilitationsklinik stellt Alfred Wilbertz immer wieder fest, dass viele Senioren das Altwerden nur schwer ertragen. „Sie sind unglücklich, dass ihre Haut faltig wird und ihre Vitalität nachlässt. Wenn dann auch noch Krankheit dazu kommt, fällt es noch schwieriger, das Altwerden zu akzeptieren”, erklärte der Psychologe.

Senioren stehen unter Druck

Der Druck, der auf den Senioren laste, sei groß. „Keiner darf merken, dass man alt wird. Der Druck geht aber nicht von einem selber aus, auch die Gesellschaft übt Druck aus - man hat jung, vital und schön zu sein.”

Das Altern als natürlichen Bestandteil des Lebens zu akzeptieren und sich den veränderten Begebenheiten anzupassen, sei der Schlüssel, um Zufriedenheit zu erlangen. Wer die veränderte Situation ignoriere, schade sich. Wilbertz machte das an einem Beispiel deutlich: „Im Alter lässt das Hörvermögen nach. Schlecht hören zu können, beeinflusst die Lebensqualität und stellt auch eine Gefahr dar, weil man herannahende Autos zu spät erkennt.” Ein Hörgerät lasse die Betroffenen wieder aktiv am Leben teilhaben, gebe ihnen Lebensfreude und ein wenig Selbstsicherheit zurück.

Anpassung, das Ändern des eigenen Verhaltens, kann auch unmittelbare Auswirkungen auf die geistige Gesundheit haben. Statistiken zeigen, dass der Lebensstil und das Risiko einer dementiellen Erkrankung in engem Bezug zueinander stehen.

„Bluthochdruck schadet den Gefäßen.” So wie auch Rauchen, mangelnde Bewegung und Übergewicht Durchblutungsstörungen fördern, die sich logischerweise nicht auf die Extremitäten beschränken, sondern auch die Blutgefäße im Kopf betreffen.

In puncto Übergewicht haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Menschen, bei denen sich das Fett insbesondere am Bauch ansammelt, gefährdeter für dementielle Erkrankungen sind als als Personen, deren Übergewicht sich auf die Bereiche Po und Oberschenkel konzentriert. Gegen Übergewicht ist Bewegung gut. Aber Bewegung kann viel mehr bewirken, als den Körper in Form zu halten. „Hüpfen hilft gegen das Vergessen”, formulierte es Wilbertz salopp. „Bei älteren Menschen schrumpft der Hippocampus im Gehirn. Das ist der Bereich, der wesentlich für Gedächtnisprozesse zuständig ist.”

Denkleistung erhöhen

Das Schrumpfen des Hippocampus, erörterte Wilbertz, verschlechtere die Denkleistungen und erhöhe damit das Risiko einer dementiellen Erkrankung. Altersforscher aus den USA haben festgestellt, dass sich durch Aerobic und Hüpfen das Hirnareal sogar vergrößere. „Es ist nie zu spät, sein Verhalten zu ändern”, empfahl Wilbertz den Senioren regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und vor allem geistige wie soziale Aktivität - und damit auch Zufriedenheit.

Alzheimer tritt am häufigsten auf

>Alzheimer ist mit rund 60 Prozent die häufigste dementielle Erkrankung. In Deutschland sind rund 1,2 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Demenz auslösen können Infektionen, Sauerstoffunterversorgung, Stoffwechselstörungen, Erkrankungen, Hirntumore, Verletzungen im Kopfbereich wie auch der Missbrauch von Medikamenten und Alkohol.

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