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Stolberg-Dorff: Hier fielen einst Todesurteile

Stolberg-Dorff : Hier fielen einst Todesurteile

Naturdenkmale im Doppelpack bietet der Stadtteil Dorff. Die Linde und die Eiche liegen nur wenige Meter voneinander entfernt an der Straße Am Hahnenkreuz.

Das bekanntere Naturdenkmal ist die so genannte Dorffer Linde. Die Linde, die es auf ein stolzes Alter von einem halben Jahrtausend bringt, ist eine ehemalige Gerichtsstätte des Münsterländchens. Das Münsterländchen - eine kleine Herrschaft zu der auch Dorff gehörte - wurde 814 von Ludwig dem Frommen gegründet. Ludwig der Fromme, Sohn Karls des Großen, hatte seinem Freund und Berater Benedikt von Aniane reichlich Land zur Gründung einer Abtei geschenkt.

Die Äbte - der kleine Staat büßte beim Einmarsch der französischen Truppen im Jahre 1794 seine Selbstständigkeit ein - übten nicht nur die geistliche, sondern auch die weltliche Herrschaft aus. Die Geschichte berichtet von Todesurteilen, die an der Linde vollstreckt wurden.

Schutz vor bösen Geistern

Linden spielten bereits in der Sagenwelt der Antike eine große Rolle. Bei den Germanen war sie Frigga, der Göttin der Fruchtbarkeit geweiht. Man pflanzte sie in Hausnähe, um sich vor Blitzschlag und bösen Geistern zu schützen. Das weiche, leichte Holz ist bei Schnitzern beliebt; es wird auch für Drechslerarbeiten sowie zur Herstellung von Musikinstrumenten verwendet.

Ein Prachtexemplar ist die unterhalb stehende Eiche. Knorrig reckt der 250 Jahre alte Baum sein dicht belaubtes Haupt in die Höhe. Die Zweige der ausladenden Baumkrone berühren die benachbarte Hecke. Ein kleines Schild erinnert an die im Jahre 1973 erfolgte Unterschutzstellung.

Die Eiche ist mehr als nur ein Baum. Mythen und Legenden ranken sich um die grünen Giganten. Die Griechen sahen in der Eiche ein Medium zwischen den Welten. Die Römer weihten dem Baum ihrem höchsten Gott Jupiter und die Germanen trafen sich bei Vollmond unter Eichenwipfeln, um wichtige Entscheidungen zu treffen.

Symbol des Bösen

So viel heidnische Zuneigung war den christlichen Missionaren ein Dorn im Auge. Sie betrachteten die Eiche als Symbol des Bösen. Auch wenn viele Eichen dem Raubbau zum Opfer fielen - ihr Charisma blieb den Riesen erhalten.

Dank ihrer imposanten Ausstrahlung wurde die Eiche zum Freiheitsbaum der französischen Revolution. Und in Deutschland musste die Eiche gar als patriotisches Symbol gegen die napoleonische Besetzung herhalten.