Stolberg: Helmut Kappes: Erinnerung an Brauerei in Stolberg

Stolberg: Helmut Kappes: Erinnerung an Brauerei in Stolberg

Am Samstag ist der Tag des Bieres. Ein guter Anlass also, um Helmut Kappes (69) einen Besuch abzustatten. Denn Kappes ist der Mann, der das Stolberger Bier Ketschenburg Pils zu den Kunden bringt. Früher hat Kappes es sogar selbst aus der bayerischen Brauerei abgeholt, in der es entsteht.

Inzwischen sagt er, sei das mit 69 Jahren und nach einem Unfall aber nicht mehr seine Aufgabe, sondern die einer Spedition. 2008 hat Dr. Rüdiger Fröschen, Besitzer des Restaurants „Burghof“, das „Ketsch“ wieder auferstehen lassen, nachdem 1985 die Brauerei in Stolberg geschlossen hatte. Kappes hat schon oft gemeinsam mit Fröschen über das „Ketsch“ berichtet. „Dabei habe ich immer einen hellblauen Pullover getragen“, sagt er. Deshalb habe er sich heute extra einen dunklen angezogen. Mit unserer Zeitung hat er über die Idee „Ketsch“, Bier mit Schokogeschmack und die Situation von kleinen Brauereien gesprochen.

Herr Kappes, können Sie sich noch gut an die Zeit erinnern, als in Stolberg Bier gebraut wurde?

Kappes: Na klar! Da war man schon besoffen, wenn man die Straße am Burghof hoch kam, weil es hier so nach Bier gerochen hat.

Also so, wie man in Aachen die Schokolade der Lindt-Fabrik riechen kann?

Kappes: In Aachen hat man früher auch Bier-Geruch gehabt. Aber auch dort sind die Brauereien verschwunden.

Wie schätzen Sie die Situation für kleine Brauereien auf dem Biermarkt ein?

Kappes: Ganz schwer.

Warum?

Kappes: Weil die Leute einfach nicht mitziehen. Früher gab es in Stolberg nur Ketschenburger-Gaststätten, heute sind die von Bitburger oder Warsteiner verpflichtet. Das bedeutet, dass man dort auch nur dieses Bier ausschenkt und kein anderes. Ketsch ist auch deshalb ein Hobby und Hobbys kosten nunmal Geld.

Früher war die Brauerei in Stolberg gegenüber vom Burghof an der Aachener Straße. Was verbinden Sie damit?

Kappes: An dem Haus gegenüber sieht man immer noch einen kleinen Anbau hoch oben. Dort haben Bauern früher den Treber aus der Luke geholt und ihren Schweinen als Futter gegeben.

Was ist Treber?

Kappes: Das sind die Reste von Malz und Hopfen, die beim Bierbrauen übrig bleiben.

Hatten die Schweine dann einen Schwips?

Kappes: Naja, betrunken waren sie nicht, aber vielleicht sind sie ein wenig geschwankt. In Bayern macht man das heute immernoch so. Es wäre zu schade, die Reste wegzuwerfen.

Eigentlich hätte ich Sie fragen müssen, ob Sie mir ein Bier bringen können.

Kappes: Ich kann ihnen gern ein Fläschchen holen, aber an den Zapfhahn gehe ich nicht.

Trinken Sie gern Bier?

Kappes: Das schon, aber nicht oft.

Wodurch zeichnet sich das Ketsch aus?

Kappes: Es ist nicht so herb. Ketsch kommt Kölsch nahe.

Man sagt ja, Bier sei ein Männergetränk.

Kappes: Es gibt jede Menge Frauen, die gern Ketsch trinken.

Kennen Sie ein gutes Kochrezept mit Bier?

Kappes: Das einzige, was ich koche, ist der Kaffee am Morgen.

Was ist der Unterschied zwischen Ketsch und Bier, das in Massenproduktion hergestellt wird?

Kappes: Ich kann das jetzt nicht beschwören, aber ich habe mit dem Braumeister gesprochen, in der unser Bier gebraut wird. Der hat mir gesagt, dass der Unterschied in der Haltbarkeit liegt, Ketsch ist vier Monate im Fass und sechs Monate in der Flasche haltbar.

Im Moment gibt es eine Welle von neuen, traditionellen Bieren, wie dem Indian Pale Ale auf dem Markt, aber auch verrückte Trends wie Schokobier. Könnten Sie sich vorstellen, dass es so etwas in Ketsch-Variante gibt?

Kappes: Wir hatten mal die Variante „Galmei Ketsch“ mit Tequila und Limette. Das lief aber nur eine Zeit lang. Ich glaube nicht, dass jemand Ketsch Schoko kaufen würde. Ich mache gern Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern. Dort gibt es Störtebecker Bier in allen möglich Sorten, sogar Kirsch. Für mich ist das kein Bier mehr.

Ist Radler noch Bier?

Kappes: Ja natürlich, es hat nur weniger Prozent.

Wie haben Sie und Rüdiger Fröschen zueinander gefunden?

Kappes: Wir kennen uns schon seit 2002. Ich bin Hausmeister in den Objekten, die ihm gehören, meine Nichte hat bei Fröschen als Lehrling angefangen.

Und wie kam es zu Ihnen, Fröschen und dem Ketsch?

Kappes: Man hat im Keller und auf dem Speicher des alten Burghofes Fassböden und Bierdeckel des Ketschenburgers gefunden. Dadurch hat Fröschen angefangen, sich dafür zu interessieren. Ich war damals im Vorruhestand. Fröschen hatte die Idee mit dem Ketsch und bekam irgendwann einen Anruf von seinem Anwalt, dass die Markenrechte des Bieres wieder frei sind und dann war mein Vorruhestand vorbei. (lacht)

Hand aufs Herz: Würden Sie Ketsch mit verbundenen Augen schmecken?

Kappes: Den Unterschied zwischen herbem Bier und normalem Bier würde ich nicht schmecken. Den zwischen Bitburger und Ketsch allerdings schon. Und man kann ihn auch sehen: Bitburger ist viel Heller als Ketsch.

Wie kriegen Sie eine Bierflasche auf, wenn mal kein Öffner in der Nähe ist?

Kappes: Bei einem unempfindlichen Tisch an der Tischkante. Heute morgen habe ich noch ein Facebook-Video gesehen, wo jemand eine Gurke benutzt, um ein Bier zu öffnen: erst hat er die Gurke mit einem Messer angespitzt und dann gegen den Flaschenhals gehauen. Die Flasche ist dann umgekippt und gebrochen. Aber das Bier war offen.

Was ist Ihr Tipp, wenn man doch mal zu tief ins Glas geschaut hat?

Kappes: Aspirin und ins Bett.

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