Stolberg-Büsbach: Hans Dohlen: „Wir sollten regelmäßig Platt miteinander reden“

Stolberg-Büsbach: Hans Dohlen: „Wir sollten regelmäßig Platt miteinander reden“

Er ist ein wahres Büsbacher Urgestein und in der Kupferstadt bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Am 25. Dezember ist Hans Dohlen 80 Jahre alt geworden. Das Geburtstagskind blickt im Gespräch mit Dirk Müller unter anderem auf eine bewegte Bühnenkarriere zurück, die beileibe noch nicht beendet ist.

Wie ist es, am 25. Dezember Geburtstag zu feiern?

Dohlen: Wunderschön. Von meiner Kindheit an bis heute gab es am Heiligabend die Bescherung mit Weihnachtsgeschenken und am Ersten Weihnachtsfeiertag Geburtstagsglückwünsche und -geschenke — beides immer fein säuberlich getrennt. An Weihnachten Geburtstag zu feiern, ist deshalb niemals mein Schaden gewesen. Im Gegenteil: Es ist schön, immer an einem Feiertag Geburtstag zu haben, weil weder ich noch die Gäste arbeiten mussten und müssen.

In Büsbach, Stolberg und Umgebung kennt man Sie unter anderem durch zahlreiche Konzerte...

Dohlen: Ja, weil ich seit 60 Jahren im Büsbacher Männergesangverein aktiv bin. Hinzu kommt, dass meine Ehefrau Anneliese Mitbegründerin des Kammerchors der Volkshochschule Stolberg war. Das gemischte Ensemble verfügte zunächst noch über wenige Männerstimmen, so dass ich vor 35 Jahren beigetreten bin und bis heute sowohl im Büsbacher MGV, als auch im VHS-Kammerchor gerne singe.

Als sehr erfahrener Sänger haben Sie auch bei dem Gemeinschaftskonzert der Stolberger Chöre die Stimme erhoben. Wie stehen Sie zu dem neuen Namen „Choriade“ und dem Wechsel des Veranstaltungsorts?

Dohlen: Der neue Titel „Choriade“ ist auf alle Fälle weniger sperrig als „Gemeinschaftskonzert der Stolberger Chöre“. Den Wechsel von der Stadthalle in das Museum Zinkhütter Hof begrüße ich sehr. Die Publikumsreihen in der großen Stadthalle sind von Jahr zu Jahr lichter geworden, der kleinere Saal im Zinkhütter Hof hingegen war bei der Premiere der Choriade gut gefüllt. Und den Sängerinnen und Sängern macht es mehr Freude vor einer kleineren aber vollen Kulisse zu singen als in einem großen aber eher leeren Saal. Zumal auch die Akustik im Zinkhütter Hof stimmt.

Anders als bei den Gemeinschaftskonzerten wurde bei der Choriade auf einen instrumentalen Mittelteil verzichtet. Wie beurteilen Sie dies?

Dohlen: Das fand ich persönlich schade, zumal es in Stolberg mehrere qualitativ hochwertige Instrumentalensembles gibt, die in der Vergangenheit das Gemeinschaftskonzert der Chöre aufgelockert haben und mit ihrem Können bereichert haben. Das ist beim Publikum sehr gut angekommen.

Ein anderes Szenario, das viele Menschen mit Ihren Auftritten verbinden ist die fünfte Jahreszeit, denn Sie waren lange im Karneval aktiv.

Dohlen: Wobei der Start sportlich und improvisiert war. Als Jugendlicher war ich beim Sportverein DJK Büsbach aktiv. Eigentlich, um dort Handball zu spielen. Dann habe ich aber auch bei Feiern in Sketchen mitgewirkt oder humoristische Vorträge gehalten. Im Alter von 18 Jahren fungierte ich dann zum ersten Mal als DJK-Sitzungspräsident. Die Präsidentenmütze habe ich damals noch aus glänzendem Papier selbst gebastelt.

In der Folge bin ich dann auch vor größerem Publikum in die Bütt gestiegen und habe in verschiedenen Rollen Scherze mit viel Lokalkolorit gemacht. Eine Gage habe ich für meine Auftritte nie angenommen, denn es war immer ein reines Hobby, die Menschen zum Lachen zu bringen.

Warum haben Sie sich 2011 entschlossen, nicht mehr auf den karnevalistischen Bühnen zu wirken?

Dohlen: Weil ich einfach das Gefühl hatte, es war genug. Ich werde ja nicht jünger, und irgendwann muss man aufhören. Das wollte ich machen, solange das Publikum und ich noch Freude aneinander hatten.

Dennoch haben Sie in diesem Jahr ausgerechnet bei einer Karnevalsveranstaltung eine weitere Ehrung erhalten, nachdem Sie auch schon Träger des Verdienstordens Stolberger Karneval sind ...

Dohlen: Was mich wirklich sehr gefreut hat. Die KG Büsbach hat mir bei ihrem Narrenkappes-Fest die erste „Bösbijer Mundart-Narrenkappe“ verliehen, um so meinen Einsatz für den Erhalt von Bösbijer und Stolberger Platt zu würdigen. Denn, auch nachdem ich keine Büttenreden in Mundart mehr präsentiert habe, gab es weiterhin Anlässe wie Jubiläen, Geburtstage, Weihnachtsfeiern und dergleichen, an denen ich humorvolle Vorträge gehalten habe — meist in Plattdeutsch.

Außerdem habe ich eine Zeit lang im Rahmen des Offenen Ganztags der Grundschule Bischofstraße eine AG geleitet und Kindern dabei das Bösbijer Platt beigebracht. Doch ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, dass die Karnevalsgesellschaft Büsbach mir die erste „Bösbijer Mundart-Narrenkappe“ verleiht. Das war eine tolle Überraschung und mir eine große Ehre.

Apropos Platt: In Nordrhein-Westfalen ist es den Kommunen jetzt erlaubt, ihre mundartlichen Namen auf die Ortsschilder zu schreiben. Was halten Sie davon?

Dohlen: Wenn ich mir vorstelle, auf den gelben Schildern würde stehen „Stolberg, Stadtteil Bösbich“, dann denke ich, das muss nicht sein. Die Ortsschilder dienen auswärtigen und wenig ortskundigen Menschen schließlich zur Information und als Orientierung. Sie sollen die Chance haben, zu wissen, wo sie sind, und die mundartlichen Schreibweisen, über die man übrigens trefflich streiten kann, da sie eigentlich nur gesprochen und eben nicht offiziell geschrieben werden, würden die Leute nur verwirren.

Und ein einziges auf einem Schild gedrucktes Wort wird unsere Mundart auch nicht bewahren. Viel wichtiger ist es, Platt regelmäßig miteinander zu sprechen, damit dieses Stück unserer Kultur uns nicht verloren geht.

Gesang bis heute und früher der Karneval — haben Sie auch ein Hobby, das nicht auf Bühnen präsentiert wird?

Dohlen: Oh ja, im wahrsten Sinne des Wortes mein Leib- und Magenhobby ist unser Garten. Und ein gesundes dazu, denn die Arbeit an der frischen Luft ist ein schöner Ausgleich. Als Belohnung gibt es dann nach der Ernte mit Kartoffeln, Möhren, Bohnen, Kräuter und Co. gesunde Nahrungsmittel, die auch noch vorzüglich schmecken.

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