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Stolberg: Hohe ästhetische Klangkultur fasziniert das Publikum in der Vichter Pfarrkirche

Stolberg : Hohe ästhetische Klangkultur fasziniert das Publikum in der Vichter Pfarrkirche

Streichquartette verlangen höchstes kompositorisches Können und dichteste musikalische Gestaltung und wurden deshalb von allen Komponisten besonders gepflegt. Da sie besondere Erwartungen auch an den Hörer stellen, galten sie lange als Hauptgattung des intimen häuslichen Musizierens in Kreisen des Adels.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts fanden diese Konzerte auch mehr in öffentlichen Einrichtungen statt, wie es jetzt wieder in Vicht der Fall war, wo Prof. Wolfgang Boettcher zum vierten Male zu einem beachtenswerten Klassik-Konzert in die dortige Pfarrkirche eingeladen hatte.

Beschäftigten sich die ersten drei Konzerte mit Werken aus der Barockzeit, so bildeten nun zwei Stücke aus der Klassik und Romantik das Programm. „Die Bänke voll“, strahlte Rudi Dreuw und versprach den Anwesenden, dass die Entscheidung in die Kirche zu kommen, allemal besser gewesen sei als eine Wanderung bei diesem schönen Wetter.

Dieser Aussage stimmten die Zuhörer am Ende gerne zu, hatten sie doch eine musikalische Sternstunde im Kulturprogramm Stolbergs erlebt. Mit dem sogenannten „Dissonanzen-Quartett“ von Wolfgang Amadeus Mozart, das den Namen von den ersten paar Takten bezieht, die sich dann jedoch schnell auflösen, wurde der Konzertnachmittag eröffnet. Das Streichquartett mit dem Vichter Ensemble präsentierte sich als ein wahrer Könner des Streichquartetts Nr. 19 in C-Dur. Es entwickelte die Tonfülle eines Orchesters, obgleich sie nur vier Streicher waren.

Dass dieser Eindruck entstand lag an der Art, mit der Hans Otto Horch, Roswitha Kuhnen (Violinen), Susanne Trinkaus (Viola) und Wolfgang Boettcher (Cello) musizierten und damit ihr Publikum begeisterten. Vom ersten Ton an zeigte sich die hohe ästhetische Klangkultur dieses Ensembles. Ihr Spiel war eine stete Kommunikation und ein stetiges Herausfordern mit kammermusikalischen Feinheiten, ganz so wie es der Geist Mozarts verlangte.

Die hohe künstlerische Qualität setzte sich im „Klarinettenquintett h-Moll“ von Johannes Brahms fort. Das Spätwerk, das als eines der bedeutendsten kammermusikalischen Werke von Brahms gilt, fasste noch einmal sein ganzes Lebenswerk kompositorisch zusammen.

Virtuoser Klarinettist

Was der Klarinettist Richard Mühlfeld für Johannes Brahms war, nämlich ein virtuoser Klarinettist, war Jeremy Hulin für das Streichquartett in Vicht. Fast wie beiläufig kamen die Soli daher, die im Verbund mit dem Streichquartett das Werk zu einem Glanzpunkt des Nachmittags machten.

Melodische Erfindungskraft, harmonische Originalität und instrumentale Farbphantasie zeugten von einem innig und schwerelos interpretierten Werk. Die Augen teils geschlossen, hörte das Publikum gebannt zu. Der frenetische Beifall am Ende war mehr als berechtigt.

(mlo)