Stolberg: Höhepunkt der Borkenkäfer-Epidemie in Stolberg nicht erreicht

Stolberg: Höhepunkt der Borkenkäfer-Epidemie in Stolberg nicht erreicht

Die Bäume im Stolberger Wald haben es in diesem Jahr wirklich nicht leicht: Zu Beginn des Jahres wurde eine Vielzahl von ihnen durch die Stürme Friederike und Burglind entwurzelt, hinzu kamen starkes Blühen und Fruktifikation der Bäume und in den vergangenen Wochen hatten sie aufgrund der anhaltenden Trockenheit mit Wassermangel zu kämpfen.

„Das war purer Stress für die Bäume“, sagt Stolbergs Forstamtsleiter Theo Preckel. Und damit nicht genug. Geschwächt sind sie also schon — und genau an dieser Stelle kommt der Borkenkäfer ins Spiel. Er greift vor allem Fichten an und sorgt dafür, dass diese absterben. Im Stolberger Wald sind bislang rund 2000 Bäume befallen. Nun schlägt Theo Preckel Alarm. Schließlich ist ein Ende der Epidemie bisher noch nicht abzusehen.

Kahle Bäume: Während die Laubbäume grünen (kleines Bild), sterben die Fichten (rechts im Bild) nach und nach ab und verlieren ihre Nadeln. Schuld daran ist der Borkenkäfer. Foto: Sonja Essers

Bereits seit Wochen wird der Borkenkäfer in ganz Nordrhein-Westfalen zu einem immer größer werdenden Problem. Und nun ist er auch in Stolberg angekommen. Die gefährlichsten Borkenkäfer sind übrigens der Buchdrucker und der Kupferstecher. Diese beiden Arten befallen vor allem die Fichten. Die sind auch im Stolberger Wald in einer Vielzahl vorhanden und dementsprechend auch betroffen. Aber wie konnte es soweit kommen?

Das ganze Ausmaß ist noch nicht bekannt. Bisher sind laut Forstamtsleiter Theo Preckel rund 200 Bäume im Stolberger Wald befallen. Foto: Sonja Essers

Primärschädling

Ein kleines Tier mit großer Wirkung: der Borkenkäfer. Foto: dpa

Der Grund dafür: Bei Trockenheit und Hitze können sich die Tiere schneller vermehren. In Zahlen bedeutet dies: Ein einziges Weibchen kann über drei Generationen hinweg mehr als 100.000 Nachkommen erzeugen. Um ihre Brutnester — die sogenannten Rammelkammern — anzulegen, bohren sich die Männchen durch die Rinde der Bäume. Sind diese wiederum bereits geschwächt, sondern sie nicht mehr genügend Harz ab, um die Angreifer zu verkleben und so zu töten. „Der Käfer wird so vom Sekundär- zum Primärschädling“, sagt Preckel.

Für einen befallenen Baum gibt es keine Rettung mehr „Wenn die Bäume einmal befallen sind, ist es zu spät. Dann sterben sie ab“, sagt Theo Preckel. Er und seine Mitarbeiter haben vor drei Wochen die ersten Borkenkäfer in Stolberg ausgemacht. Seitdem sind sie damit beschäftigt, die befallenen Bäume zu fällen. Zusätzliche Arbeit, die die Männer wohl noch eine Weile beschäftigen wird. „Die Arbeiten werden mit Sicherheit noch bis weit in den Herbst hinein reichen“, ist sich Theo Preckel sicher.

Der Forstamtsleiter ist außerdem überzeugt davon, dass der Höhepunkt des Baumsterbens im rund 1500 Hektar großen Stolberger Wald noch nicht erreicht ist. Sind bisher rund 2000 Bäume befallen so könnte die Zahl in den kommenden Wochen auf rund 4000 ansteigen. Das wären 130 voll geladene Langholzwagen. Was ihn das vermuten lässt? Das Jahr 2003. Auch damals vermehrte sich der Borkenkäfer aufgrund der anhaltenden Hitze viel schneller als sonst. Die Bilanz: Im Stolberger Wald mussten rund 5000 Kubikmeter Bäume gefällt werden. Das entspricht rund 5000 Bäumen oder 160 Langholzwagen.

Positive Rückschlüsse

Preckel, der das Stolberger Forstamt seit über 30 Jahren leitet und das Revier kennt wie kaum ein anderer, versucht allerdings auch positive Rückschlüsse zu ziehen. Schließlich können nun durch das notwendige Aufforsten auch mehr Struktur in den Wald gebracht werden. Was das bedeutet? Ganz einfach: Aus gleichförmigen Beständen sollen in Zukunft mehr Mischbestände werden. Nadel- und Laubbäume kommen also beide vor.

Ein Mischwald hätte zudem gleich mehrere Vorteile. So würde der Wald nicht nur heller, wie Theo Preckel weiß. Ist ein Wald nur wenig abwechslungsreich, ist er natürlich auch umso anfälliger bei Stürmen oder auch für Schädlinge — wie beispielsweise den Borkenkäfer.

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