Stolberg: Holz vor der Türe rettet Sägewerke der Region

Stolberg: Holz vor der Türe rettet Sägewerke der Region

Der größte Schaden in den nordrhein-westfälischen Wäldern wird nicht durch Stürme oder den Borkenkiefer hervor gerufen, sondern durch einen irrwitzigen Vertrag. Nachdem der Orkan „Kyrill“ im Jahr 2007 über das Land gefegt war und unzählige Bäume flach gelegt hatte, hatte die schwarz-gelbe Landesregierung überhastet einen Liefervertrag mit dem Holzverarbeitungskonzern Klausner abgeschlossen.

Der Haken an dem Vertragswerk: Das Land NRW muss jährlich 500.000 Festmeter Fichtenholz an das österreichische Unternehmen liefern. Im Rahmen der nachhaltigen Forstwirtschaft dürften aber eigentlich jährlich in NRW nur 200.000 Festmeter gefällt werden. Das Holz wird knapp, deutsche Sägewerke stehen vor dem Konkurs.

Ein Klageverfahren des Landes NRW verlief ohne Erfolg. Das Oberlandesgericht Hamm gab Klausner erst vor wenigen Tagen erneut Recht. Im NRW-Umweltministerium ist nun guter Rat teuer. Experten rechnen damit, dass Klausner nun eine Leistungsklage in Höhe von 50 bis 60 Millionen Euro stellen wird. Fakt ist, dass das Land NRW die versprochenen 500.000 Festmeter Fichtenholz pro Jahr (Marktwert derzeit knapp 50 Millionen Euro) gar nicht liefern kann, ohne gegen das Nachhaltigkeitsgebot zu verstoßen. Es bliebe dem Land nur die Möglichkeit, seinerseits Holz im Ausland teuer einzukaufen und es dann zu den vereinbarten Konditionen billiger nach Österreich zu verkaufen.

In Stolberg laufen die Sägewerke noch. Franz Harpers, Chef des gleichnamigen Unternehmens in Zweifall, sieht etliche Kollegen in NRW allerdings in Not: „Da wird mehr Holz aus NRW verkauft als da ist. Das kann ja nicht funktionieren.“ Harpers Holzpack produziert überwiegend Kisten und Verpackungen für die Industrie. „Wir selbst haben keine Probleme und sind ausreichend mit Holz versorgt“, sagt der Chef.

Und dies vermutlich auch deshalb, weil das Stolberger Unternehmen sein Holz aus der Region bezieht. Gleiches gilt für den Holz verarbeitenden Betrieb Krings in Zweifall. „Wir haben Holz genug. Nicht zuletzt weil wir bei unseren Lieferanten vom Staatswald auf Holz aus Privatwaldbesitz und aus Wäldern der Kommunen umgestiegen sind“, erklärt Joachim Krings. Der Staatswald dürfe aus besagter Holzknappheit nicht mehr an kleinere Abnehmer verkaufen. Das Holz für das Zweifaller Sägewerk komme aus Stolberg, Aachen, Roetgen, Düren, Simmerath oder auch einmal aus dem benachbarten Belgien. Krings: „Aus ökologischen Gründen achten wir auch auf kurze Lieferwege.“

Thomas Fischer, Geschäftsführer des Holzverarbeitungsbetriebes Kuchem in Zweifall, der ebenfalls Holzverpackungen herstellt, sieht für sein Unternehmen keine Beschaffungsprobleme. Aus dem Grund: „Wir arbeiten nicht mit ganzen Stämmen, sondern überwiegend mit Schnittholz. Das beziehen wir aus ganz Europa.“

„Unser Holz wird komplett an Abnehmer aus dem Umland verkauft“, betont Förster Theo Preckel. Der Wald rund um Stolberg mit einer Fläche von rund 5000 Hektar gehört zum größten Teil der Stadt und dem Land NRW, ein kleinerer Teil ist im Besitz des Bundes, der Kirche und von Privatleuten. Bis die Bäume zu einem vermarktbaren Produkt werden, vergeht eine lange Zeit. Doch die Säge kreist regelmäßig und in festgelegten Zeitabständen im Wald. Theo Preckel rechnet vor: Von 2500 frisch gepflanzten jungen Fichten bleiben nach 120 Jahren noch 300 übrig. Die übrigen Bäume wurden mit und mit gefällt, um den stärksten Pflanzen genug Luft und Licht zur optimalen Entwicklung zu lassen. Bei Rotbuchen bleiben von 2500 Pflänzchen nach 140 Jahren noch 70 Bäume übrig, von 2500 Eichen nach 160 Jahren noch 84.

„Im Zuge der nachhaltigen Forstwirtschaft werden aber immer nur so viele Bäume geschlagen wie neue gepflanzt werden“, sagt Preckel. Bei den Holzverarbeitern besonders gefragt seien Fichten und Douglasien, weniger Kiefern und Laubholz. Gefällt wird im Herbst, derzeit liegt das Holz im Wald und wird von den Sägewerken per Spedition nach Bedarf abgeholt. Preckel: „Das Holz bleibt in der Region. So sparen sich die Sägewerke teure Transportwege.“

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