Schritt für Schritt : „Skywalk“ wie aus dem Modellbausatz

Es ist fast so wie Zuhause bei der Modelleisenbahn – nur einige Dimensionen größer. Halt wie im richtigen Leben. Metall statt Plastik, Schrauben statt Kleber, Kran statt Pinzette. Peu á peu wächst die richtige Überführung zwischen neben dem Hauptbahnhof zwischen Parkhaus und Mittelbahnsteig, der absehbar den seit Februar 2017 bestehenden „filigranen Laufsteg“ der Deutschen Bahn ablösen soll.

Damit werden die Wege für Bahnkunden zwar kürzer, aber immer noch nicht barrierefrei. Erst für Mitte nächsten Jahres signalisiert die DB die Montage der Aufzüge, die dann erstmals seit Jahrzehnten eine Erreichbarkeit der Gleise zwischen Lüttich und Köln ermöglichen, ohne Stufen überwinden zu können.

Die Brücke wird vorsichtig zwischen die beiden Treppenhäuser bugsiert, ... Foto: Roland Keller

Unbestätigt ist der subjektive Eindruck, dass Modellbauer bei aller Sorgfalt während ihrer Arbeit zügiger das fertige Ergebnis sehen wollen. Eine unbewusste Ungeduld macht sich am Basteltisch schnell breit, wenn man die vorgestanzten Teile aus der Packung nimmt, um sie zusammenzufügen.

... und dann sorgfältig fixiert und verschraubt. Foto: Roland Keller

Im Großen scheint das nicht viel anders zu sein. Im Juni wurde die alte Unterführung zwischen den Gleisen 43 und 2/1 verfüllt und die Bahnsteigkanten neu gesetzt. Es folgten die Fundamente für Aufzug und Treppen auf dem Mittel- und dem EVS-Bahnsteig. Dann war erst einmal Sommerpause. Nach den Ferien ging’s im September weiter mit den Gründungsarbeiten neben dem Parkhaus.

Anfang Oktober rückte erstmals ein Schwerlastkran an, um ein erstes Teilstück der „Skywalk“ genannten Überführung Realität werden zu lassen. Zunächst wurden die Pfeiler auf den Bahnsteigen gesetzt, damit das erste Teilstück die Gleise 43 und 2 überbrücken kann.

Am Morgen ist klar erkennbar, dass das Parkhaus erreicht ist. Foto: Jürgen Lange

Am jüngsten Wochenende wurde weiter gebastelt. Erneut wurde der Vorplatz des Hauptbahnhofes gesperrt, damit der Spezialkran aufgebaut werden konnte. Während der am Samstag Vorarbeiten erledigte, war die DB selbst im östlichen Hauptbahnhof mit Oberleitungsarbeiten beschäftigt.

In der Nacht zum Montag wurde es dann wieder spannend am „Skywalk“: Zunächst wurde zwischen 21 und 23 Uhr an der Ecke des Parkhauses ein Pfeiler gesetzt. Anschließend gab es eine Arbeitspause, bis das Gleis 43 gegen Mitternacht für den Bahnbetrieb gesperrt und die Fahrleitung geerdet wurde. Zwischen 1 und 2 Uhr wurde anschließend ein weiterer Brückenträger zwischen dem Pfeiler auf dem Bahnsteig mit den Gleisen 43/44 und dem neu errichteten Pfeiler eingesetzt. In einer weiteren „Nachtschicht“ soll nun die Treppenanlage am Parkhaus errichtet werden. Vorgesehen ist das für die Nacht zum Dienstag.

Wenn dann auch die Gerüste stehen, so werden bis zu einer Inbetriebnahme noch diverse Detailarbeiten folgen müssen. Nicht nur Geländer fehlen noch. Aber immerhin absehbar werden den Bahnkunden einige Hundert Meter Fußweg zwischen Hauptbahnhof und Hauptstrecke erspart.

Bequem mit Aufzügen wird es dann frühestens Mitte nächsten Jahres gehen können. Die DB begründet die Verzögerung mit nicht ausreichenden Sperrpausen für den Zugverkehr auf der viel befahrenen Hauptstrecke, die wegen der Auswirkungen auf den Fern-, Regional- und Güterverkehrs nur schwer zu bekommen seien, berichtet die DB. Sperrzeiten muss die „Tochter“ DB Station & Service bei der „Schwester“ DB Regio beantragen. In der aktuellen Sperrpause soll die neue Personenüberführung eingebaut worden.

Weitere Sperrpausen sind für das zweite Quartal 2019 bei DB Netz angemeldet und müssen noch genehmigt werden, erklärte ein Bahnsprecher weiter. Laut aktueller Planung werde dann die provisorische Personenüberführung zurückgebaut, und die Aufzüge würden während der Sperrpause eingebaut und in Betrieb genommen.

(-jül-/rk)
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