Stolberg-Liester: Hier freuen sich Kinder auf den Spinat

Stolberg-Liester: Hier freuen sich Kinder auf den Spinat

„Was ist denn das?“ wundert sich Noah. „Mangold“, erklärt Che Steinhausen während er die Setzlinge mit den noch kleinen grünen Blättern an roten Stielen verteilt. „Mangold ist so ähnlich wie Spinat“, erzählt derweil Ferhat Eser den zwölf Kindern und ihrer Erzieherin Inka Wilms im Familienzentrum auf der Liester. Dort ist an diesem Morgen Gartentag.

Auf der kleinen Wiese neben der nördlichen Seite der Tagesstätte drängeln sich die Fünfjährigen um ein kleines Hochbeet. „Das ist immer ganz spannend für die Kinder“, berichtet Wilms. Die Pflanzaktion ist einer von vielen Ansätzen der integrativen Arbeit in dem Familienzentrum. Ein lehrreicher und gesunder zudem. Längst nicht jedes Kind kennt die unterschiedlichen Arten von Gemüse, wie sie aussehen, aufwachsen und zubereitet werden. Und längst nicht jedes Kind kommt in den Genuss einer gesunden Küche mit frischen Lebensmitteln. Kohlrabi — das sind für manche Kleinen einfach nur die weißen Stäbchen aus der Tiefkühltruhe.

Das gilt natürlich für Noah, Alysha, Kostar, Kadir, Larissa, Emily und die anderen aus der Gruppe von der Liester nicht mehr. Denn soeben haben sie junge Kohlrabi vorsichtig in die lockere Erde des Hochbeets gesetzt. Während der nächsten Wochen können sie verfolgen, wie sich der Wurzelstamm zu der bekannten schmackhaften Knolle verformt — aus der man dann zumeist die bekannten weißen Stäbchen schneidet.

Mittlerweile stehen Salat und Möhren im Beet, Radieschen sollen aus einem Saatband wachsen, und für den Spinat werden Samenkörner eingegraben. „Wer mag denn eigentlich Spinat“, fragt Eser in die Runde und ist ebenso wie die übrigen Betreuerinnen sichtlich erstaunt, dass ausnahmslos alle Hände in die Höhe schnellen und ein klares deutliches „Jaaaaa!“ daherkommt.

Schritt für Schritt, Pflanze für Pflanze erklären Che Steinhausen und Ferhat Eser den Nachwuchsgärtnern kindgerecht und locker die Besonderheiten jedes Gemüses. Die Beiden sind für die Edeka-Stiftung deutschlandweit unterwegs. In rund 1000 Tagesstätten bepflanzen sie mit den Kindern in diesen Wochen die mitgebrachten Hochbeete. Seit drei Jahren wird die Kooperation mit der Liester bereits gepflegt, die von Ludmilla Axt und Veronika Später vom E-Center Cevik mit Interesse und Engagement betreut wird. Immerhin erfahren auch diese beiden jungen Dame gute Tipps für ihr privates Kräuterbeet.

Ein solches will natürlich gehegt und gepflegt sein. „Welche Tiere sind denn für die Pflanzen gut?“, fragt unterdessen Che Steinhausen in die Runde. „Kellerasseln“, ist die erste spontane Antwort. „Okay?! Die können wir krabbeln lassen“, schmunzelt Ferhat Eser. WelcheTiere noch? „Ameisen und Vögel und ...“ Wenn Vögel den Samen wegpicken wollen, müsste man ein Netz über das Hochbeet spannen, rät Steinhausen. „...Katzen...“ Ja, die besuchen die Kita gelegentlich, verrät Ilka Wilms. Aber die Samtpfoten haben weniger Interesse am Gemüse. Doch eigentlich wollen Eser und Steinhausen auf die Schnecken hinaus. Mit deren Haus auf dem Rücken und ihrer Schleimspur setzen sie Kinder schnell auf die Spur: „Die Schnecken müssen abgesammelt werden, denn sonst fressen die euch den Salat weg“. Somit ist die Truppe bei einem weiteren Ansatz an dem nachhaltigen Morgen. „Die Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen“, erläutert Ilka Wilms. Sie wird nun jeden Tag mit ihnen nach dem Rechten in dem Beet schauen. Damit alles gut gedeiht und im Sommer geerntet werden kann. „Dann machen wir immer eine gemeinsame Grillparty“, freuen sich Betreuer und Kinder schon vorab. Und bis dahin müssen die Pflanzen natürlich regelmäßig gegossen werden. An diesem Morgen machen das — zum krönenden Abschluss der Setzaktion — alle gemeinsam.

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