Stolberger Ansichten: Hammer und Zange in der alten Schmiede am Lindenplatz

Stolberger Ansichten : Hammer und Zange in der alten Schmiede am Lindenplatz

Ein Stück Dorffer Ortsgeschichte ist das 1972 entstandene historische Vergleichsfoto. Auf dem Foto ist ein Teil des an der Pfarrer-Gau-Straße liegenden Lindenplatzes zu sehen: der zum Aufnahmezeitpunkt mit einer Telefonzelle, einer überdachten Bushaltestelle und einem Bauwagen bestückt ist.

Bushaltestelle und Bauwagen verdecken die Toreinfahrt des großen Bruchsteingebäudes im Hintergrund. Dieses Gebäude und die später unterhalb der kleinen Hofanlage entstandene Bebauung sind Thema des 160. Teil unserer Serie „Gleich und doch anders - Ansichten über Jahrzehnte“.

Das zweigeschossige Bruchsteingebäude, das von einem Walmdach gekrönt wird, ist mit drei unterschiedlich gestalteten Schlusssteinen ausgestattet. Der jüngste Schlussstein weist die Jahreszahl 1893 auf. Er befindet sich über der Toreinfahrt und ist zusätzlich mit den Initialen A.B. und C.B. geschmückt. Für die Geschichte der Anlage wesentliche Details enthält der aus dem Jahre 1836 stammende Schlussstein. Er enthält neben den Initialen L.B. und E.B. sowie dem Christogramm der Westkirche „IHS“ auch eine Zange, einen Hammer und einen Amboss.

Diese sind wohl Hinweise darauf, dass das Gebäude in der Vergangenheit lange Zeit als Schmiede genutzt wurde. Vermutlich lag die Schmiede in dem Gebäudeteil, der rechts der Toreinfahrt liegt. Denn in diesem Gebäude hat der Hausbesitzer vor einigen Jahren einen Amboss gefunden, der nun restauriert, einen bevorzugten Platz in seinem unterhalb liegenden Wohnhaus einnimmt.

Ältester Schlussstein ist der an einem hinteren Gebäudeteil angebrachte Keilstein. Auf ihm ist das Datum 1801 zu sehen. Über ein weiteres wichtiges Detail aus der Baugeschichte der Anlage gibt ein im Stolberger Stadtarchiv aufbewahrter Grundrissplan Auskunft. Auf dem 1921 entstandenen Plan sind zwei Gebäude im Grundriss abgebildet - rechts liegt ein längliches, schmales Gebäude, wahrscheinlich die ehemalige Schmiede und links ist straßenseitig ein größer ausgeführter Bau zu sehen. Zwischen beiden Gebäuden liegt ein Zuweg.

Ein Stück Dorffer Ortsgeschichte ist das 1972 entstandene historische Vergleichsfoto. Auf dem Foto ist ein Teil des an der Pfarrer-Gau-Straße liegenden Lindenplatzes zu sehen. Foto: Stadtarchiv Stolberg

Seit 30 Jahren Baudenkmal

Diese Situation entspricht nicht dem heutigen Zustand. Vermutlich wurden nach 1921 größere, bauliche Veränderungen vorgenommen. Denn beim genauen Betrachten der Gebäudehülle erkennt man, dass dem linken Bauteil zu einem späteren Zeitpunkt ein weiterer Bau hinzugefügt wurde, der zu einer Begradigung und Vereinheitlichung der Front führte. Schließlich ragte der rechte Gebäudeteil - wahrscheinlich die frühere Schmiede - um einige Meter in den Lindenplatz hinein.

Seit Mai 1988 ist das historische Gebäude in die Baudenkmalliste der Stadt Stolberg eingetragen. Auf dem historischen Foto ist unterhalb der Hofanlage am Rand der Pfarrer-Gau-Straße ein großer Fliederbusch abgebildet. Dort lag zum Aufnahmezeitpunkt ein mit einer Bruchsteinmauer eingefasstes Gartengelände. Dieser Garten ist vier Jahre nach der Bildentstehung bebaut worden. Seit 1976 liegt dort etwas zurückgezogen von Gehweg und Straße ein zweigeschossiges Wohnhaus.

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